Nordeifel - Bräuche finden auch heute noch ihre Anhänger

Bräuche finden auch heute noch ihre Anhänger

Von: rpa
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Bunte Laternen, ein großes Fe
Bunte Laternen, ein großes Feuer, Gesang, der durch die Blasmusiker begleitet wird und am Ende bekommt jedes Kind einen Weckmann: Am Wochenende wird das Martinsfest, ein Brauch mit langer Tradition, gefeiert.

Nordeifel. „Das ganze Dorf glich einem Lichtermeer.” Der Grund dafür: St. Martin zog auf einem Schimmel durch die Straßen des Dorfes, dahinter dann die „Kleinen mit ihren Fackeln”.

So berichtet die Lokalzeitung Mitte November 1949 aus Kalterherberg. Dort gab es ein Jahr zuvor, also heute vor 64 Jahren, den ersten Martinszug überhaupt, wie damals berichtet wurde. Träger des Festes war die Schulverwaltung.

St. Martin war erstmals im November 1950 in Höfen. „Um die braven Kinder zu beschenken, benötigt St. Martin etwa 400 Weckmänner”, notierte damals der Chronist, der dann hinzufügte: Da die Gemeinde dafür kein Geld hat, sorgen die Höfener Geschäfte und Bäckereien dafür, „dass kein Kind bei der Bescherung leer ausgeht”. Während 1950 in Höfen das erste Martinsfest gefeiert wurde, gab es in Monschau bereits das 25. Martinsfest.

Ein Jahr früher, nämlich 1924 wurde St. Martin schon in Imgenbroich gefeiert. Der Chronist berichtet: „Voran ritt, hoch zu Ross, St. Martin in fantastischer Aufmachung, von zwei Knappen flankiert. Dahinter gruppierte sich die Musik, daran schloss sich ein langer Zug von Fackelträgern, Schulkindern, Erwachsenen und Gästen aus benachbarten Dörfern. Unter den Klängen der Musik und des Martinsliedes bewegte sich der Fackelzug durch die Dorfstraße. Raketen fuhren zischend in den nachtschwarzen Himmel.”

November 1924 in Imgenbroich: Das ganze Dorf ist auf den Beinen und folgt dem Zug, „der sich zum Menzerather Weiher hinunter und dann auf die jenseitige Höhe hinaufwand, wo schon bald das Martinsfeuer, der Glanzpunkt des Abends, hell explodierte”.

Die „alljährliche Martinsfeier” war vor 88 Jahren ein besonderes Ereignis für das „ganze Dorf”, darüber hatte dann auch das Montjoie´r Volksblatt ausführlich berichtet, dies mit der „Mahnung, alte im Volk wurzelnde Bräuche mehr als je zu pflegen und zu erhalten”.

Sonntag ist wieder St. Martin. An diesem Tag wie auch an den Tagen davor und danach ziehen die bunten Lichterzüge durch die Dörfer der Nordeifel. Und nach der alten Tradition gibt es Brezeln oder Weckmänner für die Kinder, Fackeln werden gebastelt, Anwohner schmücken entlang des Zugweges die Fenster ihrer Häuser mit Lichtbildern aus Karton und buntem Transparentpapier. Besonders ausgeprägt ist dieser Brauch in Konzen und in Paustenbach.

Die Spuren des Festes lassen sich bis um 1800 zurückverfolgen. Um 1900 wurde der Brauch neu belebt, damals machten sich sporadisch die ersten Martinszüge auf den Weg. In Konzen wurde das Martinsfeuer um das Jahr 1925 eingeführt - auf Veranlassung des Pfarrers, der damals einen anderen alten Brauch abschaffte: den „Wearel”.

Der „Wearel”, in Kalterherberg der „Wehrhahn”, war das „Freudenfeuer”, das in Konzen am ersten Fastensonntag entfacht wurde um den Winter zu vertreiben, das Frühjahr zu begrüßen und die Erde auf ein fruchtbares Jahr einzuschwören.

In Süddeutschland wird dieser Brauch noch heute gepflegt. In Konzen wurde dieser „sehr alte Brauch abgeschafft”, weil dieses „ererbte Brauchtum” heidnischen Ursprung hatte, lesen wir in einem Beitrag des Heimatkundlers Hans Steinröx im „Eremit am Hohen Venn”. Sein Wunsch im Jahr 1953 war, dass beherzte junge Leute den altüberlieferten Brauch wieder neu einführen als Symbol der Sonne.

Der „Wearel” und das Martinsfeuer hatten früher eines gemeinsam: Die jungen Burschen zogen von Hof zu Hof und sammelten Brennstoff für das Feuer, das in Konzen damals wie heute auf der „Hohe” abgebrannt wird. „Die letzten Jahre haben im Montjoier Lande ein Wiederaufleben der Martinsfeier gezeitigt, welches allseits lebhaft und freudig begrüßt wird und einen Beweis dafür bildet, dass volkstümliche Bräuche auch in unserer Zeit noch ihre Anhänger finden”, schreibt der Monschauer Heimatkundler Karl Stollenwerk (1882-1942) im Jahr 1928 im „Eremit am Hohen Venn”. Über das Fest 1927 berichtete das Montjoie´r Volksblatt: „Mit klingendem Spiel bewegte sich der schillernde Zug, St. Martin auf einem Schimmel an der Spitze, durch die mit Menschen dicht angefüllten Straßen und Gässchen der Stadt, während von der Haag die Flammen des Martinsfeuer hoch aufloderten und der altersgraue Hallerturm in bengalischer Beleuchtung erstrahlte.”

Heute wie damals kümmern sich Komitees darum, das Fest zu organisieren. „Ein besonders von den Ortseinwohnern hierzu gewähltes Komitee hatte sämtliche Vorsorgen für die Verschönerung des Festes getroffen”, berichtet der Chronist 1927 über die Imgenbroicher Organisation. Sankt Martin, so lesen wir 1928 bei Karl Stollenwerk, ist auch „deshalb bei der Jugend in Ehren, weil in der betreffenden Nacht die erste Bescherung der Kleinen stattfindet.”
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