Arbeiten, wenn andere in das neue Jahr feiern

Von: Carmen Krämer
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Für sie ist der Silvesterabend im Krankenhaus ein Notdienstabend wie jeder andere: Dr. Guido Schneiders (links) und sein Team stellen sich dennoch auf mehr Patienten mit Verbrennungen ein. Foto: Carmen Krämer
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Während ihre Bekannten feiern, sind sie immer bereit, anderen Menschen zu helfen: Jenny und Maik Schmitz vom Rettungsdienst Schmitz. Foto: Carmen Krämer

Nordeifel. Wenn anderswo Dienstagnacht die Korken knallen, zischt bei Familie Schmitz in Höfen höchstens die Sprudelflasche – wenn sie denn um Mitternacht überhaupt beisammen sind. „Wir haben noch nie Silvester gefeiert. Letztes Jahr waren wir genau eine Minute vor Mitternacht zu Hause“, sagt Gottfried Schmitz vom Rettungsdienstunternehmen Schmitz.

Eine richtige Feier ist bei der Familie, deren Mitglieder allesamt in den Betrieb eingebunden sind, nicht möglich. So lange aber kein Notruf eingeht, sitzen sie gemütlich beisammen. In dieser Nacht wird von den drei Wagen eigentlich nur einer mit den Kindern Jenny und Maik besetzt. Sollten aber alle Stricke reißen, so sind auch ihre Eltern einsatzbereit. Was natürlich obligatorisch wegfalle, sei der Alkohol, erklärt Maik Schmitz.

Im Hinblick auf die Art der Einsätze unterscheide sich die letzte Nacht des Jahres jedoch nicht von anderen Arbeitstagen. „Wenn ich so auf die letzten 37 Arbeitsjahre zurückblicke, würde ich sagen, dass es keine spektakulären Einsätze in der Silvesternacht gegeben hat. Weder übermäßige Schlägereien, noch besonders viele Alkoholleichen oder Verletzungen durch Böller fallen mir da ein“, erklärt Gottfried Schmitz. Nur an einen tödlichen Autounfall vor einigen Jahren erinnert er sich.

Kreislaufschwäche und Grippe

Wesentlich mehr Einsätze, insbesondere wegen Alkoholmissbrauchs, habe es beispielsweise auf den Puckelfeten in Kalterherberg gegeben, wo man für einen bestimmten Betrag Alkohol ohne Limit konsumieren konnte, die aber vor einigen Jahren abgeschafft wurde. „Die Einsätze, die wir an Silvester haben, sind normalerweise alles krankheitsbedingte Fälle, die nicht im speziellen Zusammenhang mit diesem Abend stehen“, so Maik Schmitz.

So gebe es in dieser Jahreszeit häufig Patienten mit Kreislaufschwäche, Grippe oder bei Glatteis und Schnee – wie es in diesem Jahr noch nicht besonders oft vorgekommen ist – Knochenbrüche.

Im Schnitt zählen sie zwischen drei und sieben Einsätze pro Tag. An den Weihnachtstagen seien es vier bis fünf pro Tag gewesen und sie hoffen natürlich im Sinne der Bevölkerung, dass die Zahl auch am Dienstag gering bleibt. „Alles in allem lässt sich sagen, dass Silvester in der Eifel sehr harmonisch abläuft“, berichtet Gottfried Schmitz aus Erfahrung.

Das bestätigt auch Dr. Guido Schneiders, der leitende Arzt der Zentralambulanz der Eifelklinik St. Brigida in Simmerath. „Hier in der Eifel geht es an Silvester in der Regel relativ ruhig zu. Allerdings muss man an diesem Abend vermehrt mit Verbrennungen durch Racletteöfen oder Raketen rechnen“, erklärt er. Zum Glück seien das in der Regel nur in den seltensten Fällen dramatische Verbrennungen. Es sei auch schon vorgekommen, dass mancher ein wenig zu viel getrunken hatte und statt des Böllers das Feuerzeug aus der Hand geworfen habe. Aber während des ganzen Jahres kämen solche Verbrennungsnotfälle vor, wenn sich beispielsweise der Bauer an seinem Feuer auf dem Acker verbrenne oder die Hausfrau einen Eimer heißes Wasser über die Beine kippe.

Auf die Frage, ob es an Silvester mehr Alkoholleichen gebe, antwortet er: „Die gibt es das ganze Jahr über. Aber da wird an Karneval sicherlich mehr getrunken.“ Für ihn und sein Team ist an Silvester Routinebetrieb angesagt, so wie zu jeder anderen Notdienstzeit auch. Und auch die Stationen im Krankenhaus sind ganz normal besetzt. Wie viele Notfälle ihn an diesem Abend erwarten, kann er nicht vorhersehen. „Das können drei oder auch zehn sein“, sagt er. Und dabei seien es an Silvester, wie auch die Mitarbeiter des Rettungsdienstes Schmitz beobachten, häufig die an Husten, Schnupfen und Heiserkeit Erkrankten, die die Notaufnahme aufsuchten.

Auch Tiere wollen versorgt sein

Doch nicht nur den Menschen, sondern auch ihren tierischen Freunden kann in der letzten Nacht des Jahres etwas zustoßen, und das ist gar nicht mal so selten. „An Silvester oder Neujahr kommen die Patienten häufig mit psychischen Störungen wegen des Lärms in der Nacht. Besonders Hunde und Katzen reagieren sehr empfindlich auf die Knallerei“, erklärt Dr. Werner Ramisch, der den Notdienst für die Tiere anbietet. Viele kämen daher schon eine Woche vorher zu ihm in die Praxis, um sich dort Beruhigungsmittel für die Tiere zu besorgen.

Wenn ein Tier, besonders ein junges, neben einem Knallkörper steht, während er explodiert, so könne es vorkommen, dass es bis zu zehn Kilometer weit weglaufe und erst nach ein paar Tagen oder Wochen wieder auftauche, erklärt er. An Silvester kämen allerdings nicht mehr Patienten als sonst auch in seine Notdienstpraxis.

Um seinen tierischen Freunden so wenig Stress wie möglich zuzumuten, rät Dr. Ramisch: „Man sollte die Tiere vom Geschehen abkoppeln. Am besten in einem Raum, in dem sie weder die Blitze sehen, noch den Lärm hören können. Außerdem gibt es Beruhigungsmittel, die viele auch verwenden, um beispielsweise dem Stress bei großen Feiern im Dorf vorzubeugen. Und wenn ein Hund ängstlich ist, sollte man sich ihm gegenüber ganz normal verhalten. Denn wenn man versucht, ihn zu beruhigen, weiß er, dass er mit seiner Angst nicht falsch liegt und das macht ihn noch ängstlicher.“

Mit diesen Tipps und der Gewissheit, dass einem im Notfall auch am Dienstag geholfen wird, kann die Feier beginnen. Guten Rutsch!

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