Roetgen - Auf Neunachsern kommen die Rotorblätter in den Wald

Auf Neunachsern kommen die Rotorblätter in den Wald

Von: Ernst Schneiders
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Joachim Kreitz von der Bürgerinitiative (links) überreicht Roetgens Bürgermeister Manfred Eis (rechts) 2458 Unterschriften gegen einen Windpark im Münsterwald. Foto: Ernst Schneiders

Roetgen. Das Misstrauen gegen alles, was zum Thema Windpark aus Aachen kommt, sitzt tief. Nicht nur bei den Mitgliedern der Bürgerinitiative, die, Fukushima hin, Energiewende her, weiterhin vehement gegen Windkraftanlagen im Münsterwald Sturm läuft.

Etliche Windparkgegner haben mittlerweile Klinken geputzt und 2458 Unterschriften gegen die zehn nach ihrer Auffassung monströsen Windmühlen mitten im Wald auf Aachener Stadtgebiet zusammengetragen.

Die Listen überreichte Dienstagnachmittag eine Delegation im Roetgener Ratssaal Bürgermeister Manfred Eis, nicht ohne erneut die beabsichtigte Naturzerstörung im Münsterwald zu geißeln, die nach Auffassung der engagierten Bürger weit über das im Aachener Rathaus eingeräumte Maß hinausgehe.

Kahlschlag wird viel größer

Weil die 50 Meter langen Propeller der 185 Meter hohen Windmühlen am Boden montiert und dann komplett in die Höhe gehievt würden, müsse also pro Windkraftanlage eine Fläche vom mindestens 100x100 Metern abgeholzt werden. Der Transport der großen Bauteile, das hat die Bürgerinitiative ermittelt, erfolgt demnach auf neunachsigen Tiefladern. Weder Breite der Wege noch Kurvenradien im Wald seien dafür ausreichend. Die Folge: Noch mehr Bäume müssten weichen.

Die weiteren Argumente, die Joachim Kreitz in einem offenen Brief an den Bürgermeister verlas, sind inzwischen hinreichend bekannt. Es ging um die Zerstörung oder Schädigung von Natur- und Landschaftsschutzgebieten, um seltene Flora und Fauna, um die Gefahren für Tausende von Zugvögeln, um den Naherholungswert des Münsterwaldes und auch um den Begriff Heimat.

„Warum will die Stadt Aachen ausgerechnet in ihrer letzten Ecke einen Windpark errichten?” Mit dieser Frage sah sich Bürgermeister Eis konfrontiert, und außer einem Achselzucken hatte er keine Antwort parat.

Zurückhaltung legte sich Verwaltungschef auch auf, als Mitglieder der Bürgerinitiative den schlechten nachbarschaftlichen Stil im Aachener Rathaus kritisierten.

Der „Gipfel” sei es gewesen, als Umweltdezernentin Gisela Nacken den Windpark quasi als touristisches Highlight für die Gemeinde Roetgen bezeichnet habe. Manfred Eis: „Ich habe auch schon zu Frau Nacken gesagt, dass solches Verhalten nicht unter vertrauensbildende Maßnahmen fällt.”

„Der wusste von nichts”

Schlechter Stil von „Prinz Philipp von Aachen” und seiner Bürokratie sei es laut Bürgerinitiative auch gewesen, dass die Stadt Aachen Raerens Bürgermeister Hans-Dieter Laschet nicht über ihre Überlegungen ins Bild gesetzt habe. „Der wusste offiziell von nichts! Den haben wir informiert.”

Die Bürger erwarten deshalb von Rat und Verwaltung der Gemeinde umfassende Unterstützung ihres Anliegens, auch im Beteiligungsverfahren, sollte es soweit kommen und der Bau des Windpark anstehen. Roetgens Bürgermeister sagte zu, die Unterschriften gegen das Vorhaben in ein eventuelles Beteiligungsverfahren einzubringen. Und wie sich die Roetgener Politik mehrheitlich entscheide, „das steht auch noch nicht fest”.

Der abschließende Appell der Bürgerinitiative zeigte noch einmal deutlich, wie tief die Kluft zu den Entscheidungsträgern in Aachen mittlerweile ist: „Der Münsterwald darf nicht der Profitgier einiger weniger zum Opfer fallen!”
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