Brisanten Situationen auf der Straße wirksam begegnen

Von: P. St.
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Realistische Alltagsszenen im Straßenverkehr werden im Fahrsimulator dargestellt, den die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft für drei Tage im BGZ Simmerath aufgebaut hat. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Wieviel Sicherheitsabstand benötigt man zu einem vorausfahrenden Auto bei Tempo 50 in einer geschlossenen Ortschaft? 15 Meter müssten reichen, lautet die gängige Antwort. Doch 15 Meter bei Tempo 50 entsprechen gerade mal einem Zeitabstand von einer Sekunde.

Nach einer kleinen Testfahrt im Fahrsimulator gibt es dann keine Diskussionen mehr. Der Abstand muss mindestens zwei Sekunden betragen, also rund 30 Meter, sonst schafft man es als Autofahrer nicht, vor einem plötzlich auftretenden Hindernis, zum Beispiel hervorgerufen durch die Vollbremsung des Vordermanns, zum Stillstand zu kommen.

„Das war zu beweisen”, sagt Ralph Schincke. Er ist Referent beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn. Die vor gut 40 Jahren gegründete Organisation hat sich die Verbesserung der Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmer zur Aufgabe gestellt.

Drei Tage lang macht der DVR nun mit seinem fast 400.000 Euro teuren High-Tech-Fahrsimulator nun Station im Berufsbildungs- und Gewerbeförderungszentrum (BGZ) in Simmerath.

Der Fahrsimulator, eine Pkw-Kabine umgeben von Fachbildschirmen mit Straßenszenen, steht im Mittelpunkt des Aktionstages „Risiko raus” für Ausbildende. Die Initiative dazu hat die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) ergriffen als Maßnahme gegen folgenschwere Unfälle im Berufsverkehr. Gerade junge Berufstätige sind hier häufiger als andere betroffen.

Über 275.000 Arbeits- und Wegeunfälle im Straßenverkehr mit jungen Beschäftigten zwischen 18 und 26 Jahren registrierten die gewerblichen Berufsgenossenschaften im Jahr 2009. Fehlende Erfahrung und erhöhte Risikobereitschaft sind die Ursachen dafür, daher ist das Kernstück des Aktionstages der BG Bau auch der Test des Reaktionsvermögens im Fahrsimulator. Dabei sind es nicht einmal die Auszubildenden in den Bauberufen, die die Unfall-Statistik anführen, sondern „Metallbauer sind die Gefährdetsten”, wie Ralph Schincke weiß.

Rund 120 junge Leute in zweiten und dritten Lehrjahr, allesamt bereits Führerscheininhaber, lernen an drei Tagen im BGZ im Fahrsimulator, wie man kritischen Situationen im Straßenverkehr begegnen kann. Dazu erhalten die Auszubildenden Informationen zu den Themen Ladungssicherung, Stress und Zeitnot, ebenso sind auch Arbeitsmediziner vor Ort, die mittels einer „Rauschbrille” die Wirkung von Alkohol am Steuer simulieren.

Im Anschluss an den Reaktionstest im Simulator wird jede einzelnen Fahrsituation besprochen. Dabei erfahren die Teilnehmer dann auch zum Beispiel wie wichtig die richtige Einstellung des Fahrersitzes ist. Schincke: „Nur bei richtiger Sitzhaltung hat man den optimalen Bremsweg.”

Dr. Harald Wilhelm vom Fachbereich Arbeitsschutz der BG Bau hofft, dass alle 15 in Deutschland verfügbaren Ausbildungszentren in die Präventionskampagne „Risiko raus” eingebunden werden können. Besonders dem unkonzentrierten Verhalten im Straßenverkehrs und auf Baustellen gelte es zu begegnen.

Im BGZ stieß die BG Bau mit ihrer Aktion beim Nachwuchs der Branche auf große Resonanz.

Ein solches Angebot wird vom BGZ Simmerathauch gerne unterstützt: Betriebsleiter Norbert Mauel: „Das Thema Arbeitssicherheit gehört für uns zum regelmäßigen Programm.”
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