Städteregion - Aseag startet „eTicket“: Viele Kunden ignorieren die Geräte

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Aseag startet „eTicket“: Viele Kunden ignorieren die Geräte

Von: Annika Kasties, Oliver Schmetz und Ute Steinbusch
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Egal durch welche Tür, Hauptsache schnell in den Bus: Wie hier vor der Viktoriaschule zeigen sich Aachens Schüler fast überall von der Einführung des „eTickets“ unbeeindruckt, ignorieren die „Validatoren“ und legen eine eigene Interpretation des „Quick check-in“ an den Tag. Foto: Michael Jaspers
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Neues Lesegerät für „eTickets“: Solche Validatoren hängen aber noch nicht in allen Bussen. Foto: Michael Jaspers

Städteregion. Aller Anfang ist schwer – vor allem dann, wenn man mit so einem komischen Apparat namens „Validator“ zu tun hat. Diese Erfahrung macht jedenfalls eine ältere Kundin, die an diesem Montagmittag am Bushof in Aachen in einen Aseag-Bus steigt und nicht genau weiß, wie und wo sie ihr nagelneues „eTicket“ nun an dieses Gerät halten soll, damit sie grünes Licht erhält.

Doch Udo Borgsdorf ist schnell zur Stelle und hilft der Seniorin. Er ist selber Rentner, aber heute trägt er eine Aseag-Jacke und ist im Dienst. Mit 24 anderen Helfern ist er befristet eingestellt, um die Fahrgäste sanft ins digitale Zeitalter hinüberzugeleiten.

Denn an diesem Montag wird es ernst: Ab sofort heißt es „Neu einsteigen, bitte“, wie die Aseag es auf ihrer Website formuliert. Soll heißen: Wer kein „eTicket“ hat, steigt vorne ein, wer im Besitz einer elektronischen Abokarte ist, nimmt die zweite Tür, die an den Bussen außerdem noch als „Quick check-in“ gepriesen wird. Und alle weiteren hinteren Türen sollen dem Aussteigen vorbehalten sein.

„Das muss sich noch einspielen“

Soweit jedenfalls die Theorie. In der Praxis dauert es an diesem Mittag am Bushof ein gutes halbes Minütchen, bis bei besagter älterer Dame das Hantieren mit der ungewohnten Chipkarte von Erfolg gekrönt ist – von wegen „Quick check-in“. „Das muss sich alles noch einspielen“, bleibt Helfer Borgsdorf gelassen. Zumal das Scannen der „eTickets“ ohnehin nicht zwingend erforderlich ist. Wer sein gültiges Jahresticket nicht vor den „Validator“ hält, ist nämlich keineswegs ein „Schwarzfahrer“. Das betont die Aseag ausdrücklich. Vielmehr wolle man auf diese Weise Kontrollen erleichtern, erklärte Aseag-Chef Michael Carmincke kürzlich in einem Interview. So nach dem Motto: Wer hinten einsteigt und den „Validator“ nicht benutzt, setzt sich zumindest dem Verdacht aus, keinen Fahrschein zu besitzen.

Es könnte aber auch sein, dass er noch gar kein „eTicket“ hat, obwohl er es seit Monaten bezahlt. Das trifft nach Informationen unserer Zeitung immer noch auf eine unbekannte Zahl von Abonnenten von „School&Fun-Tickets“ zu, womit deutlich wird, dass das seit Monaten währende Chaos um nicht zugestellte Tickets, falsche Mahnungen und Kündigungen und einen völlig überlasteten Kundenservice noch nicht völlig beendet ist. Denn nach wie vor erreichen die Redaktion entsprechende Kundenklagen.

Zum Beispiel meldete sich jüngst auch ein Fahrgast, dessen Aseag-Handyticket bei der Kontrolle durch einen Bahnschaffner nicht lesbar war und der sich einen neuen Fahrschein kaufen musste – und dessen Beschwerde per Mail seit rund drei Wochen unbeantwortet ist. Ganz abgesehen davon, dass das Service-Telefon für Handyticketkunden offenbar überhaupt nicht besetzt sei, wie der Kunde beklagt. Noch eine Baustelle?

Aseag-Sprecher Paul Heesel sagt auf Anfrage, dass es eigentlich nicht sein könne, dass jemand kein „eTicket“ erhalten habe. „Alle Anträge, die bei uns eingegangen sind, sind bearbeitet worden.“ Und: „Alle rund 120.000 ‚eTickets‘ sind bis Ende 2017 verschickt worden.“ Wenn es dennoch vereinzelt Probleme gebe, sollten sich die Betroffenen an die Aseag wenden – was diese in der Regel aber schon mehrfach getan haben und was auch nicht so einfach ist.

