„Adieu Diligence!“: Betrieb der Postkutsche ist eingestellt

Von: Karl-Heinz Hoffmann
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Nicht mehr verkehrstüchtig: Die sonntäglichen Fahrten der historischen Postkutsche „Diligence“ zwischen Erkensruhr und Einruhr mussten eingestellt werden. Foto: Karl-Heinz Hoffmann

Einruhr/Erkensruhr. Leise, still und heimlich sowie von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt war sie bereits im vorigen Jahr von der Bildfläche verschwunden. Mit ihr verloren die Gemeinde Simmerath und die Region ohne Zweifel einen touristischen Werbeträger erster Ordnung. Die Rede ist von der historischen Postkutsche.

Die sogenannte „Diligence“ verkehrte in den vergangenen Jahrzehnten durch das malerische Tal zwischen Einruhr und Erkensruhr oder von Einruhr nach Jägersweiler Richtung Urftsee von Anfang Juni bis Ende September.

Nachdem der Zahn der Zeit fast 50 Jahre an ihr genagt hatte, war es mit den beschaulichen Fahrten durch die Idylle rund um den Obersee im letzten Jahr vorbei. Wie Karin Birkhoff vom Förderverein Postkutsche und von der Rursee-Touristik gegenüber unserer Zeitung mitteilte, „kam die Kutsche aufgrund erheblicher technischer Mängel nicht mehr durch den TÜV und wurde für den Fahrbetrieb nicht mehr zugelassen“.

Diese Hiobsbotschaft musste erst einmal verdaut werden und wie Karin Birkhoff mitteilte, wurde hiernach fieberhaft von allen Beteiligten nach Lösungsmöglichkeiten gesucht. Da es aber Reparaturwerkstätten für Kutschen nicht wie Sand am Meer gibt, gestaltete sich die Suche langwierig. Schließlich, so Birkhoff, habe man einen „Kutschengutachter“ gefunden, der aufgrund der technischen Mängel des Gefährtes aber letztlich zu dem Ergebnis kam, dass es sich nicht lohnen würde, nochmals Geld in die Postkutsche zu stecken.

Ein zweites Gutachten erbrachte das gleiche Ergebnis. Rund 10.000 Euro standen laut Karin Birkhoff für die Reparatur im Raum. Damit war das Ende der regelmäßigen Fahrten mit der historischen Postkutsche durch das –wie es in alten Werbebroschüren hieß – „romantische Kleinwalsertal der Eifel“ besiegelt. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte der historische Zweispänner im August 2013 bei den NRW-Kutschmeisterschaften in Eicherscheid, als die Ehrengäste mit ihm auf das Parcoursgelände gefahren wurden.

Davor verkehrte der Nachbau eines königlich-bayrischen Landpostwagens aus dem 18. Jahrhundert fast 50 Jahre im Rurtal auf der eingangs genannten Strecke. Die Diligence (Leergewicht 1280 Kilogramm) bot dabei insgesamt für neun Personen eine Mitfahrgelegenheit, wobei die einfache Fahrt mit fünf Euro pro Person zu Buche schlug.

Mit dem gelben Landpostwagen ist natürlich auch der Name des Kutschers eng verbunden. Horst Steffens hatte hier jahrelang die Zügel zu seiner beiden Kaltbluthengsten Obelix und Bobby in der Hand. 1964 fand laut Steffens die Erstfahrt der Postkutsche statt, deren geistiger Vater und Miterbauer der 1994 verstorbene Ottmar Wollgarten aus Erkensruhr war. Darauf wird auch auf der Gedenktafel am Backhaus („Backes“) hingewiesen.

Bereits 2003 war die Postkutsche schon einmal aufwendig renoviert worden, da festgestellte Mängel eine Verkehrssicherheit nicht mehr garantierten. Die Kosten der Restaurierung in einer polnischen Fachwerkstatt beliefen sich damals auf 10.000 Euro, die vom Förderverein Postkutsche vorwiegend durch Sponsorengelder aufgebracht wurden. 2011 plagten den Förderverein dann Sorgen, was den Unterstellplatz der Kutsche anging. Wegen einer Änderung der Eigentumsverhältnisse konnte sie nicht mehr am damaligen Talcafé untergebracht werden, so dass sie vorübergehend, Wind und Wetter ausgesetzt, hinter dem ehemaligen „Haus des Gastes“ eine Bleibe fand, bevor 2012 das Aus für den Gelben Wagen kam.

Die Diligence wird aber nicht in der Versenkung verschwinden, wie Karin Birkhoff versichert. „Für mich stand von Anfang an fest, dass die Postkutsche als Ausstellungsstück in Erkensruhr erhalten bleiben muss“, erklärt Birkhoff hierzu.

Zusammen mit dem Bürgerverein Erkensruhr-Hirschrott e.V. und Ortsvorsteher Christoph Poschen werde noch nach einem Platz gesucht, an dem die Kutsche als Blickfang und Schmuckstück dienen soll. Dort dürfte sie dann sicher wieder als Motiv für viele Urlaubsbilder dienen und letztlich wieder als Werbeträger in Aktion treten.

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