Simmerath - Amoklauf war zu keiner Zeit geplant

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Amoklauf war zu keiner Zeit geplant

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:
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Die Hauptschule Simmerath war zu keinem Zeitpunkt potenzielles Ziel eines Amoklaufs. Dennoch geriet sie in den Sog der Gerüchteküche und ließ vorsichtshalber am Freitag den Unterricht ausfallen. Foto: sm

Simmerath. Die Gerüchteküche brodelt wie verrückt und fördert wahre Horrorszenarien zutage. Helle Aufregung herrscht seit Mittwoch in Simmerath, wo angeblich für Freitagmorgen ein Amoklauf am Berufskolleg angekündigt war.

Die Verwirrung führte so weit, dass vorsichtshalber der Unterricht an Hauptschule abgeblasen wurde. Und mittlerweile, so wurde es dem Simmerather Beigeordneten Karl-Heinz Hermanns zugetragen, greift die Angst dermaßen um sich, dass Eltern und Großeltern aus Panik vor einem Anschlag die Kleinen aus den Kitas abgeholt haben. Sogar aus Monschau seien derartige Fälle bekannt.

Gefahr bestand nicht

Winnenden ist gerade zwei Monate her und die öffentliche Debatte um das Verbot von Paintball, auch Gocha genannt, bei dem die Spieler mit Farbkügelchen aus Luftdruckpistolen aufeinander schießen, trägt nicht unbedingt zu Beruhigung bei. Um das Fazit vorweg zu nehmen: Es hat zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdungssituation für Schüler und Kinder bestanden und sie besteht auch aktuell nicht. Weder der Schüler des Berufskollegs, der angeblich im Internet einen Amoklauf angekündigt haben soll, noch irgendein Hauptschüler haben sich irgendetwas zu Schulden kommen lassen.

Dennoch hat Beigeordneter Hermanns „absolutes Verständnis” dafür, dass die Schüler der Hauptschule am Freitagmorgen nach Hause geschickt worden sind. Verständnis äußert auch Polizeisprecher Michael Houba, der allerdings betont, der Unterricht sei nicht auf Betreiben der Polizei ausgefallen, denn für die Ordnungshüter habe es „objektiv keine Bedrohungslage” gegeben. Doch der Reihe nach.

Am Mittwochabend erhielt die Polizei einen Hinweis, dass von einem Schüler des Berufskollegs im Internet ein Amoklauf für Freitagmorgen angekündigt worden sein sollte. Die Ermittler gingen diesem Hinweis nach, überprüften Schüler und Eintrag und kamen zu dem Ergebnis: Dieser Schüler wird völlig zu Unrecht verdächtigt, von ihm geht keinerlei Gefahr aus. Der Interneteintrag, so Polizeisprecher Houba, sei unverfänglich und völlig fehlinterpretiert worden. Mehr wollte Houba nicht preisgeben, um die Persönlichkeitsrechte des zu Unrecht Verdächtigten nicht zu verletzen, dem letztendlich nichts zur Last gelegt werden könne.

Am Donnerstag erhielten die Gerüchte neue Nahrung, als am Berufskolleg eine Klasse nach Hause geschickt wurde. War an der Amok-Geschichte doch etwas dran? Spätnachmittags erhielt die Lokalredaktion unserer Zeitung einen entsprechenden Hinweis. Die sofortige Rückfrage bei er Polizei ergab: Es war heiße Luft. Es bestand keinerlei Gefahr. Wie sich herausstellte, war die Klasse nicht wegen einer Gefährdungslage nach Hause geschickt worden, sondern weil ein Lehrer ausgefallen war und es kurzfristig keinen Ersatz gab.

Kein Hauptschüler beteiligt

Das Thema war in Simmerath und Umgebung längst rum, die Gerüchteküche dampfte, die Angst vieler Menschen stieg. Das war letztlich die Ursache für die Anrufe besorgter Eltern am Freitagmorgen in der Hauptschule, die ihre Kinder zu Hause halten wollten, weil sie Angst vor einem Anschlag hatten. Die Schulleitung wandte sich hilfesuchend an die Polizei, die gleich mit mehreren Einsatzfahrzeugen anrückte und vorsorglich die Schulbusse zum Bushof beorderte, um die Kinder vom Schulgelände fernzuhalten.

Später dann habe die Schulpflegschaft entschieden, die Kinder nach Hause zu schicken, weil das Risiko nicht einzuschätzen sei, wie Rektorin Monika Dörfler erläuterte. Fazit einer Bewertung der Lage des Kollegiums mit Polizeibeamten und dem Beigeordneten Hermanns war, dass es objektiv keine Bedrohungslage für die Hauptschule gegeben habe und gebe, und dass kein Hauptschüler in irgendeiner Weise zur Verwirrung beigetragen habe. Zu diesem Zeitpunkt waren die Schüler aber schon zu Hause.

Warnung vor Hysterie

Für sie soll es am Montag „hoffentlich völlig normal” weitergehen, wünscht sich die Schulleiterin. Aus diesem Grunde hat das Kollegium am Freitagvormittag die Köpfe zusammengesteckt und einen Brief an alle Eltern verfasst, der von den Boten der Gemeinde zugestellt worden ist. Harl-Heinz Hermanns unterstützt die Haltung de Schule: „Es ist mit lieber, die Kinder werden dreimal zu viel ohne wirklichen Anlass nach Hause geschickt als einmal zu wenig.” Der Beigeordnete warnt allerdings vor „Hysterie”. Schulleitung, Polizei und Gemeindeverwaltung hätten die Angelegenheit sehr ernst genommen, und das sei auch richtig so: „Ich warne davor, jetzt panisch zu reagieren. Das wäre völlig unangemessen!”
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