Monschau - Ausstellung im KuK: „Von der Idylle in den Schützengraben“

Ausstellung im KuK: „Von der Idylle in den Schützengraben“

Von: P. St.
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Eine gelungene Ausstellung zusammengestellt: KuK-Leiterin D. Nina-Mika Helfmeier, Bernd Held, Dr. Toni Offermann, Ulrich Röthke und Hans-Gerd Lauscher (v.l.). Foto: P. Stollenwerk
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Der Hölzelkreis um 1914 zeigt den Maler und Kunstprofessor Adolf Hölzel mit seinen Schülern.

Monschau. Im Sommer 1912 unternahm der Akademieprofessor Adolf Hölzel mit etwa 30 seiner Studenten eine mehrmonatige Exkursion nach Monschau, um dort zu malen. Persönliche Dokumente belegen, dass alle Teilnehmer diese Eifel-Exkursion als überaus produktiv, bereichernd und als eine Zeit fast idealer Gemeinschaft empfanden.

Dank einer persönlichen Beziehung des damals in Stuttgart lebenden Künstlers nach Aachen war die Entscheidung für den Monschau-Aufenthalt gefallen. Es wuchs eine Eintracht in traumhafter Umgebung, die sich jedoch schnell wandelte, als der Erste Weltkrieg ausbrach.

Vor diesem Hintergrund findet nun im Kunst- und Kulturzentrum (KuK) Monschau eine Ausstellung unter dem Titel „Von der Idylle in den Schützengraben“ statt.

Das Stichwort Erster Weltkrieg ruft für gewöhnlich innere Bilder wie uniformierte Truppenverbände, Schlachtengetümmel, Hungersnot in den Städten oder Gaseinsätze in den Schützengräben hervor. An Monschaus Fachwerkhäuser sowie Staffelei, Leinwand und Pinsel denkt wohl keiner spontan. Und doch hat auch das etwas mit dem traurigen Ereignis zu tun, das vor nunmehr genau 100 Jahren begann.

Denn als Krisen und Spannungen zunahmen, beorderten die Staatschefs auch Künstler an die Front, darunter auch zahlreiche Mitglieder des sogenannten Hölzelkreises. Das waren Kollegen, Studenten und Talente, die der renommierte Kunstpädagoge Adolf Hölzel im Raum Stuttgart um sich scharte. Neben der „Brücke“ in Dresden und dem „Blauen Reiter“ in München war Stuttgart damit ein drittes Zentrum der klassischen Moderne in Deutschland.

In drei Teilen geht die Ausstellung im KuK darauf ein, wie Blickwinkel, Empfindungen und sogar Stile sich durch einschneidende Ereignisse verändern. Das KuK spielt in dieser Schau auch selbst eine Rolle, diente das Gebäude im Jahr 1914 doch als Kaserne.

Der erste Teil der Ausstellung konzentriert sich auf die beschriebene Monschau-Exkursion und deren Künstler. Gezeigt werden Werke von Adolf Hölzel, Hermann Stenner, Heinrich Eberhard, Josef Eberz und anderen, darunter Monschau-Motive, aber auch religiöse Darstellungen.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Thema Krieg prägt den zweiten Teil der Ausstellung. Ein Beispiel hierfür sind die Arbeiten von Ludwig Schmitt, der als Kriegszeichner tätig war. Er schilderte mitunter sogar beschönigend den Alltag an der Front und porträtierte seine Kameraden.

Das Buch Krieg und Kunst (1916) von Hans Hildebrandt bildet die Grundlage für den zweiten Teil der Schau. Der Kunsthistoriker war den Hölzelkreis eng verbunden. Zudem schrieb er mehrere Bücher über Hölzel und hatte die Monschau-Exkursion persönlich begleitet.

Der dritte Teil der Ausstellung ist in enger Zusammenarbeit mit dem Geschichtsverein des Monschauer Landes konzipiert. In diesem Teil werden die spannungsgeladene patriotische Stimmung im August 1914 in Monschau und die unterschiedliche Verarbeitung der soldatischen Fronterfahrungen in teilweise unveröffentlichten Bild- und Textdokumenten veranschaulicht präsentiert.

Dass ein enger Bezug zum Monschauer Land hergestellt werden konnte, liegt vor allem an der tatkräftigen Mithilfe des Geschichtsvereins in Person von Dr. Toni Offermann und Hans-Gerd Lauscher. So finden sich unter anderem Feldpostkarten von Gerhard Dederichs aus Rohren in der Ausstellung, die wie andere Exponate auch, auf verstörende Weise zeigen, wie euphorisch die Menschen zunächst dem Krieg begegneten, ganz darauf hoffend, dass er ein schnelles und siegreiches Ende nehmen werde. Der Aufenthalt des Hölzelkreises in Monschau spiegelt sich in selten zu sehenden Arbeiten wieder, die die Altstadt Monschau aus ungewohnten Blickwinkeln zeigt.

An der gelungenen optischen Gestaltung hat Bernd Held aus Aachen wesentlichen Anteil, dem es gelungen ist, insbesondere den etwas textlastigen Teil der Ausstellung ansprechend mit einer eigenen künstlerischen Note unter Wahrung der Authenzität der Exponate darzustellen.

Innerhalb von nur vier Monaten wurde die Ausstellung zusammengestellt. Hohen Anteil daran hatte der Kunsthistoriker Ulrich Röthke aus Heidelberg, der sich intensiv mit dem Leben und Wirken von Adolf Hölzel beschäftigt hat, einem Pionier der Moderne, begnadeten Lehrer und einer der ersten abstrakten Maler.

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