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Auch in Australien Simmerather geblieben

Von: rpa
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Simmerath. Die Bänke vor dem Altar und die Wendeltreppe hinauf zur Empore in der Simmerather Pfarrkirche erinnern heute noch an Adolf Kleinhenz. Der Schreinermeister aus Wiesbaden hat Treppe und Bänke in den Wintermonaten 1953 angefertigt.

Seine Frau Karola geb. Schröder lebt heute in Australien, sie hat ihre „alte” Heimat hier in der Eifel aber nie vergessen. „Als ich am Abend unter dem Kreuz des Südens stand, da habe ich an die vielen Landsleute aus Simmerath gedacht”. Plötzlich waren sie wieder da und lebendig - die Erinnerungen an Simmerath und an viele Simmerather. Der Anlass dazu: Das neue Buch des Kameradschaftlichen Vereins über „Simmerath und seine Hauptstraße mit ihren Häusern, ihren Bewohnern, ihren Geschäften”.

In dieser reich bebilderten Dokumentation (rund 290 Seiten) erzählt Karola Schröder (1912 in Kesternich geboren) ihre Lebensgeschichte, sie berichtet über Aufenthalte in Rom und in Fribourg in der Schweiz. Im Hospital in Saarburg, wo sie zeitweise als diplomierte Krankenschwester gearbeitet hat, lernte sie den Schreinermeister Adolf Kleinhenz kennen, der dort als Patient lag (mit Typhus, den er sich im Russlandfeldzug „eingefangen” hatte).

Bald waren Adolf Kleinhenz, der Witwer mit drei kleinen Kindern, und Karola Schröder ein Paar, das dann 1943 heiratete. Der nun gemeinsame Lebensweg führte die Familie schließlich nach Simmerath, der tragische Grund: Tochter Hildegard wurde im Mai 1947 beim Überqueren der Umgehungsstraße in Monschau von einem belgischen Lkw überfahren und tödlich verletzt. Um in der Nähe der Grabstätte der Tochter zu sein, siedelte die Familie sich in Simmerath an. Das Hab und Gut wurde per Eisenbahn von Wiesbaden zum Bahnhof nach Konzen gebracht.

Schließlich baute die Familie sich ein Haus (das Haus steht heute noch auf der Kammerbruchstraße und hat die Nummer 45). Dann aber kam ein langer und frostiger Winter, und Adolf Kleinhenz erkrankte schwer an Lungenentzündung. „Ihr Mann kann das raue Eifelklima nicht ertragen”, lautete eine Diagnose, die Dr. Fritz damals stellte. Bald entstand die Idee, nach Australien auszuwandern. Schließlich verkaufte und verschenkte die Familie ihr Hab und Gut. Am 7. April 1954 ging es dann los: Mit der MS Skaubryn ging es von Bremerhaven per Schiff nach Fremantle ganz im Westen von Australien. Die Überfahrt dauerte fünfeinhalb Wochen.

In Australien baute die Familie Kleinhenz eine neue Existenz auf. Dabei ging der Kontakt in die alte Heimat nie verloren, mehrmals kehrten Adolf und Karola Kleinzhenz nach Simmerath zurück. Im Simmerather Krankenhaus ist Adolf Kleinzhenz dann auch 1999 bei einem Deutschlandbesuch verstorben.

Karola Kleinhenz, inzwischen 91 Jahre alt, lebt heute alleine - aber in der Nähe ihrer Tochter in Vermont, etwa 25 km östlich von Melbourne.

Der Kameradschaftliche Verein hat ihr das Buch über Simmerath und die Hauptstraße zugeschickt. Für sie war es dann ein Herzensanliegen, dem Verein den Buchpreis von 32 Euro zu überwiesen - von ihrem Konto bei der Deutschen Bank in Aachen. In ihrem Brief an Erich Kogel vom Arbeitskreis „Alt Simmerath” erinnert sich Karola Kleinzhenz an ihre Nachbarn, die Familie Wilden. „Ich war noch in der Schule, da konnte ich Hilda und Anna im Haus und in der Gaststube helfen. Frau Wilden verwöhnte mich gerne”. Hilda ist Hilda Hermanns und Anna ist Anna Wüller.

Übrigens: Das überaus lesenswerte Buch „Simmerath und seine Hauptstraße” mit den Geschichten über Häuser und Menschen (wie die Auswanderung der Familie Kleinhenz 1954 nach Australien) gibt es im Simmerather Buchhandel und beim Kameradschaftlichen Verein.
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