Denn dass das Kundencenter überlastet ist, räumt auch Heesel ein: „Wir haben immer noch nicht alle Anfragen abgearbeitet.“ Und zum Thema Handyticket bekräftigt der Aseag-Sprecher: „Grundsätzlich gibt es kein Problem mit diesen Tickets.“ Da müsse man nun den Einzelfall prüfen. Und: „Grundsätzlich ist das Service-Telefon für Handyticketkunden besetzt.“

Allerdings fehlt es nicht nur an manchem „eTicket“. Auch die Busse sind nicht alle fit fürs digitale Zeitalter – was Heesel bestätigt. 55 Fahrzeuge einer externen Firma könnten erst im Laufe dieses Jahres mit „Validatoren“ ausgerüstet werden. Demgegenüber stehe aber die Zahl von 220 Aseag-Bussen und 185 Fahrzeugen von Subunternehmen, die umgerüstet seien.

Auch was die Akzeptanz angeht, ist wohl aller Anfang schwer. Jutta Muschaweck hat jedenfalls nicht vor, ihr „eTicket“ vor das Lesegerät zu halten. „Ich zahle jeden Monat meinen Beitrag an die Aseag und finde das deshalb unnötig“, sagt die 60-jährige Lehrerin. Zudem wolle sie sich nicht vorschreiben lassen, durch welche Tür sie den Bus betreten solle. Diese Haltung scheint sie mit vielen Aseag-Kunden zu teilen.

Ob Bushof, Elisenbrunnen oder Templergraben in Aachen: Nur wenige Fahrgäste lassen ihre graue Karte vom „Validator“ einlesen. „Heute Morgen war der Bus dafür einfach zu voll“, erklärt etwa Student Emre Yilanci. Ob es für ihn vom „Validator“ ein grünes Signal gegeben hätte, könne er deshalb gar nicht sagen. Anfang Dezember war bei Kontrollen aufgefallen, dass 7500 Semestertickets nicht lesbar sind. Die Betroffenen konnten ihre Tickets an Terminals selber aktualisieren.

Alles beim Alten in Herzogenrath

Gesa von Katte ist eine der ersten Schüler, die an diesem tristen Montagmittag das Schulzentrum Herzogenrath verlassen. Ruhigen Schrittes steigt die Zwölftklässlerin in den Linienbus, dessen Türen vorne und hinten geöffnet sind. Ob sie gehört hat, dass die Aseag ab heute ein neues System eingeführt hat und sie ihre Busfahrkarte hinten im Eingangsbereich scannen und nicht mehr vorne zusteigen kann?

„Da wurde mal was kommuniziert, aber heute gab es keine Neuerung“, sagt die Gymnasiastin und schüttelt den Kopf. Neugierig geworden, macht sie trotzdem die Probe aufs Exempel und hält ihren Ausweis vor den Scanner an der hinteren Tür. Das Gerät prüft den Ausweis, zeigt dann einen grünen Pfeil an und wünscht „Gute Fahrt“. So weit, so gut.

Nach und nach füllt sich der Platz am Wendehammer vor dem Schulzentrum. Mehr Busse kommen an, Schüler steigen ein. Das Gerät ignorieren sie alle. Ina Schmidt und Adelowo Dawodu sitzen in zweien der Busse am Steuer. Haben sie ab heute die Anweisunge, für die Schüler nur noch hinten zu öffnen? Beide schütteln den Kopf. „Ich lasse überall rein“, erklärt Dawodu freundlich. Kollegin Schmidt kann sich höchstens vorstellen, dass für diesen Fall noch Dinge nachgerüstet werden müssten. Erst mal alles beim Alten also, sowohl für die Fahrer als auch für ihre jugendlichen Fahrgäste.

Wenig Verständnis für Wirbel

Wenig Verständnis für den Wirbel um das „eTicket“ hat der ehemalige Aachener SPD-Ratsherr Claus Haase. „Jede Umgewöhnung ist insbesondere für den Aachener schwierig. Wenn es etwas Neues gibt, mag er das nicht. Wenn es dann aber wieder abgeschafft wird, ist er auch sauer. Doch ich glaube, dass in einiger Zeit niemand mehr über das Thema sprechen wird“, sagt er. Im Ausland sei das „Einchecken“ per Lesegerät – siehe Stockholm oder Göteborg – schließlich auch kein Problem.

Und immerhin: Für viele Schülerinnen und Schüler ist die Sache mit dem „Quick check-in“ gar kein Problem – zumal in den Stoßzeiten. Das zeigt sich unter anderem vor der Viktoriaschule, wo sich die Schüler nach Schulschluss zu Dutzenden an der Haltestelle drängen, als ein Bus ankommt. Vorsichtshalber öffnet der Fahrer da lieber mal alle Türen, und die Schüler entern den Bus in Sekundenschnelle – ohne dass auch nur ein einziger sein „eTicket“ zückt.

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