Aus Bierdeckeln wird große Spielwiese

Von: Peter Stollenwerk
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Kaum fertig, bringt Sven Goebel am Sonntag sein Bierdeckelhaus zum Einsturz. Foto: P. Stollenwerk

Vogelsang. „Oma, jetz jeht es los,” machten die freundlichen Verwandten die 88-jährige Katharina Sarmanns darauf aufmerksam, dass einer größten Momente im Leben ihres Enkels Sven Goebel kurz bevorsteht.

Der 21-jährige Student aus Kall war am Sonntagmittag von Fernsehteams und Journalisten regelrecht umlagert, denn er stand im Mittelpunkt einer lange angekündigten spektakulären Aktion im Forum Vogelsang. Hier brachte er unter den Augen zahlreicher Zuschauer, die hinter einer Glaswand allerdings nur mäßige Sicht besaßen, sein aus 300.000 Bierdeckeln gebautes Haus planmäßig zum Einsturz.

Ganz still war es im Forum, als gemeinsam der Countdown heruntergezählt wurde, und mit einem kaum hörbaren Rauschen die Wänden des Bungalows einstürzten. Mit am Boden verlegten Seilen sollte das Papphaus in seinen Grundfesten erschüttert werden - allerdings zeigte das Bierdeckelhaus mit zusammengerechnet 52 Meter Mauerlänge eine erstaunlich hohe Standfestigkeit, sodass per Hand noch ein wenig nachgeholfen werden musste. Die Einsturz-Aktion war erforderlich, um zu demonstrieren, dass Sven Goebel ohne Kleber gearbeitet hatte - die entscheidende Voraussetzung dafür, um ins Guinessbuch der Rekorde eingetragen zu werden. Diesem Eintrag steht jetzt nichts mehr im Wege.

Zuvor hatte es bereits eine Schrecksekunde für Sven Goebel gegeben, als ein übereifriger Kameramann an eine Seitenwand stieß und hunderte der viereckigen Deckel, die eine Kölner Brauerei zur Verfügung gestellt hatte, herauspurzelten.

Drei Monate und fünf Tage hatte Sven Goebel an seinem Haus mit 66 Quadratmeter Grundfläche, und kompletter Inneneinrichtung gestapelt. Im Februar stürzte der Student dann in Motivationstief, nachdem über Nacht beträchtliche Teil des Bauwerks eingestürzt waren und wertvolle Zeit für den Wiederaufbau verwendet werden musste. Offenbar war ein Unbefugter hier am Werk gewesen, sodass fortan bei Abwesenheit des Erbauers die Türen verschlossen und eine Überwachungskamera installiert wurde.

Eingebunden war die spektakuläre Aktion in das erstmals veranstaltete Wanderopening in Vogelsang, das Wanderer und Gäste zum Frühlingserwachen auf den Adlerhof lockte. Bei Temperaturen knapp über null Grad erinnerte das Frühlingserwachen zwar eher an den Winterausklang, aber hunderte Wanderer bilden eine schöne Kulisse für den Weltrekordler, der auf der Bühne locker erzählte, dass er gerne „verrückte Dinge” tue, seit dem Alter von fünf Jahren Bierdeckel kunstvoll stapelt, und nun seinen eigenen Rekord, der zuvor bei 70.000 verbauten Deckeln stand, gebrochen hat.

Und ganz beiläufig erzählt Sven Goebel, dass die verbauten Bierdeckel, würde man sie hintereinander legen, eine Länge von 28 Kilometern ergeben würde. 542 Baustunden hat er in Vogelsang verbracht. „Das war schon ein Menge.” Dass am Tag des Einsturzfinales ein Journalist schon Teile aus einer Wand gerissen hatte, war dem Weltrekordler an diesem Tage „vollkommen egal.”

Mutter Monika Goebel war da vielleicht noch ein Spur aufgeregter vor dem Einsturzfinale. Ihr Sohn sei während der gesamten Bauzeit stets „guter Dinge” gewesen; nur der nächtliche Teileinsturz am Anfang hätte ihn „ziemlich geärgert.”

Mindestens zehn Jahre, meinte der 21-Jährige, werde er nun die Bierdeckel links lassen und sich dafür einer „neuen Baustelle”, nämlich dem Studium der Sportökonomie, widmen.

Dann nahm der Einsturz seinen Lauf, nachdem sechs Helfer an den Seilzügen eingewiesen worden waren und auf Kommando nacheinander die Bierdeckel aus dem Gleichgewicht brachten. Danach gab es kein Halten mehr. Dutzende Kinder stürzten sich auf den mit Bierdeckeln übersäten Boden, vollführten Schwimmübungen im einem Meer aus Pappe oder schleuderten aus vollen Händen Deckel in die Luft. Mitten auf der großen Spielwiese saß Sven Goebel und gab Interviews.

Oma Sarmanns schaute sich unterdessen das hektische Geschehen aus der Entfernung an und war ganz stolz auf ihren Enkel, obwohl sie ihn auch wenig bedauerte: „Morgen muss der Sven ganz viel aufräumen.”
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