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Bewertungen abgeben, bis der Arzt kommt

Von: Julia Bäumler
Letzte Aktualisierung:
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Auf welche Bewertungsportalen kann man sich verlassen, bei welchen ist eher Vorsicht geboten? Die kassenärztliche Bundesvereinigung rät dazu, sich im Zweifelsfalle lieber auf das Urteil von Bekannten und Verwandten zu verlassen. Foto: Julia Bäumler

Nordeifel. Von ihren Patienten hat sie im Internet 9,8 von 10 möglichen Punkten erhalten. Neunmal wurde die Ärztin Margit Wilden, die ihre Praxis in Imgenbroich hat, bislang auf einem der Portale benotet, auf denen Patienten die Zufriedenheit mit ihrem Arzt bewerten können.

Solche Portale bieten für die Ärzte Chancen und Risiken. Auf der einen Seite können sie durch viele positive Bewertungen auf sich aufmerksam machen, andererseits kann bereits eine einzelne Meinung zum Verhängnis werden und den Ruf schädigen, selbst wenn die restlichen Patienten anderer Meinung sind. Denn oft sind es die Ausreißer, die diese Portale nutzen, um ihre Meinung preiszugeben.

Bewertet werden zum Beispiel der Behandlungserfolg, die Kompetenz des Arztes, die Beratung, Terminvereinbarung, Freundlichkeit, Ausstattung der Praxis sowie Entscheidungen und Empfehlungen. Außerdem können die Benutzer auch selbst einen Kommentar hinterlassen. Die sehen dann beispielsweise so aus: „Alle Mitarbeiter der Praxis sind sehr freundlich und hilfsbereit. Man kommt sich nie störend vor, auch wenn viel zu tun ist. Es wird sich immer Zeit genommen, auch wenn man ohne Termin vorbei schaut. Gut finde ich die Rezepthotline, das geht einfach und schnell. Frau Wilden ist stets freundlich, aufmerksam, nimmt sich viel Zeit und hört zu. Sie hat ein großes Fachwissen und ist sehr kompetent. Ich fühle mich dort sehr gut aufgehoben.“

Mittlerweile gibt es schon 20 deutschsprachige Portale, die mit Tipps und Kritik dienen. Oft muss man sich nicht zwingend bei diesen Portalen anmelden, sondern kann anonym diejenigen Dinge schreiben, die einem auf dem Herzen liegen. Oft ist die Resonanz positiv, aber in vielen Fällen finden verärgerte Patienten dort Platz, um ihren Frust auszulassen.

Margit Wilden betrachtet das Ganze von zwei Seiten aus: „Ich finde es ziemlich spannend, zu verfolgen, was in diesen Portalen über mich geschrieben wird und wie ich bewertet werde. Es ist unsere neue Zeit, die sich mit solchen Dingen beschäftigt. Ich bin bemüht, meine Patienten so kompetent wie möglich zu behandeln und versuche mich, obwohl es spannend ist, von den Portalen nicht beeinflussen zu lassen und beobachte sie mit Respekt.“

Die Gefahr, die Margit Wilden in den Portalen sieht, deckt sich wohl mit den Befürchtungen vieler Ärzte. Auf den meisten Portalen braucht es nicht mal eine gewisse Bewertungsanzahl, um dem Arzt eine Note zu verpassen. Doch bisher haben die Bewertungsportale bei Margit Wilden nur eine positive Erkenntnis hinterlassen. Oft berichteten Neukunden, wie sie sich über die Internetbewertungen der Ärztin informiert hätten, um ihre Auswahl zu treffen.

Oft werden die Ärzte auch ohne deren Wissen bewertet. So war sich Dr. med. Hans Peters bisher gar nicht über seine Präsenz in diesen Portalen bewusst. Seiner Meinung nach umgarne uns das System, in dem sich alles um das Internet drehen soll. „Das was wir wirklich brauchen, bleibt auf der Strecke“, sagt der Arzt, der bemüht ist, sich um seine Arbeit und die Anliegen seiner Patienten zu kümmern und nicht um seine Bewertungen im Internet.

Damit sich Patienten ein besseres Bild von der Qualität solcher Portale machen können, hat die Bundesärztekammer gemeinsam mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung eine Checkliste erstellt. Mit insgesamt 42 Kriterien nehmen sie immer wieder Bewertungen der Portale vor, um zu überprüfen, wie zuverlässig die Seiten tatsächlich sind. Datenschutz, Missbrauchs- und Manipulationsmöglichkeiten und viele weitere Dinge werden alle bis ins Detail hinein untersucht.

Die Ergebnisse der Untersuchungen werden dann unter www.arztbewertungsportale.de veröffentlicht und somit für jeden zugänglich gemacht. Dort wird eine Liste mit den bewerteten Portalen aufgeführt, denen jeweils ein Gutachten der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sowie eine Stellungnahme des betroffenen Portals hinzugefügt wird. So minimiert sich die Gefahr, sich eine falsche Meinung über ein Ärztebewertungsportal einzuholen.

Der Pressesprecher der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Dr. Heiko Schmitz, kennt die Gefahren und Vorteile der Bewertungsportale. „Wir sehen das Ganze skeptisch bei Portalen, die nicht mal zehn Bewertungen der Benutzer vorsehen, um den Arzt zu benoten. So kann eine Einzelmeinung schon den Ruf schädigen. Es gibt aber auch Portale, bei denen erst eine gewisse Zahl an Bewertungen vorliegen muss, um eine Note zu geben. Die Entwicklung ist ohnehin nicht mehr aufzuhalten und daher empfehlen wir den Ärzten, nicht nur die Risiken zu sehen, sondern auch die Chancen, die dahinter stehen, zu nutzen.“ Dem Patienten empfehle er nur seriöse Seiten zu nutzen, wo man sich beispielsweise registrieren müsse.

Dr. Heiko Schmitz rät außerdem dazu, die Portale als Orientierungshilfe zu nutzen, aber sich lieber nochmals umzuhören und sich auf die Mund-zu-Mund-Propaganda zu verlassen. „Wir sehen das Ganze mit einem lachendem und einem weinenden Auge“, so der Pressesprecher.

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