Vogelsang - Adolf-Hitler-Schule: Blockbildung lautete das pädagogische Ziel

Adolf-Hitler-Schule: Blockbildung lautete das pädagogische Ziel

Von: P. St.
Letzte Aktualisierung:
hülshegerbild
Wie die Nazis ihre Propaganda nutzen, gehört zu den Interessensgebieten von Vogelsang-Referent Rainer Hülsheger.

Vogelsang. Von 1936 bis zum Beginn des 2. Weltkrieges fanden in der Schulungsanlage Vogelsang drei Lehrgänge zur Ausbildung politischer Leiter statt. Im Winter 1939/40 diente Vogelsang zur Unterbringung von Wehrmachtstruppenteilen. Ende April/Anfang Mai 1942 sind die drei Adolf-Hitler-Schulen (AHS) Moselland, Franken und Westmark von Sonthofen aus nach dort verlegt worden.

Während ihres Aufenthaltes in Vogelsang haben die jungen Leute Erlebnisberichte über Ausfahrten in die umliegenden Orte verfasst. Die Begeisterung über diese Ausflüge kommt beispielsweise auch in einem Jahrgangsbericht der AHS Franken zum Ausdruck, verfasst für den Einschulungsjahrgang 1940 - jedoch erst im Sommer 1944 geschrieben.

Vogelsang-Referent Rainer Hülsheger (66) aus Rott, ehemals Lehrer von Beruf, gelangte zufällig an Berichte aus dieser Zeit. Während einer Stadtführung in Monschau berichtete ihm seinerzeit ein ehemaliger Lehrgangsteilnehmer über die Erlebnisse in der Eifel und stellte gut 65 Jahre später seine damaligen Aufzeichnungen zur Verfügung. Das Material wird Hülsheger später dem Vogelsang-Archiv zur Verfügung stellen.

„Wichtigstes pädagogisches Ziel dieser Fahrten war das Zusammenschweißen von 24 sich zunächst völlig fremden 14-jährigen Jungen zu einem Block, der auf Gedeih und Verderb zusammenhalten und für ewig auf ein gemeinsames Blickfeld im Sinne der nationalsozialistischen Volks-, Bluts- und Kampfgemeinschaft verpflichtet werden sollte,” erläutert Hülsheger. Dabei lesen sich die Beschreibungen, abgesehen von der Wortwahl vielleicht, nicht viel anders als würden diese heute von jungen Leute verfasst, die beispielsweise in einer Eifeler Jugendherberge untergebracht wären.

„Die Jahresberichte der AHS sollten der dauernden Verfestigung und Verpflichtung der Gruppe über den kurzen Moment des Erlebens hinaus dienen,” so die Feststellung von Hülsheger, der von „Gebrauchspädagogik” spricht: „Zusammengehörigkeitsgefühl, Kameradschaft und Blockbildung” seien die Ziele gewesen. Den damit verbundenen Missbrauch durch das System hätten die Jugendlichen erst bemerkt „als der Zusammenbruch kam”.

Durch die Eifel gestreift

Insofern liegt das Hauptinteresse der Berichte in der Darstellung der subjektiven gemeinsamen abenteuerlichen Jungenerlebnisse. Die sachliche Beschreibung der Eifel tritt dagegen zurück. Es handelt sich also um Zeitdokumente, wie z.B. in der Beschreibung einer „Pfingstfahrt in die Eifel” zum Ausdruck kommt.

Dass junge Leute heute über einen längeren Zeitraum eine so stark verschworene Gemeinschaft bilden, hält Rainer Hülsheger kaum für realistisch. „Die jungen Leute sind heute enorm stark individualisiert.” Der Trend gehe eher in die andere Richtung, „weg von Gemeinschaft und hin zum Ego.” Ausgeprägte Gemeinschaftsgefühle wie zur Nazizeit finde man heute kaum noch, „vielleicht für ein paar Stunden in den Fußballstadien.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert