Ausstellung über Wollseifen: Vom idyllischen Dorf zum Kriegsopfer

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Krieg hinterlässt Narben: Das ehemalige Eifeldorf Wollseifen hat im zweiten Weltkrieg seine malerische Schönheit verloren. Am 9. Februar präsentiert Dietrich Schubert dazu seinen Film „Erinnerung an Wollseifen“.

Gemünd. Eine erfolgreiche Ausstellung geht zu Ende. „Wollseifen“, die Fotoausstellung des Lichtbildner-Kombinats in der Galerie „Eifel Kunst“ in Gemünd endet diesen Februar.

Seit dem 13. Dezember 2013 konnte man die beeindruckenden Fotos der vier Lichtbildner und Fotokünstler Stephan Baumgarten, Laura Ullmann, Guido Hoffmann und Stephan Garçon, die die marode und gespenstische Stimmung Wollseifens gekonnt in ihren Fotos fest halten, in den Räumlichkeiten sehen.

Die künstlerisch wertvollen, wie auch nachdenklichen Aufnahmen einer inzwischen vergangenen Epoche der Wüstung sind es wert, genauer betrachtet zu werden. Auf den ersten Blick sind es verfallene, fensterlose Gebäude. Die Häuser wurden nur mit der notwendigen Statik, nicht aber mit dem Ziel bewohnt zu werden, durch die letzten Nutzer von Vogelsang, die belgischen Streitkräfte, errichtet, um den Häuserkampf in Krisengebieten zu lernen.

Bis zur Aufgabe von Vogelsang zum 31.12.2005, übten zuletzt KFOR-Truppen ihren Einsatz in den bekannten Krisengebieten der Welt. Wollseifen war einst ein blühendes Eifeldorf mit malerischen Fachwerkhäusern und mit Blick zur Urfttalsperre. Letzteres könnte die Beschreibung von vielen Eifeldörfern sein.

Der Untergang Wollseifens

Doch hier läuft die Geschichte anders. Vor der Ardennenoffensive 1944/45 kam es bereits zur verheerenden Vernichtung durch amerikanische Flieger am 15. Dezember 1944. In der Folge kamen britische Streitkräfte, die Mitte August 1946 alle Wollseifener aufforderten, das Dorf zum 1. September 1946 – einem Sonntag – leer zu hinterlassen. Ersatzunterkünfte wurden nicht angeboten.

Die britische Besatzungsmacht beschlagnahmte kurzerhand dieses Dorf und ließ es zwangsräumen. Dadurch wurden rund 500 Menschen obdachlos. Sie fanden notdürftig Unterkunft in den benachbarten Dörfern. Die Deutsche Bundesregierung fand nie die Gelegenheit, sich für diese Maßnahmen zu entschuldigen, geschweige denn Reparationsleistungen zu zahlen. Die damalige Bundesvermögensverwaltung (heute Bundesimmobilien-Anstalt) enteignete kurzerhand das Grundvermögen 1963 zugunsten der Besatzer.

Die zwangsevakuierten Wollseifener sollen die einzigen anerkannten Flüchtlinge in Westdeutschland (alte Bundesrepublik) sein. Was nützt es Ihnen? Was nützt es heute – nach so vielen Jahren noch – in dieser Geschichte herumzurühren? Nun, wehret den Anfängen. Krieg ist heute wieder locker in aller Munde. Kein Wunder, da er sich weit von Deutschland abspielt.

Doch Krieg ist kein Videospiel oder ein Hollywood-Reißer. Krieg bedeutet Leid, Not, Tod und Verwüstung. Für dieses tödliche Handwerk wurden unzählige Soldaten auch auf Wollseifen ausgebildet.

Als Abschluss dieser Ausstellung wird zum Themenschwerpunkt „Gegen das Vergessen“ am Sonntag, 9. Februar, der Kronenburger Filmemacher Dietrich Schubert seinen Film „Erinnerung an Wollseifen“zeigen. Beginn ist um 15 Uhr in der Galerie „Eifel Kunst“, Schleidener Straße 1, 53937 Schleiden-Gemünd. Der Eintritt ist frei.

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