Nordeifel - Als die Landwirtschaft das Leben für Vögel und Insekten schwerer machte

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Als die Landwirtschaft das Leben für Vögel und Insekten schwerer machte

Von: Günter Krings
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Familie Bach aus Rollesbroich bei der Getreidernte mit zwei Ochsen und einer Mähmaschine. Foto: Krings
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Veränderungen in der Landwirtschaft waren eine der Ursachen für den Rückgang von Insekten und Vögeln, Bilder aus dem vergangenen Jahrhundert: Einer der ersten Traktoren in Konzen beim Abpumpen der Jauche mit Adolf Völl. Foto: Günter Krings
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Ein Kornfeld mit „Männchen“ in der Nähe der Rochusmühle bei Konzen. Foto: Krings

Nordeifel. Schon vor dem Krieg gab es Arbeitserleichterungen für die Bauern. Einige größere Bauern hatten schon von Pferden oder Ochsen gezogene Maschinen, die die Arbeit wesentlich erleichterten: Mähmaschinen, Heuwender, Dreschmaschinen, die aber nichts an der kleinbäuerlichen Kulturlandschaft veränderten.

Auch noch einige Jahre nach dem Kriege blieb alles so wie früher. Für Neuerungen hatte man kein Geld, denn das musste investiert werden, um wieder Wohnungen herzurichten, die im Krieg in den meisten Dörfern zerstört worden waren.

Aber Mitte der 50er Jahre des vorigen Jahrhunderts ging es dann mit den Veränderungen los. Es kamen die ersten Traktoren ins Dorf. In Konzen war es Karl Huppertz (Bores Karl), der den ersten Traktor kaufte, dem wenig später weitere folgten. Die ganz alten Bauern meinten damals, das würde nicht gutgehen in der bergigen Eifellandschaft, und die Traktoren würden wieder bald von der Bildfläche verschwinden. Dem war, wie wir heute wissen, nicht so.

Vom Dorf aus führten viele Wege in die Feldfluren – Feldwege mit tiefen Karrenspuren, in denen sich bei Regenfällen viel Wasser ansammelte. Wenn diese Pfützen etwas größer waren, siedelten sich hier Wasserinsekten an, manchmal legten sogar Grasfrösche Eier in die Pfützen, so dass es kurze Zeit später dort nur so von Kaulquappen wimmelte. Diese Pfützen mit nassem Schlamm waren auch die Stellen, wo die Schwalben das Baumaterial für ihre Nester in und an den Häusern und Ställen hernahmen.

Diese holprigen Feldwege waren natürlich für Traktoren, die ja um einiges schneller waren als Pferde und Ochsen, völlig ungeeignet. Und so wurden vom „Grünen Plan“, ein Hilfsprogramm des Bundes für ländliche Regionen, die Feldwege mit ihren vielen Schlaglöchern ausgekoffert und asphaltiert. Damit verschwand ein kleiner Lebensraum für Insekten.

Die Traktoren im Dorf veränderten dann doch die Arbeitsweisen in der Landwirtschaft erheblich. Fahrkühe, Ochsen und Pferde verschwanden so langsam aus dem Ortsbild, jedoch blieb die alte Kulturlandschaft zunächst ohne größere Veränderungen erhalten.

Ackerbau verschwindet

Die großen Veränderungen begannen in den 1960er Jahren. Man brauchte keinen Roggen mehr, um Schwarzbrot beim Bäcker backen zu lassen, so dass der Roggenanbau eingestellt wurde. Auch Hafer- und Gerstenanbau wurden langsam aufgegeben. Kraftfutter für Vieh, Pferde, Hühner und Schweine konnte man bei Getreidehändlern oder in der Genossenschaft in Konzen erwerben.

Lediglich Kartoffelfelder blieben noch eine Zeit lang erhalten. Das mag aber in den Dörfern Steckenborn, Strauch und Schmidt – früher wurden diese „D‘r Kiéschpel“ genannt – , wo der Boden besser und die Niederschläge nicht so hoch waren wie an den Dörfern am Vennrand, viel später vonstatten gegangen sein. Durch die Aufgabe des Ackerbaus wurden große Lebensräume für Insekten und Vögel aufgegeben.

Wenn man früher in unserer Region ein Getreidefeld einsäte, waren in diesem Samengut auch „Unkrautsamen“ enthalten – Margeriten, Kamille, Kornblumen, Rainfarn, Stiefmütterchen, Hohlzahn (im Platt Donnessele genannt). Auch zahlreiche Insekten und Spinnen krabbelten auf dem Boden umher – eine unbedingt notwendige Nahrung für junge Rebhühner.

Die Äcker wurden im späten Sommer geerntet, Heu ab Mitte Juni. Bis dahin hatten die Bodenbrüter längst ihre Jungen großgezogen und konnten sich, wenn gemäht wurde, in sichere Gebiete verziehen. Gift wurde überhaupt nicht gespritzt, weder gegen Unkraut noch gegen Insekten. Allerdings konnten die Bauern auch damals nicht auf Kunstdünger verzichten. Aber der größte Teil des Kunstdüngers wurde schon im Vorfrühling ausgestreut, bevor die Vögel zur Brut schritten.

Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre begann also der Mensch, die Kulturlandschaft des Monschauer Landes, die mit kleinen Veränderungen seit dem Mittelalter entstanden war, entscheidend zu verändern. Die Getreidefelder mit ihren zahlreichen Feldkräutern und Insekten verschwanden und wurden zu Wiesen und Weiden. Der Ackerbau wurde zugunsten der Viehzucht aufgegeben. Damit wurden auch einige Vogelarten seltener und verschwanden schließlich, wie etwa das Rebhuhn.

Es gibt aber noch weitere Ursachen für das Insektensterben und den Rückgang der Vögel.

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