Radarfallen Blitzen Freisteller

Altstadt verliert traditionsreiche Metzgerei

Von: Heiner Schepp
Letzte Aktualisierung:
6957080.jpg
Wilma und Petra Grefen hinter der reich bestückten Theke des letzten Fleischereifachgeschäfts in der Altstadt. Doch Ende nächsten Monats ist hier Schluss, was aus dem Laden an der Laufenstraße wird, steht derzeit noch in den Sternen. Foto: Heiner Schepp
6957084.jpg
Über Jahrzehnte war die Metzgerei Heinen (hier der frühere Inhaber Karl Heinen mit dem damaligen Lehrling Dietmar Bongartz) an der Laufenstraße eine gute Einkaufsadresse für die Monschauer. Foto: Heiner Schepp

Monschau. Und wieder verschwindet ein Stück Alt Monschau: Die traditionsreiche Fleischerei Heinen an der Laufenstraße in Monschau öffnet am Freitag, 28. Februar, zum letzten Mal ihre Ladentür. Nach 114 Jahren ist Schluss mit Fleisch und Wurst aus eigener Herstellung, verliert die Altstadt eine weitere Einkaufsmöglichkeit für Dinge des täglichen Bedarfs.

„Es lohnt sich einfach nicht mehr“, sagt Wilma Grefen mit trauriger Stimme. Seit stolzen 54 Jahren steht sie in dem kleinen Laden, einen Steinwurf entfernt vom Roten Haus, hinter der Theke und bedient die Kunden, seit der Hälfte der Zeit, also seit auch schon 25 Jahren ist dabei ihre Tochter Petra an der Seite der 69-Jährigen.

Dass jetzt, nach über 100 Jahren das Ende des Geschäfts kommt, ist für Wilma Grefen „ganz schlimm“, doch kann sie Besitzer Helmut Jansen, der die Metzgerei vor Jahren von der Ur-Monschauer Familie Heinen übernahm, allzu gut verstehen: „Wir haben sehr treue Kunden, aber eben leider zu wenige, die regelmäßig ihr Fleisch bei uns kaufen“, erzählt sie. Ihre Tochter wird noch konkreter: „Es gibt Tage, da gehen hier nicht einmal 50 Euro über die Ladentheke. Damit kommt der Inhaber natürlich nicht über die Runden, wenn er Miete, Strom, Personal und Einkauf bezahlen muss.“

Die veränderten Fleischgewohnheiten der Menschen – nach einer Studie verzichten immer mehr Menschen auf Fleisch und ernähren sich fleischarm, vegetarisch oder gar vegan – machen Mutter und Tochter Grefen weniger für den sinkenden Umsatz und in der Folge für die nun anstehende Schließung verantwortlich. „Es gibt gerade in der Eifel schon noch genug Leute, die gerne gutes Fleisch oder Aufschnitt essen. Aber sie kaufen es lieber im Supermarkt, auch wenn die Qualität mit der unseren überhaupt nicht zu vergleichen ist“, ist Petra Grefen überzeugt. Aus diesem Grunde kommt es für sie auch nicht in Frage, sich hinter die Fleischtheke eines Vollsortimenters zu stellen, wenn sie Ende Februar ihre Tätigkeit in Monschau aufgeben muss. „Dann gehe ich noch lieber in eine Wurstfabrik“, sagt sie kämpferisch.

Von der übermächtigen Konkurrenz „kaputtgemacht“ sehen Wilma und Petra Grefen übrigens nicht nur den eigenen Laden. „Man muss sich ja nur hier bei uns umschauen, dann sieht man, wo es für die Metzgereien hin geht: Mohnen, Cloesgen, Kaczmarek – alles traditionelle Eifeler Fleischereien, die es heute nicht mehr gibt. Irgendwann wird auch die letzte Metzgerei schließen“, fürchtet die 40-Jährige und zählt „nur noch drei Metzgereien im Stadtgebiet und vielleicht ein halbes Dutzend in der gesamten Nordeifel“ auf. Das habe auch damit zu tun, dass es aufgrund von Lebensmittelvorschriften immer schwerer werde, selbst zu schlachten. Seit vor rund drei Jahren der Schlachthof Kalterherberg von der Lebensmittelkontrolle geschlossen wurde, müsse der Metzger sehr weit mit den Tieren fahren und das sei natürlich irgendwann unwirtschaftlich.

Ebenso hart wie die beiden Angestellten wird die Schließung der Metzgerei Heinen die treuen Stammkunden treffen, vor allem die älteren darunter. „Es werden so an die 50 Kunden aus dem gesamten Stadtgebiet sein, die jede Woche Fleisch bei uns kaufen und die wir ja teilweise sogar beliefern“, erzählt Wilma Grefen, als eine der treuen Kundinnen den Laden betritt. „Das ist einfach nur traurig“, sagt Carla Giessing, die noch nicht weiß, wo sie ab März ihr Fleisch kaufen wird. Und mit der Schließung werde auch der nette Kontakt, das beinahe tägliche Pläuschchen verloren gehen.

Traurige Stammkundinnen

„Ich werde dann wohl mit dem Bus irgendwo hinfahren müssen, um mein Fleisch zu holen“, blickt Agnes Mathar, die manchmal auch ganze Mahlzeiten bei Heinen zu sich nach Hause bestellt (Wilma Grefen: „Unser Essen auf Rädern ist äußerst beliebt“) angstvoll nach vorne und fürchtet schon jetzt „die Schlepperei“. Auch Renate Jansen gehört zu den Kundinnen, die manchmal nur kurz anrufen und am Nachmittag ihre frische Fleischlieferung bekommen.

Zum Rückgang dieses treuen Kundenstamms gesellen sich noch auswärtige Konkurrenz und damit sinkender Umsatz beim Monschauer Weihnachtsmarkt, der früher der Fleischerei gute Dezember-Erlöse brachte. Und von den vielen Monschauer Restaurants beziehen heute gerade mal noch ein halbes Dutzend ihr Frischfleisch aus der Laufenstraße.

Dies alles sind die Sargnägel für ein traditionsreiches Einzelhandelsgeschäft, an dem nun die Vermietungsanzeige an der Ladentür prangt und ein handgeschriebener Zettel mit einem Dankeschön an die treuen Kunden. Kaum anzunehmen, dass hier auch nach dem 28. Februar noch Wurst und Fleisch verkauft werden. „Wahrscheinlich wird der Laden hier dann genauso leer stehen wie viele andere ehemalige.“

Petra und Wilma Grefen sehen hier auch die Stadt Monschau ein Stück weit in der Verantwortung: „Aber gegen das Aussterben der Altstadt wird leider nicht wirklich etwas unternommen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert