Roetgen - Aus lebensgefährlichem Teich wurde Moorbeet mit morbidem Charme

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Aus lebensgefährlichem Teich wurde Moorbeet mit morbidem Charme

Von: Gudrun Klinkhammer
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Vor 30 jahren übernahm das Ehepaar Magrean das Anwesen in Roetgen. Aus dem Teich wurde ein außergewöhnliches Beet.
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Raum für Kunst gibt es auch.
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Müssen nicht groß diskutieren, sondern können entspannt genießen: Renate und Benedikt Magrean liegen im Leben und im Garten auf einer Wellenlänge.

Roetgen. Es war einmal ein Gartenteich hinter einem 300 Jahre alten Eifeler Bauernhaus. Damals, vor 30 Jahren, übernahmen Renate und Benedikt Magrean das Anwesen in Roetgen. Nachdem das Paar einen Sohn bekommen hatte, stand fortan die Frage im Raum, was aus dem ungesicherten Teich werden soll – für Kinder immer ein lebensgefährlicher Ort in jedem Garten.

Benedikt Magrean, heute 63 Jahre und in Pension, gestaltete den Teich im rund 1000 Quadratmeter großen Grundstück damals um zu einem Moorbeet. Über die Jahre wurde dieses außergewöhnliche Beet immer größer und Pflanzen siedelten sich an, denen niemand Winterhärte zugetraut hätte, darunter auch fleischfressende Sorten.

Benedikt Magrean war beim Rechenzentrum der RWTH Aachen beschäftigt, seine Frau Renate, 62 Jahre, ist Malerin. Während sie gestalterisch in den Garten eingreift, ihn heimelig macht und Wünsche äußert, wo etwa welche Lichtpunkte sitzen sollten, kümmert sich ihr Mann in erster Linie um den Inhalt der Beete. Was ihm an seinem Garten speziell gefällt: „Dieser Garten hier, vor allem das Moorbeet, hat einen morbiden Charme.“

Während seiner Berufszeit war der Garten immer Ausgleich zur Arbeit und zur sitzenden Tätigkeit. Ebenso wie das zweite große Hobby von Benedikt Magrean, die Fossiliensuche. Diverse Steine finden sich im Garten in Roetgen wieder, die quasi als Abfallprodukt, nachdem sie aufgeklopft und auf ihren fossilen Inhalt untersucht worden sind, einfach liegenblieben.

Eine Holzterrasse und Holzstege umgeben das Moorbeet, Baumscheiben aus Eiche liegen im Moorbeet bereit. Darüber kann sich der Besucher bewegen und staunen, was da ganzjährig mitten in der Eifel zu finden ist. Benedikt Magrean: „Ganz bewusst habe ich Baumscheiben aus Eiche ausgesucht für das Moorbeet, denn Torf ist sauer, und Eiche ist ebenfalls megasauer, so macht das eine das andere nicht kaputt.“ Betontritte dagegen würden das Torfbeet schnell zerstören.

In der 40 Zentimeter dicken Torfschicht befinden sich umgedrehte Blumentöpfe, die als Wasserspeicher dienen. Regelmäßig zupft der Gärtner mit dem Hang zum morbiden Charme Gräser in seinem Moorbeet aus, um den eigentlichen Pflanzen Raum zu lassen, denn auch die Kinderstube der Pflanzen ist im Moorbeet zu finden.

Benedikt Magrean: „Es ist eine ewige Zupferei.“ Und so wachsen sie seit Jahren: das winterharte Fettkraut und der winterharte Sonnentau, die widerstandsfähige Venusfliegenfalle und die winterharte Sarracenia. Von einem guten Freund, Sammler und Züchter aus Belgien erhält Benedikt Magrean immer wieder mal Pflanzen geschenkt. Xerophytische Bromelien gesellen sich hinzu.

Das sind Trockenpflanzen, beispielsweise aus den Anden, die Ananas gehört auch dazu. Diese Gewächse müssen jedoch im Gegensatz zu den winterharten Pflanzen im Herbst ins Haus geholt werden. Das Wollgras im Garten von Magrean stammt noch vom Teichrand des Vaters, Ajapantus in lila und weiß vererbte ein Bekannter, weiter gibt es japanische Sumpfiris, Farn, Orchideen, Stauden für die Bienen und Bambus als Sichtschutz. Zwei Äpfelbäume, ein Walnussbaum, Josta- und Johannisbeere sowie Brombeere, ein Oleander, ein Pflaumen- und ein Kirschbaum sowie Wein perfektionieren das grüne Reich.

Gerne sitzen Renate und Benedikt Magrean in ihrem Garten, ein neuer Teich hielt inzwischen Einzug, so dass sich Moorbeet und Teich perfekt ergänzen können. Libellen schwirren umher, ihre Larvenhüllen zieren die breiten Teichgrasblätter. Es wird gegessen, getrunken und gefeiert.

Den Garten und seinen Wandel zu begleiten und zu gestalten wie das eigene Leben, das ist den beiden Gartenliebhabern wichtig. Um Licht zu erhalten, wird auch schon mal ein Hasel oder eine Reihe Fichten entfernt, um die Weitsicht zu bewahren ein Beet mit Rasen eingesät. „Sobald wir keinen Durchblick mehr haben, muss was geschehen“, sagt Renate Magrean. Ihr Mann nickt zustimmend. Große Diskussionen bedarf es nicht, das Paar hat im Garten sowie im Leben die gleichen Vorlieben und Ziele.

 

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