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Breitbandversorgung: Datenautobahn bald staufrei?

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
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Fast wie im Offline-Modus: Im Gewerbegebiet Rollesbroich ist der Weg ins Netz beschwerlich. Foto: Classen

Simmerath. Abwarten. Das ist die Beschäftigung, in die man im Gewerbegebiet Simmerath-Rollesbroich ungewollt viel Zeit investieren muss. Etwa 35 Gewerbebetriebe sind dort ansässig, sie beschäftigen insgesamt rund 500 Mitarbeiter. Und für viele von ihnen ist das Abwarten längst Bestandteil des Arbeitsablaufs geworden. Tag für Tag.

Nicht etwa, weil es wenig zu tun gäbe. Die Beschäftigen werden ständig ausgebremst - zumindest auf dem Weg ins weltweite Netz. Sie warten darauf, dass sich Seiten aufbauen, sie warten, bis eine Email endlich mit dem gewünschten Anhang versehen ist, sie warten auf das Ende eines Downloads. Das Problem im Gewerbegebiet Rollesbroich sind die schneckenlangsamen Internetverbindungen.

Jetzt soll Bewegung in die Sache kommen. In einer öffentlichen Bekanntmachung informiert die die Gemeinde Simmerath, dass bis zum 11. März ein Auswahlverfahren läuft. Gesucht wird ein Anbieter, der für das gesamte Gewerbegebiet eine Breitbandversorgung bereitstellt. Eine Übertragungsrate von mindestens sechs Megabit pro Sekunde soll garantiert werden, Übertragungsraten von mehr als zehn Megabit sind erwünscht.

Zum Vergleich: Aktuell bewegen sich die Unternehmen im Gewerbegebiet laut Auskunft der Gemeinde Simmerath mit Geschwindigkeiten zwischen null und zwei Megabit durchs Internet.

Nicht verwunderlich also, dass einem vom anderen Ende der Leitung ein schallendes Lachen entgegendröhnt, nachdem man Walter Kremer gefragt hat, ob er mit seinem derzeitigen Surftempo zufrieden sei. Kremer ist einer der Geschäftsführer der FST Form- und Stanztechnik GmbH. Das Unternehmen beschäftigt rund 70 Mitarbeiter und hat sich auf die Herstellung von Werkzeug spezialisiert. FST sitzt im Gewerbegebiet Rollesbroich, seine Kunden in der ganzen Welt. „Wir verkaufen 60 Prozent ins Ausland, nur ganz wenig in der Region”, sagt Kremer. Für seine Firma ist der Zugang zum weltweiten Netz so etwas wie eine Lebensader. Der Kontakt mit den Kunden hält er per Email, auf dem gleichen Wege werden technische Zeichnungen verschickt.

Kremer sagt, dass bei FST bis zu 15 Mitarbeiter zeitgleich im Netz sein müssen - bei einer Übertragungsrate von 1,5 Megabit. „Da läuft nichts”, fasst der Geschäftsführer die bisherigen Erfahrungen zusammen. Bei Susanne Braun, die in der Buchhaltung der Schlosserei Wilden - ebenfalls ansässig im Gewerbegebiet Rollesbroich - arbeitet, sieht es ähnlich aus. Um auf Angebote aufmerksam zu machen, müssten regelmäßig Emails mit Bilddateien verschickt werden. „Es dauert sehr lange und es kann auch passieren, dass gar nichts durchkommt”, sagt Braun.

Und bei der Firma Schwartz, laut eigenen Angaben ein weltweit führender Hersteller von Wärmebehandlungsanlagen, heißt es, dass man den Wunsch nach einer schnelleren Internetverbindung mehrfach „bei der Gemeinde Simmerath vorgetragen” habe.

Dass sich etwas tun muss, hat man auch dort längst erkannt. Wieviel das Ganze am Ende kosten wird, ist derzeit noch absehbar. „Würde ich jetzt eine Summe nennen, wäre das reine Spekulation”, sagt Ulrike Lange-Wiemers, Referentin von Simmeraths Bürgermeister, und verweist auf das laufende Ausschreibungsverfahren. Fest steht jedenfalls, dass man in der Gemeinde auf Mittel setzt, mit denen die Breitbandversorgung in ländlichen Räumen gefördert wird.

Letztlich wird man das Vorhaben aber wohl nicht komplett darüber finanzieren können, weswegen auch aus dem eigenen Etat etwas beigesteuert werden muss.

Einen Plan B, was zu tun ist, wenn niemand Interesse an dem Auftrag zeigt, gibt es indes nicht. Lange-Wiemers: „Es würde mich sehr wundern, wenn sich niemand melden würde. Man muss das Abwarten.” Damit hat man ja im Gewerbegebiet reichlich Übung.

In Simmerath fallen die Surfgeschwindigkeiten sehr unterschiedlich aus

Abseits des Gewerbegebietes Rollesbroich ist die Internetversorgung in Simmerath mittlerweile einigermaßen schnell - zumindest auf dem Papier.

11,5 Kilometer Glasfaserkabel wurden im vergangenen Jahr in Hammer, Huppenbroich, Lammersdorf und Eicherscheid unter die Erde gebracht.

Zudem wurden zehn sogenannte Multifunktionsgehäuse errichtet. In ihnen kommen die Glasfaserleitungen an, von dort führen die Kupferkabel weiter in die Haushalte.

1600 Haushalte sollten im vergangenen Jahr eine schnellere Internetleitung erhalten. Ein Ziel, das nur teilweise erreicht wurde.

Die schnellstmögliche Geschwindigkeit von 16 Megabit wird nur an wenigen Orten erreicht. So ist beispielsweise im Bereich um die Steckenborner Kirche durchaus schnelles Surfen möglich, während es Richtung Hechelscheid langsamer wird.

Abhängig ist die Internetgeschwindigkeit maßgeblich von der Entfernung des Anschlusses zum nächstgelegenen Multifunktionshaus.

Je länger die Leitung, desto langsamer das Netz. „Das ist reine Physik und hat mit Widerständen zu tun”, begründet Gerd Wolter, Techniker bei der Telekom.

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