Ambulanter Hospizdienst: Eigenes Leben bewusster sehen

Von: Katharina Isabel Franke
Letzte Aktualisierung:
6110671.jpg
Sterbende Menschen zu begleiten ist eine nahegehende, manchmal bedrückende, aber oft auch dankbare Aufgabe, wie nun die Mitarbeiter des ambulanten Hospizdienstes der Evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land bekundeten. Foto: stock/epd
6110902.jpg
Sie haben sich die Begleitung todkranker Menschen zur Aufgabe gemacht: Maria Kleiber, Margarete Steger, Pfarrer Köhne und Brigitte Neumann (von links) vom Hospizdienst. Foto: Katharina Isabel Franke

Roetgen. Der ambulante Hospizdienst „begegnen und begleiten“ der Evangelischen Kirchengemeinde Monschauer Land erhält am 1. September 2013 mit der Sozialarbeiterin Margarete Steger eine neue Koordinatorin. Ihre Hauptaufgaben werden die Organisation und die Zuweisung der Hospiz- Mitarbeiter auf die Familien sowie das Führen Erstgespräche und die Kooperation mit den Ärzten und Pflegediensten vor Ort sein.

Das erläuterte die Kirchengemeinde nun im Pressegespräch. Bereits seit 1997 besteht der ambulante Hospizdienst der Evangelischen Kirchengemeinde und konnte zusammen mit dem Roetgener Pfarrer Wolfgang Köhne stetig ausgebaut werden. Im Mittelpunkt der Hospizarbeit steht die Begegnung mit Sterbenden oder schwer erkrankten Menschen, die mit der Hilfe der 15 ehrenamtlichen Mitarbeiter einen ruhigen Weg in den Tod finden sollen. Bei dieser Sterbebegleitung steht vor allem der Wille des Menschen im Vordergrund, der mit der Unterstützung des Hospizdienstes den letzten Lebensweg bestreiten soll. Dabei ist das Sterben in der gewohnten Umgebung ein Hauptanliegen.

Die Begleitung todkranker Menschen kann von wenigen Tagen bis zu mehreren Monaten dauern. In dieser Zeit besuchen die Mitarbeiter des Dienstes den zu Begleitenden immer wieder und versuchen durch sensibles Erspüren seine Bedürfnisse für die letzten Lebensmomente zu erfahren. Die Begleitung ist ausdrücklich auf den erkrankten oder älteren Menschen ausgerichtet, dessen Wünsche mit in die Arbeit des Hospizdienstes einfließen sollen. Der Begriff des „zu Begleitenden“ ist während der letzten Jahre in der Hospizarbeit entstanden, da es sich in den Augen von Pfarrer Köhne und Margarete Steger weder um einen Patienten, noch um einen Klienten handelt.

Durch eine enge Zusammenarbeit der ambulanten Pflegedienste, der Altersheime und der Ärzte des Sterbenden entsteht somit ein Netzwerk, das durch die Arbeit des außen stehenden und neutralen Hospizmitarbeiters einen ganz neuen Blickwinkel erlangen kann.

Dieser kostenlose Dienst ist für jeden Menschen verfügbar, unabhängig von seiner Religion oder der politischen Einstellung. Auch Menschen, die bereits aus der Kirche ausgetreten sind, können hier eine Unterstützung in der letzten Lebensphase erfahren.

Die beiden ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen Brigitte Neumann, die seit 1996 für den Hospizdienst tätig ist, und Maria Kleiber, die sich seit acht Jahren der Begleitung todkranker Menschen verschrieben hat, konnten durch diese Arbeit vor allem sehr viel über sich selbst lernen, wie sie nun schilderten. Die eigenen Probleme, die man für riesig hielt, würden durch diesen Beruf immer kleiner erscheinen. Und die Dankbarkeit des „zu Begleitenden“ und seiner Familienangehörigen seien „etwas Unbezahlbares“, so Maria Kleiber.

Zurzeit 16 Mitarbeiter

Für Pfarrer Wolfgang Köhne wird bei dieser Arbeit „die nicht materielle Welt angesprochen“, und Margarete Steger sieht diese Arbeit als Chance, „das eigene Leben bewusster zu sehen.“

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter dieses Hospizdienstes, darunter nur ein männlicher Mitarbeiter in dieser Region, durchlaufen eine besondere Ausbildung, die nach dem sogenannten Celler-Modell verläuft, das beispielsweise bei den Maltesern erlernt werden kann. Diese spezielle Ausbildung, die ein Jahr dauert und an die Praktika angeschlossen sind, ist für jeden zugänglich. Weitere Fortbildungen und Supervisionen sind für die Mitarbeiter verpflichtend. Durch Treffen mit anderen Hospizgruppen aus der Region soll ein Netzwerk der Sterbebegleitung entstehen, so Pfarrer Köhne.

Die Mitarbeiter, die zwischen 40 und 70 Jahren sind, kommen nicht alle ursprünglich aus medizinischen oder pflegerischen Berufen. Da die derzeit 15 Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter zu wenige sind, um diese Arbeit in einer immer älter werdenden Gesellschaft zu leisten, ist der Bedarf nach neuen Mitarbeitern groß. Bei Interesse sind Pfarrer Köhne und Margarete Steger die Ansprechpartner.

Der Hospizdienst ist 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr erreichbar über das Hospiztelefon unter Telefon 0162-8466805. Margarete Steeger ist erreichbar unter Telefon 02473/9375454.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert