Aachen - „Bombenbastler” legt Teilgeständnis ab

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„Bombenbastler” legt Teilgeständnis ab

Von: dpa
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Vor dem Aachener Landgericht hat der Prozess gegen zwei junge Neonazis aus der Region (hier mit ihren Anwälten) begonnen. Ihnen wird vorgeworfen, einen Sprengstoffanschlag in Berlin geplant zu haben. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Ein mutmaßlicher Bombenbastler aus der rechten Szene hat sich am Freitag vor dem Landgericht Aachen nicht dazu geäußert, ob er in Berlin einen Sprengstoff-Attentat geplant hatte.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 20-Jährigen und einem 25 Jahre alten Mitangeklagten vor, bei einer Demonstration von Rechtsextremen in Berlin am 1. Mai 2010 einen Sprengstoff-Anschlag vorbereitet zu haben. Sie hatten laut Anklage Silvesterknaller mit Glasscherben präpariert und wollten damit Polizisten und Gegendemonstranten verletzen.

Der 20-Jährige Hauptangeklagte räumte lediglich ein, er habe die Sprengsätze gebastelt und nach Berlin mitgenommen.

Bei der Kundgebung waren selbst gebaute Sprengsätze bei einer polizeilichen Vorkontrolle fallen gelassen worden. Sichergestellte DNA-Spuren führten später zu den beiden nun Angeklagten. Ganz ohne Hintergedanken will der 20-jährige Hauptangeklagte zwei Wochen vor der Demonstration die sechs Silvesterknaller in Aachen präpariert haben. Sein Mitbewohner, der ebenfalls angeklagte 25-Jährige, sei vollkommen ahnungslos gewesen, sagte der 20-Jährige vor Gericht.

Bei einer Testzündung seien die Glasscherben zwei Meter weit geflogen. Der junge Mann erklärte, er habe die fertig gebastelten Sprengsätze auf der Busfahrt nach Berlin dabei gehabt. Er habe sie herumgereicht und sich dann dazu entschieden, die Knaller nicht mit zur Kundgebung zu nehmen. Das habe vermutlich jemand anderes ohne sein Wissen getan. Nur so könne er sich erklären, warum die Sprengsätze bei der Polizeikontrolle gefunden wurden. Er selbst habe sie nicht fallen lassen.

Der Mann, der sich ein Porträt von Adolf Hitler auf den Rücken tätowieren ließ, war eigenen Angaben zufolge früher Mitglied der neonazistischen Gruppierung Kameradschaft Aachener Land. Er habe sich dort „wohl gefühlt und viel Spaß gehabt”, sagte er. Inzwischen habe er sich von den Neo-Nazis aber losgesagt. Der Mitangeklagte meinte, er habe sich der rechten Gruppierung allenfalls bei Demonstrationen angehängt, um „meine Stimme auf die Straße zu bringen”.

Die Staatsanwaltschaft wirft beiden neben einem versuchten Sprengstoff-Attentat auch vor, eine Mauer des Jüdischen Friedhofs in Aachen mit Nazi-Symbolen beschmiert zu haben. Der jüngere von beiden soll zudem versucht haben, das Autonome Zentrum in Aachen mit zwei Molotow-Cocktails in Brand zu setzen. Der Prozess gegen die beiden Männer soll noch bis Ende Februar gehen.

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