Monschau - Budapester Operntheater: Zauberflöte völlig ohne Mätzchen

Budapester Operntheater: Zauberflöte völlig ohne Mätzchen

Von: js
Letzte Aktualisierung:
Die Priester Sarastros: Eine b
Die Priester Sarastros: Eine besonders berührende Schlusspointe der Inszenierung lag darin, dass sich die beiden verfeindeten Parteien - Königin der Nacht und Sarastro - letztlich versöhnen. Foto: Josef Schreier

Monschau. Nachdem im Rahmen der Monschau-Klassik die „Zauberflöte” als Kinderoper zu sehen war, bereitete nun das „Budapester Operntheater” auch den Erwachsenen ein optisches und akustisches Fest mit der kompletten Fassung von Mozarts vorletzter und berühmtester Oper.

Die Inszenierung von Zoltán Juhász war einfach und durchschaubar, also völlig ohne Regie-Mätzchen, und gerade auf diese Weise dem Mozartschen Werk sehr angemessen. Denn selbst wenn man dem Librettisten Emanuel Schikaneder bescheinigen müsste, dass er seinen Text in rechter Eile ohne Rücksicht auf etwaige Unstimmigkeiten zusammengestellt hatte, so ist doch die Musik Mozarts gerade in der „Zauberflöte” von einer einzigartigen Klarheit und Zugänglichkeit. Dem entsprach die Darbietung der ungarischen Künstler ganz und gar.

Wenn man in Rechnung stellt, dass die Aufführung auf einer „Open-Air”-Bühne ihre eigenen - und nicht unerheblichen - Tücken mit sich bringt, war die Leistung von Solisten, Chor und Orchester an diesem Abend aller Ehren wert. Im Vergleich zu der am Vorabend dargebotenen „Nacht in Venedig” war zu spüren, dass die Orchestermusiker mit einer viel größeren Intensität am Werk waren. Auch der Dirigent Imre Kollár schien dem Werk Mozarts ein deutlich stärkeres Engagement entgegenzubringen, was sofort auf das Orchester wie auch auf die übrigen Mitwirkenden übersprang.

In der Einzelkritik der Sänger kann man denn auch auf eine ganze Menge von „Perlen” hinweisen. Wie bei der Kinderoper war natürlich Papageno der Publikumsliebling. Diese immer wieder außerordentlich dankbare Rolle wurde von dem jungen deutschen Sänger Daniel Fiolka mit einer sympathischen, mitreißenden Spielfreude und einem überaus sicheren und gut geführten Bariton gestaltet. Zum Schluss wurde ihm, zu seiner und zu aller Freude, eine liebreizende Papagena in Gestalt von Annamária Zábrády zur Seite gestellt.

Vom Publikum noch stärker gefeiert wurde die „Königin der Nacht” von Judit Lörincz, die ihre beiden ungewöhnlich schwierigen Koloraturarien mit größter Bravour und Intensität darbot. Dagegen bot die Pamina von Susann Hagel eher die innigen und lyrischen Töne, mit denen sie auf ihre Art ebenso überzeugte. Sie traf sich darin mit „ihrem” Tamino von Brent Damkier. Gerade das Seelendrama dieser beiden, einander unversehens zugewiesenen Gestalten, die am Schluss des Stücks die Herrschaft in dem imaginären Reich dieser Opernwelt übernehmen, konnte durch die unaufdringliche und nichts überziehende Regie umso deutlicher werden.

Sarastro, der mit Übersicht und Gelassenheit das Reifen dieser jungen Menschen begleitet, wurde mit einem majestätischen Bass von Patrick Simper gestaltet. Eine besonders berührende Schlusspointe der Inszenierung lag darin, dass sich die beiden verfeindeten Parteien - Königin der Nacht und Sarastro - letztlich versöhnen, freilich ohne dass sich dem Zuschauer die Motive dieses Sinneswandels unmittelbar erschließen. Aber klar wurde doch, dass gerade die Musik Mozarts eine solche Wendung sinngemäß sehr wohl nahelegt. Die freudigen und triumphalen Klänge des Schlusschores lassen es gleichsam gar nicht zu, dass noch irgendjemand im Schatten einer Niederlage und eines endgültigen Absturzes verbleiben könnte.

Leider endete mit dieser Opernaufführung die diesjährige „Monschau Klassik” früher als ursprünglich vorgesehen. Hoffentlich kann man das, was für nächstes Wochenende geplant war, dann im kommenden Jahr genießen. Schön wäre es natürlich, wenn vor allem einmal das Wetter in gebührendem Maße „mitspielte”. Am Sonntag jedenfalls wurde auch in dieser Hinsicht ein hoffnungsvoller Anfang gemacht.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert