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Bester Hirschrufer kommt aus Roetgen

Von: ddp-nrw
Letzte Aktualisierung:
Deutsche Meisterschaft der Hirschrufer
Sieger Jens Sander bläst in Dortmund bei der deutschen Meisterschaft der Hirschrufer in seinen sogenannten Hirschruf. Foto: dpa

Dortmund/Roetgen. Mit einer laut Jury „absolut naturgetreuen Wiedergabe” von Hirschen am Brunftplatz hat sich Jens Sander am Freitagnachmittag den Deutschen Meistertitel der Hirschrufer erkämpft.

Mit seinem Sieg hatte Jens Sander im Vorfeld nicht gerechnet - doch manchmal nutzt eben auch eine Erkrankung. „Ich war gestern noch etwas heiser. Da hatte ich Angst, dass ich nicht teilnehmen konnte. Doch bei den tiefen Stimmen hat mir meine Heiserkeit dann geholfen”, sagt der Berufsjäger aus der Eifelgemeinde Roetgen.

Am Freitag hat sich der 63-Jährige auf der Messe „Jagd & Hund” durchsetzen können. Als einer von sieben Teilnehmern kann er den Ruf von jungen oder in die Jahre gekommenen Hirschen am besten nachahmen. Auf einer Bühne vor mehreren Hundert Zuschauern wird der Wettbewerb ausgetragen. Jeder der sieben Teilnehmer muss den Ruf eines Hirsches gleich in mehreren Situationen imitieren. Zunächst sollen die Hirschrufer einen alten, abseitsstehenden Hirsch nachahmen.

Im zweiten Durchgang muss der Brunftruf einen jungen suchenden Hirsches angestimmt werden. Und zum Abschluss müssen die Teilnehmer ein „Rufduell” zwischen zwei Hirschen am Brunftplatz nachstellen. Eine dreiköpfige Jury bewertet die Darbietungen und benotet sie wie beim Eiskunstlaufen. „Das Hirschrufen ist eine alte Handwerkskunst. Es geht darum, den Ruf eines Rivalen zu imitieren und so den Hirsch hervorzulocken, um ihn dann gegebenenfalls zu erlegen”, sagt Moderator Karl-Heinz Betz, der durch den rund einstündigen Wettbewerb führt.

Die Hirschrufer setzen dabei allerdings weniger auf ihre eigene Stimme als vielmehr auf Instrumente wie ein Ochsenhorn, eine Südseemuschel oder einen sogenannten Eifel-Hirschruf. Mit diesem von einem Oberförster entwickelten Instrument war auch Sander erfolgreich. „Eigentlich hatte ich kein gutes Gefühl”, verrät er. Schließlich hatte der 63-Jährige bei dem letzten Wettbewerb noch den letzten Platz belegt. Doch diesmal kommt ihm seine leicht angeschlagene Stimme offenbar gerade recht. So findet er den richtigen Ton und kann sich auch in einem Stechen gegen den späteren Zweitplatzierten Immo Ortlepp aus Wedemark durchsetzen. In dem Stechen muss ein alter Hirsch gegen Ende der Brunft imitiert werden.

Nicht allzu kraftvoll darf der Ruf des Rotwildes da klingen, schließlich hat ein Tier zu einem solchen Zeitpunkt schon etwa 20 Prozent seines ursprünglichen Körpergewichtes abgebaut. Während andere Teilnehmer mehrere Instrumente nutzen, vertraut Sander ganz allein seinem Eifel-Hirschruf. Dabei kann er die Töne modulieren, indem er den Korpus des Instruments verschiebt. Die Zuschauer horchen gespannt, für ungeübte Ohren ist es allerdings schwierig, die Unterschiede zu hören. Am deutlichsten wird die Differenz bei der Imitation eines Junghirschen, dessen Ruf doch nicht ganz so tief röhrt. Auf die Instrumente müssen die Teilnehmer zurückgreifen, weil sie sonst den Ruf des Rotwildes nicht imitieren könnten.

„Die Instrumente dienen quasi als verlängerte Luftröhre”, sagt Vizemeister Ortlepp. Schließlich habe ein Hirsch eine Luftröhre mit einer Länge von rund 40 Zentimetern, während die des Menschen nur etwa acht Zentimeter lang ist. Für die Jäger ist der Hirschruf ein wichtiges Hilfsmittel, um das Rotwild hervorzulocken. „In der Praxis weiß man aber nie, ob der Hirsch auf den Ruf reagiert”, erklärt Sander. Um so mehr freut sich der 63-Jährige über seinen Sieg auf der Dortmunder Messe. „Ich fühle mich bombig”, erklärt er. Die Brunftrufe haben ihn offenbar beflügelt.
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