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Bauchtanz auf und vor der Kinoleinwand

Von: P. St.
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Voller Einsatz nach dem Abspann: Zur Premiere des Films „Die mit dem Bauch tanzen“ gab es im Apollo-Theater eine Zusatzvorstellung der Bauchtanzgruppe, um die sich die Dokumentation dreht. Foto: P. Stollenwerk

Nordeifel/Aachen. Glotzende Kühe und in bunten Kostümen tanzende Frauen auf einer Eifelwiese: Mit diesem Bild beginnt der Film „Die mit dem Bauch tanzen“. Das Erstlingswerk der aus Simmerath-Steckenborn stammenden Regisseurin Carolin Genreith (28) fand bereits bei der 63. Berlinale zu Beginn des Jahres große Beachtung, am Donnerstag feierte der Dokumentarfilm (79 Min.) vor ausverkauftem Saal im Aachener Apollo-Theater eine farbenfrohe und ausgelassene Premiere.

Die Filmemacherin und ihr Team sorgten für restlose Begeisterung bei den rund 200 Premierengästen, denn nach dem Bauchtanz auf der Leinwand folgte die Live-Zugabe der etwa 15 Protagonistinnen vor der Leinwand.

Aber öffentliche Auftritte ist die Truppe, die sich seit 25 Jahren jeden Mittwoch in Aachen mit ihrer Leiterin Marita Kreiselmeyer trifft, ja gewohnt: Einmal im Jahr fahren die Frauen, fast alle in den so genannten besten Jahren, zu einem Wochenendausflug nach Paris, wo sie dann auf Plätzen und vor Cafes spontan einen orientalischen Tanz aufs Pflaster legen und die staunenden Passanten mit ihrer Lebensfreude anstecken.

Der Kurzbesuch unter dem Eiffelturm gehört auch zu den Schlüsselszenen des Dokumentarfilms, den die Regisseurin ihrer Mutter widmete, die eine zentrale Rolle spielt. Die unspektakulär aber ehrlich und handwerklich detailgenau abgefasste Dokumentation dreht sich um das Älterwerden, die Wechseljahre, aber auch um Genuss und die neu entdeckte Lebensqualität im fortgeschrittenen Frauenalter. Die Flasche Rotkäppchen-Sekt darf nie fehlen, um auf „die ewige Jugend“ anzustoßen.

Kein Grund zur Panik

„Beim Tanzen fühle ich mich in meinem Körper zuhause“, erzählt eine der in sich ruhenden Darstellerinnen vom beschwingten Glück im Alter. Die Regisseurin dagegen muss einräumen, dass ihre Angst vor dem Älterwerden weitaus tiefer sitzt, aber mit Hilfe der entspannten Generation 50 plus gelingt ihr im Laufe der Zeit die Erkenntnis, dass es keinen Grund zur Panik gibt. „Die mit dem Bauch tanzen“ ist auch ein sehr persönlicher Heimatfilm, denn Carolin Genreith hat ein durchaus zwiespältiges Verhältnis zu ihrer Heimat, doch mit der Entstehung des Films ist ihre Betrachtungsweise der Provinz wieder offener geworden. So verzichtet der Film angenehmerweise auch auf die sonst hinreichend bekannte Überspitzung ländlicher Klischees. Am Ende des Films gab es rhythmischen Beifall und bei der Premierenfeier eine erleichterte Regisseurin Carolin Genreith: „Man sitzt monatelang beim Schnitt und überlegt, ob alles so funktionieren kann, wie man sich das vorstellt. Und dann funktioniert es!“ Entspannt, aber ein wenig geschafft zeigte sich die Bauchtanzgruppenleiterin Marita Kreiselmeyer, die anlässlich des 25-jährigens Bestehens der Gruppe von ihren Mitstreiterinnen aus Aachen und der Eifel mit Blumen überhäuft wurde: „Den Film erstmals gemeinsam mit so vielen Leuten zu sehen, war schon ein aufregendes Ereignis. Wir geben in dem Film schließlich sehr viele Persönliches von uns preis.“ Besonders berührend fand sie, „dass unsere Freunde so begeistert sind.“

Noch einmal aber, lächelt Marita Kreiselmeyer, die im Hauptberuf Lehrerin an der Aachener Kleebachschule ist, würde man sich der hohen emotionalen Anforderung einer Filmproduktion nicht stellen: „Es war alles sehr aufregend, aber damit ist es jetzt auch genug.“ In die Bauchtanzgruppe kehrt jetzt wieder die geschätzte Ruhe des Alltags ein, aber die bunte Filmpremiere dürfte zumindest beim nächsten Mittwochstreff noch das große Thema sein.

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