Blickwinkel und Universen lassen Kasse klingeln

Von: Robert Flader
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„Wer bietet mehr?” Robert Moonen war im Zinkhütter Hof in seinem Element - nicht als Stadionsprecher, aber als Auktionator der Benefiz-Auktion des Rotary-Clubs Aachen-Charlemagne. Foto: R. Flader

Stolberg/Aachen. Die Enttäuschung über die Niederlage der Alemannia gegen Augsburg hat Robert Moonen weniger als 24 Stunden später - vielleicht schneller als von ihm selbst erwartet - hinter sich gelassen. „Nein, meine Motivation, heute als Auktionator aufzutreten, hat darunter kein bisschen gelitten”, stellt der Stadionsprecher im Zinkhütter Hof unmissverständlich klar.

Zinkhütter Hof? Nun, die „Stimme von Tivoli”, wie Moonen auch genannt wird, hat am Wochenende neben seinem fußballerischen „Tagesgeschäft” noch einen anderen Termin, der ihn ins Stolberger Industriemuseum führte, wo der Rotary-Club Aachen-Charlemagne bei einer großen Benefizaktion zum zweiten Mal nach 2009 Designobjekte von FH-Studenten versteigert.

Beine, Kuben, Wasserfälle

Dieses Mal sind es 32 kinetische Leuchtskulpturen, kleine und große, bunte und einfarbige, in Form von Beinen, Kuben oder Wasserfällen, die an fleißige Bieter gebracht werden wollen.

Im Fachbereich Gestaltung wurden sie von den Nachwuchsdesignern entworfen und gebaut. Mit dem Auktionserlös sollen naturwissenschaftliche und musikpädagogische Projekte an Aachener Grund- und Hauptschulen gefördert werden.

Doch der Reihe nach: Anpfiff zur ersten Halbzeit, die ersten 16 Objekte, Auktionator Moonen weiß natürlich, wie man das letzte Quentchen Begeisterung von den Zuschauern rauskitzelt: Das Einstiegsgebot von 199 Euro, dies zeigt sich schnell, wird bei manchem Objekt fast verzehnfacht. 350, 400, 800, 1200 Euro, ein Ende ist bei manchem Objekt nicht in Sicht. Offermanns: „Das ist ein guter Erlös für eine noch bessere Sache.”

Industriemuseum und kinetische Lichtskulpturen, größer könnte der Gegensatz zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Nadeln und Messinggeschirr auf der einen, sowie LED-Lampen und digitalisierten Mikrokosmen auf der anderen Seite nicht sein. „Und dennoch”, spannt FH-Professor Rainer Plum den historischen Bogen, „geht es bei beidem um das Phänomen der Bewegung.”

Die Auktion nimmt ihren Lauf, bei manchem Modell bieten die Studenten selbst mit, um den Preis für das eigene Werk nach oben zu treiben. Taktik ist eben alles, nicht nur im Sport. Jakob Landes, im 3. Semester im Fach Produktdesign eingeschrieben, verrät „Blickwinkel”, die mit 1200 Euro als Einzelobjekt am höchsten dotiert sein werden: „Ich war schon immer inspiriert von der Faszination und Gefahr des Feuers”, sagt er über seine in die Luft ragenden, leicht verschachtelten Spitzen, die von innen und außen, von verschiedenen Blickwinkeln immer neue Formen erzeugen. Mit diesem Entwurf wird er in einer vom Rotary-Club vorgenommenen Bewertung stolzer Vierter.

Derweil hat Robert Moonen, der Auktionator, alle Hände voll zu tun, dieselbigen im weiten Rund des Zinkhütter Hofs zu zählen: „Ran an den Speck”, ruft er, die Kunstliebhaber - unter ihnen viele, die bereits bei der letztjährigen Premiere im Ludwig Forum dabei waren und damals für insgesamt 16.700 Euro Designstühle ersteigert hatten, lassen sich nicht nicht zweimal bitten - und bieten fleißig.

Ein richtiger „Renner” unter den Skulpturen ist auch „Sijanie Luna” von Tatiana Korte. Die Form ihrer Leuchte ist eine kleine, ganz in grün gehaltene, Abbildung des Universums. „Die Verwendung von Schwarzlicht”, erklärt die Studentin, die sich ebenfalls im dritten Semester des Produktdesigns befindet, „ermöglicht ein dunkles Universum, lässt aber gleichzeitig die Planeten im hellen Mondlicht glänzen.”

Keine Schnäppchenjagd

Keine Frage, die Versteigerung ist alles andere als eine Schnäppchenjagd, bei der so mancher Kunstliebhaber tief in den Geldbeutel leisten muss, um sich das Objekt der Begierde zu leisten, spektakuläre Privatduelle unter einzelnen Bietern inbegriffen.

Doch, um in der Sprache des Fußballs zu bleiben, auch wenn es in der ersten Halbzeit, den ersten 16 Skulpturen, bei bereits erreichten 9300 Euro noch danach aussieht: Der Premierenerlös von 2009, er fällt am Ende - nicht ganz. Doch ganze 15400 Euro lassen sich mehr als sehen, findet Rotary-Präsident Dr. Wilfried Offermanns: „Das ist eine stolze Summe, mit der wir sicher wieder einiges bewegen können.”

Bei der offiziellen Bekanntgabe des Spendenerlöses kehrt auch ein breites Grinsen auf das Gesicht von Robert Moonen zurück.

Diesmal hat sein Einsatz zu einem positiven (Spiel-)Ende beigetragen.
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