Nordeifel - Als Feldraine und Wiesen aus der Nordeifel verschwanden

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Als Feldraine und Wiesen aus der Nordeifel verschwanden

Von: Günter Krings
Letzte Aktualisierung:
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Auch im Bereich Simmerath wurden seit der Mitte des 20. Jahrhunderts große Gebiete einst landwirtschaftlich genutzter Flächen mit Gewerbeansiedlungen und Wohngebieten bebaut. So gingen Stück für Stück große Flächen der vormaligen Kulturlandschaft verloren und damit auch der bisherige Lebensraum für Insekten und Vögel. Foto: H. Schepp
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Eine der Leidtragenden der verloren gegangenen Kulturflächen ist die Feldlerche, die heute in der Nordeifel nur noch mit viel Glück anzutreffen ist. Foto: imago/blickwinkel

Nordeifel. Während der 1950er, 1960er und 1970er Jahre des vorigen Jahrhunderts gaben die meisten Kleinbauern im alten Kreis Monschau ihre Nebenerwerbstätigkeit in der Landwirtschaft auf.

Die meist kleinen Flurgrundstücke wurden verkauft oder verpachtet an die größeren landwirtschaftlichen Betriebe, die wegen Milchquoten und anderen Bestimmungen der Europäischen Union immer mehr Vieh halten mussten, um finanziell über die Runden zu kommen. Die Grenzen der Flurgrundstücke waren früher trotz ihrer Kleinheit immer an Feldrainen zu erkennen.

Die neuen Pächter und Besitzer der kleinen Fluren kümmerten sich nicht mehr um die Feldraine, die somit langsam aber sicher verschwanden, und damit auch ein kleiner Lebensraum für Insekten. Es entstanden riesige Flächen ohne jeglichen Feldrain, Hecken wurden entfernt.

Sehen kann man das heute beispielsweise an der Flur Jellert zwischen Konzen und Bickerath oder im Kranzvenn zwischen Konzen und Simmerath. Lediglich dort, wo alte Buchenhecken standen, blieben die Feldraine erhalten, aber da die Hecken nicht mehr überall gepflegt wurden, entstanden daraus manchmal Baumreihen, die weder Insekten noch Vögeln ausreichend Schutz und Nahrung bieten.

Wohnraum ausgedehnt

In den 1960er Jahren kamen die geburtenstarken Kriegsjahrgänge ins heiratsfähige Alter. Da die Männer genug verdienten, um eine Familie zu ernähren, heirateten alle und brauchten Wohnraum. Mancher Stall und manche Scheune wurden nun zu Wohnraum umgebaut. Das reichte aber nicht, um für die heiratswilligen Paare Wohnraum zu beschaffen.

Um diesem Mangel abzuhelfen, wurden bisher als Acker- oder Wiesenland genutzte Flächen als Neubaugebiete ausgewiesen. Beispiele sind der Krähwinkel in Konzen, der Bereich Rulertsweg in Imgenbroich, das Gebiet an der Lohmühlenstraße – Simrodstraße – alte Schwimmhalle in Simmerath.

Hier gingen zunächst große Flächen von landwirtschaftlich genutzten Flächen für immer als Lebensraum, zum Beispiel für Lerchen, verloren. Da die Baugrundstücke damals noch ziemlich groß waren, konnten jedoch durch Pflanzungen von Bäumen, Gebüsch und Blumen für Insekten und Vögel Lebensraum in den Gärten geschaffen werden.

Bis in die 1960er Jahre gab es in unserer Region außer bei der Firma Junker in Lammersdorf kaum nennenswerte gewerbliche Arbeitsplätze. Um diesem Mangel abzuhelfen, wurden große, einst landwirtschaftlich genutzte Flächen als Gewerbegebiete ausgewiesen und mit Produktionsstätten und Supermärkten ausgestattet.

Gewerbegebiete geschaffen

Als Beispiel soll hier die einstige Flur „Om Jönster“ bei Imgenbroich genannt werden, wo sich Dürr, Weiss-Druck und viele andere Firmen ansiedelten. Zwischen Simmerath und Kesternich wurden auch große Gebiete einst landwirtschaftlich genutzter Flächen in ähnlicher Weise bebaut. So wurden fast unmerklich große Flächen der ursprünglichen Kulturlandschaft vernichtet – und damit auch Lebensraum für Insekten und Vögel. Und dieser Prozess ist auch heute noch nicht abgeschlossen, wie man in Imgenbroich und Simmerath sehen kann.

Als Bauland jeglicher Art konnte jedoch nur ortsnahes, halbwegs trockenes und ebenes Gelände genutzt werden. Die Wiesen und Ackerflächen etwa im steilen Hang des Rurtales oberhalb von Hammer in Richtung Eicherscheid und Huppenbroich konnten auch mit großen Traktoren nicht mehr bearbeitet werden. In den 1960er Jahren gab es ein Programm des Forstministeriums zum Aufforsten nicht mehr landwirtschaftlich genutzter Flächen.

Häufig wurden die jungen Fichtenpflanzen kostenlos zur Verfügung gestellt. So wurden nun Flächen, die zum Bebauen nicht geeignet waren und für die Landwirtschaft nicht mehr genutzt werden konnte, mit Fichten bepflanzt und verschwanden so nach und nach als Lebensraum für Blumen, Insekten und Vögel.

Fichten verdrängen Wieses

Dazu gehörten auch feuchte Wiesen in den Nebenbächen der Rur oder auch Sumpf- und Venngebiete zwischen Simmerath und Konzen. Auch in diesen Bereichen der Nordeifel verschwand die alte Kulturlandschaft mit ihren Blumen, Insekten und Vögel zugunsten von Fichtenaufwuchs.

 

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