Erdmännchen Freisteller

Belegschaft nimmt Kardinal in die Pflicht

Von: Ernst Schneiders
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Dr. Guido Schneiders und seine Mitstreiter versuchen, die Stimmung im Krankenhaus hochzuhalten. Foto: P. Stollenwerk

Simmerath. Nicht Fisch und nicht Fleisch - so ist in etwa die Gefühlslage der Belegschaft im Simmerather St. Brigida-Krankenhauses „am Tag danach”. Dr. Guido Schneiders, Sprecher der Mitarbeitervertretung des Hauses, räumt denn auch ein, „dass wir grundsätzlich nicht ganz zufrieden sind”.

Es gebe einiges an Unsicherheit im Hause, trotz der intensiven Bemühungen der Städteregion. Viele Mitarbeiter hätten sich auf den 1. Juli und den damit einhergehenden Neuanfang gefreut. Aber angesichts der aktuellen Entwicklung und des in Rede stehenden Geschäftsbesorgungsmodells gebe es doch Kolleginnen und Kollegen, „die Angst haben”. Kritische Stimmen würden laut. Dr. Schneiders: „Wir versuchen aber, die Stimmung hochzuhalten.”

Grund zur Freude gäbe es in St. Brigida eigentlich reichlich, denn die Entwicklung in der vergangenen Monaten ist nach Einschätzung von Dr. Guido Schneiders positiv verlaufen. Eine Befragung der AOK zur Patientenzufriedenheit beispielsweise habe das Simmerather Krankenhaus im Ranking in die oberen zehn Prozent der Liste katapultiert, besser als andere Malteser-Häuser im Verbund und besser als die anderen Krankenhäuser in der Region, wie der Mediziner nicht ohne Stolz berichtet.

Dennoch ist die Stimmung gedrückt, und der Grund dafür trägt den Namen Meisner. Gemeinsam mit der Städteregion, den Eifelkommunen und den Komitee werde die Mitarbeitervertretung dem Kölner Kardinal einen Brief schreiben. Dr. Schneiders: „Hier ist natürlich niemand ein Freund der Abtreibung. Aber wir halten es für nicht vertretbar, dass ein neuer Träger die Forderung des Kardinals akzeptiert.”

Der Kölner Erzbischof müsse sich über eines im Klaren sein: Sollte wegen seiner Ablehnung eines neuen Trägers das Krankenhaus irgendwann geschlossen werden müssen, „dann sterben hier wirklich Menschen”.Der Tonfall des ansonsten als ausgesprochen moderat und freundlich bekannten „Betriebsratsvorsitzenden” wurde bei diesen Worten merklich erregter und rauer. Dr. Schneiders nennt „belegbare” Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit.

Ein Neugeborenes und eine alte Dame, die beide akut in Lebensgefahr schwebten, konnten dieser Tage im Simmerather Krankenhaus gerettet werden. „Beide”, so Dr. Guido Schneiders, „hätten den Transport zu einem Krankenhaus in Aachen nicht überlebt.” Diese Einschätzung sei nicht seine Einzelmeinung, so der Mediziner weiter, da könne er gerne auf Kolleginnen und Kollegen verweisen.

Joachim Kardinal Meisner hat nach Meinung der Mitarbeitervertretung abzuwägen zwischen der ethischen Frage der Abtreibung und der realen Frage der Lebensrettung. Dr. Schneiders: „Es kann nicht nur darum gehen, ungeborenes Leben zu schützen, es muss auch darum gehen, existierendes Leben zu erhalten.”

Die Mitarbeitervertretung könne den Kardinal nur bitten, keine Bedingungen beim Trägerwechsel des Krankenhauses zu stellen, „sondern den christlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dieses Haus zu vertrauen und ihnen die Gelegenheit zu geben, weiterhin so gute Arbeit zu leisten wie bisher”.
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