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„Bärchen” ist der Feind des Jakobskreuzkrauts

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Die Raupe des Jakobskrautbärs hat das Jakobskreuzkraut zum Fressen gern. Am liebsten mag sie die feisten Blütenböden der blühenden Pflanzen. Foto: Karl Lindemann

Nordeifel. Sie ist schwarz-gelb gestreift wie das Trikot der Alemannia, erinnert aber mehr an eine Tigerente als an einen Kartoffelkäfer, trägt den lateinischen Namen „Tyria jacobaeae”, wird hierzulande „Bärchen” genannt, ist eine Raupe und der einzige natürliche Feind des Jakobskreuzkrautes.

Diese Pflanze treibt vor allem Pferdehaltern den Angstschweiß auf die Stirn. Das Jakobskreuzkraut, einen buschigen, strahlend gelb blühenden Korbblütler mit stark verzweigten Blütenständen, findet man häufig an Straßenböschungen und trockenen Offenlandflächen, aber mittlerweile auch auf extensiv bewirtschafteten Weideflächen. Im Juli sind nicht wenige Weiden mit dieser gelben Pracht übersät.

Vergiftungsgefahr steigt

Pferde, deren Verdauungsapparat ohnehin hoch empfindlich reagiert, fressen die frischen Pflanzen nicht oder nur eher zufällig. Das Problem, so Dipl.-Biologe Herbert Theißen, stellvertretender Leiter des Biologischen Station des Kreises Aachen in Stolberg, ist die späte Mahd. Die ist gleich in doppelter Hinsicht fatal. Erstens hat das Jakobskreuzkraut dann bereits ausgesamt und wächst im folgenden Frühjahr in zunehmender Menge.

Zweitens, und das wird dann richtig gefährlich, ist das getrocknete Jakobskreuzkraut in Heu oder Silage von den Tieren nicht mehr zu identifizieren. Die Vergiftungsgefahr steigt erheblich. Bereits der Verzehr von 40 bis 80 Gramm Trockenmasse des Krauts, so Theißen, könne bei einem Pferd zu schwersten Erkrankungen bis hin zum Tod führen.

Das A und O bei der auch in der Nordeifel ständig steigenden Zahl von Pferden ist laut Theißen die Weidepflege, die nach seinen Erkenntnissen vor allem von Hobby-Pferdehaltern bisweilen stark vernachlässigt wird. Die Folgen: Bleiben die Pferdeäppel auf den Weiden liegen, breitet sich dort nicht nur das Jakobskreuzkraut aus, sondern auch der breitblättrige Ampfer und vor allem Hahnenfuß, für den empfindlichen Pferdemagen auch kaum problemlos zu verdauen. Außerdem empfiehlt Herbert Theißen eine Mischbeweidung von Pferden und Schafen. Letztere haben nämlich einen ziemlich unempfindlichen Verdauungstrakt und vertragen locker zwei Kilo Trockenmasse des Jakobskreuzkrauts, bevor sie Ausfallerscheinungen zeigen.

Ausrupfen und abräumen

Eine andere Idee hat Dipl.-Biologe und Landwirt Dr. Karl Lindemann aus dem Raum Hellenthal. Als Mittel zur Eindämmung des Jakobskreuzkrauts, das im Kreis Euskirchen erheblich weiter verbreitet ist als im Raum Aachen, rät Lindemann das Ausrupfen und Abräumen der blühenden Pflanzen. Dadurch werde ein Aussamen der mehrjährigen Pflanze verhindert, und am besten packe man sie an der Wurzel.

Aber dann ist da noch die Geheimwaffe und quasi der Albtraum jedes Jakobskreuzkrauts: der Jakobskrautbär. Dieser drei bis vier Zentimeter lange Schmetterling aus der Familie der Bärenspinner erinnert eher an eine Motte, ist grau-schwarz gefärbt, hat allerdings auffallend purpurrote Flügelränder und Unterflügel.

Die Raupen dieser Schmetterlinge, die farblich aussehen wie Tigerenten, haben Jakobskeuzkraut zum Fressen gern. Damit kann man ihnen jederzeit einer Freude machen. Sie lieben an ihren Mahlzeiten vor allem das Pyrrolizidin, das bei Mensch und Pferd die Leber schwer schädigt. Den Raupen passiert nichts, weil sie das Gift nicht verstoffwechseln sondern es im Fettkörper ablagern.

Vögel, die eine solche Tigerentenraupe oder einen fertigen Schmetterling fressen wollen, spielen mit ihrem Leben, denn bei Verzehr bekommen sie die volle Dröhnung Gift ab und sterben. Damit aber nicht erst die Raupe gefressen wird und anschließend der Vogel auch noch stirbt, hat die Natur die Bärchenraupen mit ihren unübersehbaren Warnfarben ausgestattet.

Einziger Fressfeind

Zwar ist es, so Lindemann, unter Wissenschaftlern umstritten, ob der einzige Fressfeind dem Jakobskreuzkraut ernsthaft zusetzen kann. Es sei allerdings möglich, dass dieser auf den ersten Blick unbedeutende Raupenfraß genau das Quäntchen sei, das die vom Menschen in Unordnung gebrachte Natur in diesem Bereich allmählich wieder zurecht rücken könne.

Karl Lindemann fordert deshalb Pferdehalter und Landwirte auf, beim Rupfen des Jakobskreuzkrauts genau hinzusehen und die Pflanzen zu verschonen, an denen die Bärchenraupen fressen.

Schließlich, und das betonen Lindemann und Theißen unisono, sei nicht beabsichtigt, das Jakobskreuzkraut, das schon immer zur heimischen Flora gehörte, auszurotten. Es gehe vielmehr darum, zu verhindern, dass Mensch und Tier Schaden nehmen, weil die Natur auch in diesem Bereich offensichtlich aus den Fugen geraten ist. Und noch etwas ist wichtig, so Herbert Theißen: „Nicht alles, was gelb blüht, ist Jakobskreuzkraut!”
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