Aachen - Bronze-Pferde dürfen bleiben, allerdings in der alten Ordnung

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Bronze-Pferde dürfen bleiben, allerdings in der alten Ordnung

Von: Wolfgang Schumacher
Letzte Aktualisierung:
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Bildhauer Bonifatius Stirnberg kämpfte für die Rückverlegung seiner Skulptur auf dem Bahnhofplatz - und unterlag. Die Stadt muss die Pferdeplastik allerdings wieder in den alten Zustand versetzen. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Am Freitagmittag sahen die bronzenen Pferde auf dem Bahnhofsvorplatz endlich die Zielflagge. Einen unangefochtenen Sieger aber gab es nicht, Schulter an Schulter gingen die beiden Schlachtrösser, die Stadt und der Künstler Bonifatius Stirnberg, über die Linie.

Nach einem rasanten richterlichen Finish entschied der 6. Zivilsenat des Oberlandesgerichtes (OLG) Köln, dass beide Klageparteien künftig Abstriche machen müssen.

So verweigerte der Senat im Berufungsurteil dem Bildhauer seine Forderung, die Stadt müsse die seit 1977 am Bahnhof auf einem kleinen Hügel trabende Pferdeskulptur nach der Umsetzung im Jahr 2005 wieder an ihren alten Standort zurückversetzen.

Anders als nach dem erklärten Willen von Bonifatius Stirnberg folgten die OLG-Richter ihren Kollegen vom Landgericht Köln und sahen es als unerheblich an, an welcher Stelle vor dem Bahnhof die Bronzerösser nun laufen und in welche Richtung sie seit 2005 ihre Hufe schwingen.

Nach der persönlichen Inaugenscheinnahme im Mai „konnte der Senat nicht feststellen”, begründete Gerichtssprecher Hubertus Nolte die Entscheidung des 6. Senats (Vorsitz Richter Emil Schwippert), „dass der neue Aufstellungsort als solcher die berechtigten geistigen und persönlichen Interessen des Künstlers beeinträchtige”.

Sehr deutlich verwarfen die Kölner einen weitgehenden Urheberanspruch: „Der Urheber eines (veräußerten) Kunstwerkes hat grundsätzlich keinen Anspruch auf eine seinen Vorstellungen entsprechende Darbietung seines Werkes”, hieß es. Das war kurz und bündig.

Böser Eingriff

Doch mit Blick auf die städtischen Eingriffe in die Skulptur an sich und mithin in die künstlerische Gestaltungsfreiheit fanden die Richter ebenso deutliche Worte: „Der Urheber braucht sich weder vermeintlich noch tatsächlich bessere Ausführungsideen aufdrängen zu lassen.”

Man habe die Position der Pferde innerhalb der Skulptur verändert und damit „in das künstlerische Werk Stirnbergs eingegriffen”. Das wiederum war eine schallende Ohrfeige für Stadt, da sie unbotmäßig in ein Werk „von hoher schöpferischer Eigenart” eingegriffen habe.

Bei der höchstrichterlich angeordneten Korrektur des „Wie” hofft jetzt Bonifatius Stirnberg, wieder einen Fuß zwischen die Hufe seines Pferdegespanns zu bekommen, aufzusitzen und die Zügel wieder anzuziehen.

„Die Kröte insgesamt muss ich wohl schlucken”, meinte er verärgert und forderte, beim Wiederherstellen der alten Formation auch den „misslungenen Hügel” unter den Hufen wieder herzustellen.

Für die Stadt Aachen begrüßte Baudezernentin Gisela Nacken die Entscheidung, das Werk an Ort und Stelle zu belassen und sicherte zu, die Pferdegruppe „in Absprache mit dem Künstler neu zu ordnen”.
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