Arbeitgeber sollen die Wehr unterstützen

Von: Andreas Gabbert
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Die Freiwillige Feuerwehr im Einsatz: Damit die Einsatzkräfte auch in Zukunft ihre Aufgabe erfüllen können, hat Stadtbrandmeister Falk Claßen jetzt einen Brandschutzbedarfsplan vorgelegt. Foto: Archiv/A. Gabbert

Monschau. Was ist nötig, um den Brandschutz in der Stadt Monschau zu gewährleisten? Mit dieser Frage hat sich der Leiter der Feuerwehr, Falk Claßen, intensiv auseinandergesetzt und einen umfangreichen Brandschutzbedarfsplan erarbeitet, den er jetzt dem Haupt- und Finanzausschuss und anschließend dem Rat der Stadt Monschau vorgelegt hat.

Wichtig ist vor allem der Erreichungsgrad der Feuerwehr. Dieser Wert muss bei „kritischen Einsätzen“ (Wohnungsbrand, Verkehrsunfall mit Menschenrettung) mindestens 80 Prozent betragen. Ein Unterschreiten würde ein Organisationsverschulden der Stadt Monschau als Feuerschutzträger darstellen. Dies hätte finanziell und rechtlich nicht abschließend einschätzbare negative Folgen.

„Die Qualitätskriterien ‚Eintreffzeit‘ und ‚Funktionsstärke‘ sind unbestreitbare Planungsgrößen, die sich aus zwingenden naturwissenschaftlichen und medizinischen Zusammenhängen bzw. aus bundesweit eingeführten Vorschriften ergeben. Eine Feuerwehr, die nicht innerhalb eines bestimmten Zeitfensters mit einer Mindestzahl von Einsatzkräften an der Einsatzstelle eintrifft, kann ihren gesetzlichen Auftrag definitiv nicht erfüllen. Bei der Eintreffzeit und Funktionsstärke bestehen somit keine fachlichen oder politischen Ermessensspielräume“, heißt es im Bericht des Stadtbrandinspektors.

Realität des Machbaren

In einer Freiwilligen Feuerwehr mit rein ehrenamtlichen Kräften müsse man aber auch die Realität des Machbaren im Auge haben. Bei der Stadt Monschau handele es sich um eine Flächengemeinde. Besonders tagsüber könne es zu Problemen bei den Mindesteintreffzeiten kommen. Viele Feuerwehrkräfte würde nicht an ihrem Wohnort arbeiten und hätten somit längere Anfahrtszeiten zu den Gerätehäusern. Tagsüber seien die Einsätze der Feuerwehr deshalb grundsätzlich personalkritisch zu sehen.

Dies habe die Leitung der Feuerwehr jedoch in der aktuellen Alarm- und Ausrückeordnung berücksichtigt, erklärt Claßen. So würden von Montag bis Freitag in der Zeit von 6 bis 17 Uhr je nach Einsatz mehrere Einheiten gleichzeitig alarmiert. Zudem rückten Einsatzkräfte, deren Arbeitsstelle nicht im Wohnort liegt, mit der Feuerwehreinheit des Arbeitsortes aus.

Verfügbarkeit der Einsatzkräfte

Der Personalbestand der Feuerwehr Monschau (358 Mitglieder, 227 Einsatzabteilung, 47 Jugendfeuerwehr, 84 Ehrenabteilung) sei als gut zu bezeichnen, sagt Claßen. Allerdings sei festzustellen, dass in der Nachtzeit die Verfügbarkeit des Personals in der ersten Hilfsfrist von acht Minuten (neun Einsatzkräfte) in einem Teilbereich von Mützenich nicht ausreichend sei. Das Gleiche gelte zur Tageszeit für die Altstadt, Rohren, Kalterherberg und Mützenich. Innerhalb der zweiten Hilfsfrist von 13 Minuten werde die dafür vorgesehene Personalstärke (22 Einsatzkräfte) in mehr als 88 Prozent der Fälle erreicht. Zur Sicherstellung einer „weiterhin leistungsfähigen Feuerwehr“ sei die Umsetzung der im vorgelegten Brandschutzbedarfsplan vorgeschlagenen Maßnahmen notwendig, erklärt Claßen.

Zur Verbesserung der Verfügbarkeit würden für alle Einsatzkräfte Funkmeldeempfänger beschafft (100 Prozent Versorgung). Es sei mittlerweile auch möglich, die Meldeempfänger so zu programmieren, dass der Feuerwehrangehörige während der Arbeitszeit an Einsätzen im Arbeitsort und nach Feierabend an Einsätzen im Wohnort teilnehme.

