Im Flugmodus auf dem Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela

Auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Ohne Smartphone.

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Erschöpft, aber glücklich: Nach 322 Kilometern auf dem Jakobsweg sind Anna Kühnel und Michael Schmitz an der Kathedrale in Santiago de Compostela angekommen. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Roetgen. In Anlehnung an Hape Kerkelings 2006 erschienenen Reiseführer hätten sie im Freundeskreis mitteilen können: „Wir sind dann mal weg.“ Das unterließen Anna Kühnel und Michael Schmitz aus Roetgen jedoch bewusst, als sie sich im Spätsommer in Richtung der iberischen Halbinsel aufmachten, um eine lang gehegte Idee umzusetzen und im dreiwöchigen Urlaub den Jakobsweg zu begehen.

322 Kilometer hatten die 25-Jährigen vor der Brust, wobei sie ihre Smartphones in den Flugmodus schalteten, also mehr oder weniger ohne Kontakt zur Außenwelt mit sich und dem Weg allein waren. Hierzu Anna Kühnel, die beim Diözesanverband KJG in Aachen arbeitet und mit Michael Schmitz bei den Pfadfindern in Roetgen aktiv ist: „Es war für uns von Anfang an klar, dass wir unsere Smartphones möglichst nicht benutzen wollten. Am Ende habe ich festgestellt, dass ich allein 250 Whatsapps erhalten hatte – und das Leben war trotzdem weiter gegangen.“

Dass man den Freundeskreis vorab nicht über die Tour informierte, begründen die beiden kurz und knapp: „Wir hatten keine Lust auf blöde Fragen und kluge Ratschläge. Wir wollten das ganz einfach für uns machen.“

Mitte September hatten sich Michael Schmitz, der bei der Sparkasse in Roetgen tätig ist, und Anna Kühnel zum Jakobsweg aufgemacht. Von Düsseldorf aus ging es mit dem Flieger nach Madrid, von wo aus eine fünfstündige Busfahrt nach Norden in die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz León anstand. Den Pilgerpass (Credencial de Peregrina) hatte sich das Wanderduo vorab bei der Jakobus-Gesellschaft in Aachen besorgt. In dem Dokument werden die Stempel der einzelnen Stationen angebracht, womit auch die Nutzung der preisgünstigen Pilgerherbergen verbunden ist.

Am Zielort Santiago, wo sich das angebliche Grab des Apostels Jakobus befindet, erhält man dann die Pilgerurkunde (Compostela). Zu diesem Prozedere erklärte Anna Kühnel: „Für die letzten 100 Kilometer benötigt man zwei Stempel am Tag für den Pilgerausweis, sonst bekommt man die Compostela nicht“. Geduld ist dafür erforderlich, wie Michael Schmitz ergänzte: „Für die Ausstellung der Urkunde haben wir zwei Stunden angestanden.“

Vom spanischen León aus waren die Roetgener 18 Tage unterwegs, bevor sie die Kathedrale von Santiago de Compostela erreichten. „In der Regel haben wir am Tag rund 20 Kilometer zurückgelegt und sind meist morgens gegen 7 Uhr losgegangen, um gegen Mittag an unserem Tagesziel anzukommen.“ Damit sei man auf der sicheren Seite gewesen, noch eine Schlafstelle zu erhalten. In den Unterkünften sei man überrascht gewesen, dass dort überall WLAN zur Verfügung stand und alle anderen Pilger zum Handy griffen, wozu Anna Kühnel schelmisch anmerkte: „Wir natürlich nicht.“

Zur Klientel der anderen Pilger auf dem Jakobsweg stellten die beiden fest, dass sie sich aufgrund ihres Alters in der Minderheit befanden. „Berufstätige, die sich auf den Jakobsweg in ihrem Urlaub machen, sind selten“, so Schmitz. Ferner sei man im Laufe der Wanderung „auf den Stock gekommen“, was man vorher nicht für möglich gehalten hätte. Wanderstöcke hätten spürbar zur Entlastung der Kniegelenke und der Blasen an den Füßen beigetragen.

Zur Frage, ob sie den Jakobsweg noch einmal gehen wollen, halten Anna Kühnel und Michael Schmitz fest: „Im Prinzip ja, aber nicht mehr dieselbe Strecke. Das wollen wir als einmaliges Erlebnis in Erinnerung behalten.“

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