Autohändler sollte eine „Abreibung” erhalten

Von: Alice Gempfer
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Erst zweinhalb Monate liegt der Uberfall auf einen Autohändler im Gewerbegebiet Rollesbroich zurück. Jetzt wurden zwei der Täter vom Amtsgericht Gemünd zu Haftstrafen verurteilt. Die Tat hatte damals zu einem Polizei-Großaufgebot im Raum Simmerath geführt. Foto: Archiv/Müllejans

Rollesbroich/Gemünd. Zu einem Großaufgebot der Polizei mit Hubschraubereinsatz hatte Ende Juni der Überfall auf einen Gebrauchtwagenhändler im Gewerbegebiet Rollesbroich geführt.

Drei maskierte Männer hatten offensichtlich bei dem Versuch, in das Büro des Autohändlers in der Völlesbruchstraße einzudringen, den Gebrauchtwagenhändler durch Schläge mit einer Spielzeugpistole am Kopf und im Gesicht verletzt.

Jetzt wurden zwei der Täter, die noch am selben Tag auf der Flucht gefasst werden konnten, vor dem Gemünder Amtsgericht zu einem Jahr Haftstrafe ohne beziehungsweise anderthalb Jahre mit Bewährung verurteilt.

Entgegen der Forderung des Staatsanwalts, der für beide eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun, beziehungsweise drei Monaten gefordert hatte, sah das Gericht den Tatbestand des gefährlichen Raubes nicht gegeben, wohl aber eine vorsätzliche gefährliche Körperverletzung. Zwei Tatbeteiligte sind nach wie vor flüchtig.

Die beiden 23- und 33-jährigen Täter aus Düren, beide gebürtige Bosnier, berichteten vor Gericht, dass sie an jenem 26. Juni gegen acht Uhr morgens zu viert nach Rollesbroich gefahren seien. Beide sprachen von einem „vierten Mann”, der den Wagen gefahren habe und nicht mit ausgestiegen sei. Einen „dritten Mann”, der an der Tat beteiligt war, hatte der 33-Jährige der Polizei im Verhör beschrieben und auch den Spitznamen, unter dem er ihn kannte, genannt. Er konnte bislang nicht gefasst werden. Vom Fahrer gaben beide an, keinen Namen zu wissen. Auch er ist noch flüchtig.

Der 23-Jährige erklärte vor Gericht, der „vierte Mann”, ebenfalls ein Bosnier, den er vom Sehen, aber nicht beim Namen kenne, habe ihn um Hilfe gebeten. Er sollte in seinem Auftrag einem Autohändler, der ihn bei einem Autokauf den Tachostand falsch angeben und ihn somit betrogen habe, eine „Abreibung” verpassen: „Wir sollten ihm eins auf die Rübe geben und wieder fahren. Er selbst wollte im Wagen bleiben, weil der Händler ihn ja kenne.” Es sei dabei, so beide Angeklagte, zu keiner Zeit um Geld, also einen Raubüberfall, gegangen. Aber, wie sein Anwalt es beschrieb, vielleicht um „falsch verstandene Ehre unter Landsleuten mit traumatischen Kriegserlebnissen”. Beide sagten vor Gericht: „Wir kommen aus dem selben Land, ich wollte ihm helfen.”

Nach Aussage des 33-Jährigen, der bereits zwei Bewährungsauflagen hat und für den seine Anwältin sprach, hat er im Auto die Spielzeugpistole gesehen und gesagt: „Lass das, das ist zu heikel.” Dennoch habe er nicht den Mut gehabt auszusteigen, aber sich im Hintergrund gehalten. Der 23-jährige gab an, dass jener „dritte Mann” die Pistole gehabt habe und, nachdem der Autohändler auf ihr Klingeln das Hallentor öffnete, damit auf ihn eingeschlagen habe. Er habe das Ganze nicht richtig sehen können, aber eine Frau fürchterlich schreien gehört, was ihn zur Flucht veranlasst habe. Auch der 33-jährige sei geflohen.

Der 40-jährige Autohändler, der mit seiner Frau sowohl als Zeuge als auch als Nebenkläger auftrat, gab vor Gericht an, den 23-Jährigen trotz Maskierung eindeutig als Täter zu erkennen. „Diese Augen werde ich nie mehr vergessen”, sagte er. Dabei erinnerte er sich allerdings auf Nachfrage an dunkelgrüne oder blaue Augen, während der 23-jährige dunkelbraune Augen hat.

Auch zwischen seinen Aussagen nach dem Überfall bei der Polizei und am Donnerstag vor Gericht gab es einige Widersprüche. So sprach er etwa einmal von einem bewaffneten Mann und einmal davon, dass alle drei eine Pistole trugen.

„Wer tatsächlich zugeschlagen hat, konnten wir hier nicht klären”, sagte so auch der Richter bei der Urteilsverkündung. Da aber alle von der Waffe gewusst hatten und ebenso geplant wie bewusst vorgegangen seien, sehe er den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung für die beiden Angeklagten als bestätigt an. Zudem seien sie in den Schutzraum der beiden Geschädigten eingedrungen, wodurch diese bleibende Schäden erlitten hatten.

Das bestätigten die Aussagen der beiden Rollesbroicher. „Ich schlafe nicht mehr und habe immer Angst”, berichtete sie etwa unter Tränen. Auch berichtete sie, dass selten viel Bargeld im Haus sei, „höchstens mal 1000 bis 2000 Euro” - ein weiteres Indiz für das Gericht, dass es sich nicht um einen Raubüberfall handelte. Und, so der Richter: „Warum sollte man von Düren in die Eifel fahren, wo jeder jeden kennt, um einen Raub zu begehen - da eignet sich etwa eine Tankstelle viel besser.” Die Haftstrafe des 33-Jährigen wurden wegen seiner zwei laufenden Verfahren nicht zur Bewährung ausgesetzt. Allerdings wurde seine Vorgeschichte mit berücksichtigt.

Der Bosnier wurde im Krieg von Serben verhaftet und musste Zwangsarbeit leisten. „Das hieß, entweder man machte mit, etwa als Minenläufer, oder wurde umgebracht”, so seine Anwältin. Unter „dramatischen Umständen” sei ihm schließlich die Flucht nach Deutschland geglückt.
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