Kall-Urft - Atombunker in Urft: Garage als getarnter Eingang

Atombunker in Urft: Garage als getarnter Eingang

Von: Ann-Sophie Winter
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Alte Fernschreiber: Diese Geräte wären bei einem atomaren Erstschlag zum Einsatz gekommen. Foto: Ann-Sophie Winter

Kall-Urft. Der Ministerpräsident hetzt durch die Druckschleuse, die eilig hinter ihm geschlossen wird. Schweiß perlt von seiner Stirn. Hastig drängt er sich durch die kahlen, engen Gänge. Aufgeregte Stimmen, hastige Schritte.

So ein Szenario mag Besuchern durch den Kopf gehen, die demnächst den Bunker in Urft besichtigen. Hätte der Kalte Krieg wirklich zu einem Atomkrieg geführt, dann hätte der Bunker als Ausweichsitz der Landesregierung NRW gedient. Etwa 200 Menschen hätten dort 30 Tage überleben können und von hier aus die Notfall- und Katastrophenplanung gesteuert.

Innen ist es eng und bedrückend. Harald Röhling, Mitbesitzer der Anlage, führt durch die unzähligen Räume des Bunkers. Neben Schlaf- und Waschsälen sowie Fernschreibräumen, einer Bibliothek und einem Gasmaskenlager gibt es auch Heiz- und Maschinenräume. Sogar eine Druckerei und ein kleines Radio-Studio wurden eingerichtet. Von diesem Studio aus hätte der Ministerpräsident im Notfall Hinweise an die Bevölkerung weitergeben können.

Zu Zeiten des „Eisernen Vorhangs” war die Befürchtung groß, dass es zu einem atomaren Erstschlag kommen könnte. Deshalb sollten alle Landesregierungen einen Ausweichsitz für den Notfall bauen. In NRW sollte dieser im Eifelort Urft sein. So wurde die Bunkeranlage in den 60er Jahren erbaut. Sie reicht bis zu 16 Meter tief unter die Erde.

Keine Zerfallerscheinungen

Mittlerweile ist der Boden rundherum bewaldet, und kein Wanderer würde unter diesem unscheinbaren Berghang einen atombombensicheren Bunker vermuten. Eine Doppelgarage dient als getarnter Eingang. Dahinter führen Treppen direkt zu einer schweren Stahltür und einer Druckschleuse. Aufgrund der guten Belüftung zeigt der Bunker bisher keine Zerfallserscheinungen und ist in gutem Zustand erhalten.

Seit der deutschen Einheit und dem Ende des Kalten Krieges wird er jedoch nicht mehr gebraucht. Die Anlage ist eine Altlast. So verkaufte die Landesregierung 1997 das Hausmeister-Gebäude neben dem Bunker an den Privatmann Dr. Claus Röhling. Als kostenlose „Zugabe” ging auch die unterirdische Anlage in seinen Besitz über. Dr. Claus Röhling, dessen Vater schon beim Bau des Bunkers beteiligt war, will dieses Denkmal nun der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Am 15. August wird das Museum offiziell eröffnet. Dann ist der Bunker samstags ab 16 Uhr zu besichtigen - in Ruhe und ohne Schweißperlen auf der Stirn.
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