Die Feuerwehr bemühe sich intensiv um neue Mitglieder. Zum Beispiel sei ein Flyer gedruckt worden, der an alle Haushalte verteilt werden soll. Auch Jugendliche und junge Erwachsene sollten zukünftig gezielt angesprochen werden. Um die Tagesverfügbarkeit zu verbessern, könne bei zukünftigen Einstellungen im städtischen Verwaltungsbereich darauf geachtet werden, dass Bewerber aus Reihen der Feuerwehr bevorzugt eingestellt würden, erklärt Claßen in seinem Bericht. Brandschutzerziehung finde vom Kindergarten über die Grundschule bis hin zur weiterführenden Schule statt.

Schließungen verhindern

Zu verhindern sei, dass Feuerwehrstandorte im Stadtgebiet geschlossen werden, weil die Hilfsfristen dann nicht mehr eingehalten werden könnten.

Der Ausbildungsstand der Feuerwehr sei im Allgemeinen gut und auf hohem Niveau, sagt Claßen. Es müsse jedoch eine stetige Weiterentwicklung erfolgen. Führungskräfte müssten unter anderem weiter qualifiziert und motiviert werden, höhere Führungsaufgaben wahrzunehmen. Kräfte der Mannschaftsdienstgrade sollten natürlich auch gefördert werden. Hier müsse in Zukunft noch mehr auf die Ausbildung in Feuerlöschübungsanlagen geachtet werden. Diese Ausbildung sei kostenintensiv, trotzdem müssten die Einsatzkräfte besser qualifiziert werden. An die Arbeitgeber sei der Appell zu richten, die bei ihnen beschäftigten Feuerwehrleute für Übungen, Ausbildung und insbesondere Einsätze freizustellen.

Außerdem werde in nicht absehbarer Zeit die Funkkommunikation auf Digitalbetrieb umgestellt. Hier müssten neben der einmaligen Beschaffung auch Gelder für den Betrieb der Funkgeräte bereitgestellt werden.

Mit Blick auf die Fitness der Einsatzkräfte regte Claßen im Haupt- und Finanzausschuss an, öffentliche Turnhallen zu nutzen. „Ein gutes Entgegenkommen wäre die Sport- oder Schwimhalle an bestimmten Tagen zur Verfügung zu stellen.“

Gerätehäuser

Weitere Aufgaben für die Verwaltung sieht der Feuerwehrchef in einer Ertüchtigung der Gerätehäuser. Beispielhaft nennt er in seinem Bericht den Einbau von Absauganlagen zur Erfassung der Abgase der Dieselmotoren, die Ertüchtigung der Fußböden in den Fahrzeughallen, falls diese nicht über eine notwendige Rutschhemmung verfügen, die Anpassung der Ölabscheider an den Stand der Technik, die Anpassung der Telekommunikations- und Datenübertragungstechnologie und die Sicherstellung der Notstromversorgung.

Mittelfristig müssten auch Mittel bereitgestellt werden, um die persönliche Schutzausrüstung der Feuerwehrkräfte zu erneuern. Beispielhaft nennt Claßen die Flammschutzkleidung, die nach zehn Jahren ersetzt werden muss, veraltete Schutzhelme und Stiefel.

Um sicherzustellen, dass genügend Fahrer für die Feuerwehrfahrzeuge zur Verfügung stehen, schlägt Claßen vor, jährlich drei Führerscheine der Klasse C aus Haushaltsmitteln der Stadt Monschau zu finanzieren. Auch mit Blick darauf, dass viele Führerscheininhaber in den nächsten zehn bis 15 Jahren aus dem aktiven Dienst ausscheiden werden. „Was nutzt es, wenn keiner die Fahrzeuge bewegen kann“, sagte Claßen im Haupt- und Finanzausschuss.

Als weiteren Punkt nannte er die Fahrzeuge (siehe Box), die auch aufgrund neuer Normen nicht mehr alle auf dem Stand der Technik seien.

Dank für ehrenamtliche Arbeit

Die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses sowie später auch des Stadtrates sprachen sich einstimmig für den Brandschutzbedarfsplan aus und setzten den Erreichungsgrad der Feuerwehr auf mindestens 80 Prozent fest. Beschlossen wurde auch der Wegfall der Löschfahrzeuge LF 16-TS in Höfen und Kalterherberg beim nächsten Reparaturbedarf, sowie der Verkauf des Fahrzeuges RW-11 Höfen, sobald am Fahrzeug LF 20/16 eine Seilwinde nachgerüstet ist.

Außerdem nutzen die Mitglieder die Gelegenheit, Falk Claßen und der Freiwilligen Feuerwehr insgesamt für ihre ehrenamtliche Arbeit zu danken.

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