Nordeifel - Außergewöhnliches Buchprojekt: Briefe aus der Eifel

Außergewöhnliches Buchprojekt: Briefe aus der Eifel

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
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Und ab geht die Post: Hubert vom Venn und Nicholas Müller haben sich viel zu schreiben – aber nicht per E-Mail, WhatsApp oder SMS, sondern ganz althergebracht per Brief. Foto: Katharina Isabel Franke

Nordeifel. Schiller und Goethe haben’s getan, Gustav Stresemann und der Kronprinz oder auch die Gebrüder Grimm. Ob der Briefwechsel zwischen Hubert vom Venn und Nicholas Müller derlei historische Ausmaße annehmen wird, steht noch in den Sternen. Auch ob die Schreiben zwischen dem Kabarettisten und dem bekannten Musiker literarisch, politisch oder märchenhaft sein werden, muss die Zeit zeigen.

Auf jeden Fall wird es sich in dem Briefwechsel, der in dieser Woche seinen Anfang nimmt, zumeist um ein Thema drehen: die Eifel. Und weil der eine (vom Venn) diesen ländlichen Mikrokosmos nie und der andere (Müller) selbigen schon früh verlassen hat, steht der Briefwechsel unter dem Leitfaden „Briefe in die Eifel und Briefe aus der Eifel“ oder auch: „Briefe in die Provinz und Briefe aus der Provinz“.

Ein Lied veränderte das Leben

Nicholas Müller – bei diesem Namen werden Musikfans hellhörig. Der 32-jährige war die Stimme der Deutschrockband Jupiter Jones und auch Texter und Sänger des wunderbar-melancholischen Liebesliedes „Still“, mit dem die Band aus der Südeifel die deutschen und österreichischen Charts stürmte und einen Radio-Echo für das meistgespielte deutschsprachige Lied im deutschen Radio erhielt.

Zwölf Jahre lang drehte sich für Nicholas Müller alles um Jupiter Jones. Er tourte mit der Band, die eine breite Spanne an Stilrichtungen von Punkrock über Indie bis zum Pop spielt, durch das In- und Ausland, wurde zum Berufsmusiker. Auf die Frage, ob er damit auch sein täglich Brot habe verdienen können, sagt Müller: „Ja. Bis 2011 war das aber nur Toastbrot. Und dann kam ‚Still‘…“

Doch knapp drei Jahre nach Veröffentlichung des Songs, der nicht nur sein Leben veränderte, kam im Mai die – für viele Fans überraschende – Trennung zwischen Sänger und Band. „Ich kann nicht mehr!“ schrieb Nicholas Müller in einem bewegenden, offenen Brief an seine Fans und bekannte sich offen zu einer furchtbaren Krankheit, die „viel weiter verbreitet ist als man meint und über die dringend mehr gesprochen werden muss“: Angstzustände.

Vier Monate ist das nun her, und der 32-Jährige hat sich mit seinem Leben ohne Jupiter Jones arrangiert, geht in seiner Rolle als Papa auf. Nicholas Müller hat „in zwölf Jahren Jupiter Jones alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt“, und ist mit seinem Ausstieg sehr offen umgegangen. „Deshalb möchte ich nun nach vorne schauen“, freut sich der gebürtige Eifeler und Wahl-Münsteraner auf „viele schöne und neue Dinge, die es auf unserer Welt zu entdecken gibt“.

Das wird, verrät Nicholas Müller, sicherlich auch wieder die Musik sein, „denn ich kann ja nix Anderes“, ergänzt er lachend. Vor allem aber liegt ihm das Schreiben am Herzen, nicht nur von Liedtexten. „Ich habe eine sehr innige Beziehung zu Wörtern“, sagt der aus dem 1400-Seelen-Nest Artzfeld im Kreis Bitburg-Prüm stammende junge Mann, der auch die Idee zum „Briefwechsel“ hatte und Hubert vom Venn sofort begeisterte.

Hubert vom Venn kennt er schon seit seinem zehnten Lebensjahr, doch die erste Begegnung mit dem Kabarettisten und Autor vom nördlichen Rand der Eifel verlief äußerst schmerzhaft: „Hubert trat mit seinem Kabarett in der Schulaula unseres Dorfes auf und ich kleiner Steppke sollte in der Pause eine Tombola mit Trommelwirbeln begleiten. Auf dem Weg von der Bühne stieß ich mich an einem Sturz des sehr niedrigen und offenbar für sehr kleine Menschen gebauten Saales so heftig, dass ich bitterlich weinte“, erinnert sich Müller. Hubert vom Venn kam hinzu und tröstete den Jungen – und stieß sich anschließend selber heftig.

„Unsere Freundschaft begann quasi mit zwei Gehirnerschütterungen“, blickt Hubert vom Venn zurück – doch der Kontakt blieb trotz eines Altersunterschiedes von 30 Jahren bis heute bestehen.

„Haben uns viel zu erzählen“

Nicholas Müller las und mochte schon früh Huberts Bücher, Jahre später waren die beiden Künstler im Kampf gegen die umstrittene Peine-Ausstellung „Brüder im Geiste“, während vom Venn aufmerksam Nicholas‘ Aufstieg zum Rock- und Popstar verfolgte.

„Wir haben beide viel zu erzählen“, sagen die Protagonisten des Briefwechsels unisono und möchten sich selbst überraschen lassen von den Themen des Anderen. „Das wird sicher spannend“, ist Hubert vom Venn überzeugt, der im übrigen Texte in einer normalen, also nicht kabarettistischen Sprache ankündigt, „eben normale Briefe“. Auch die Tatsache, dass die Briefwechsel im kommenden Jahr als Buch veröffentlicht werden, soll keinen Einfluss auf Inhalte haben. „Wir schreiben für bzw. an uns, nicht für die späteren Buchkäufer und -leser“, bekräftigen beide.

Der erste Els

Die spätere Buchveröffentlichung setzt allenfalls den zeitlichen Rahmen für das außergewöhnliche literarische Projekt fest: „Am 14. Oktober 2015 soll das Buch auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt werden. Deshalb werden wir den Briefwechsel Ende Mai nächsten Jahres beenden“, kündigt Hubert vom Venn an, der diese Woche den ersten Brief („Das haben wir am Montag feierlich vor der Prümer Basilika ausgelost“) verfassen wird.

Ein Clou am Briefwechsel zwischen Hubert vom Venn und Nicholas Müller wird sein, dass beide tatsächlich Briefe im ursprünglichen Sinne schreiben – zwar auf dem Computer (auch mit Blick auf die spätere Veröffentlichung), aber auf Papier. „Und dann gehen sie ganz ordinär per Post auf den mehrtägigen Weg zum Adressaten – mit Briefmarke und Siegel, denn wir haben beide noch Siegellack auf unseren Schreibtischen stehen“, erzählt der Eifelkabarettist.

Nicholas Müller indes erlebte diese Woche noch eine besondere Vorbereitung auf den Eifeler Briefwechsel: Im Gewölbe bei Stamos Papas in Roetgen nahm er den ersten Els seines Lebens zu sich. Es war gleichsam die Taufe für ein außergewöhnliches Literaturprojekt.

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