Nordeifel - Abschiedsbrief mit letzter Kraft geschrieben

Abschiedsbrief mit letzter Kraft geschrieben

Von: M. S.
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Schrieb mit letzter Kraft einen Abschiedsbrief an seine Mutter: der Soldat Hermann Fink.

Nordeifel. Von Aachen bis zur Oder, von den Alpen bis zur Nordsee sind sich die Deutschen einig: „Ein Kind – gleich welchen Alters – durch Krankheit oder Unglück zu verlieren, ist für eine Mutter noch schwerer zu ertragen als der Tod des Ehemannes oder Lebenspartners.“ Das Eicherscheider Landwirtsehepaar Johann Anton und Anna Maria („Mariechen“) Fink , geborene Müllenmeister, traf das alle Vorstellungskraft sprengende, grausame Schicksal so mancher Leidensgenossen im Zweiten Weltkrieg gleich dreimal.

Ihr Sohn Alfons fiel als Wehrmachts–Unteroffizier 1943 in den Kämpfen um Stalingrad, seinen Bruder, Gefreiter Heinrich Fink, tötete im gleichen Jahr die feindliche Kugel auf dem Schlachtfeld im russischen Malaja-Jenesal, und Oberfähnrich und Ordonnanzoffizier Hermann Fink starb - nur ein Vierteljahr vor Kriegsende – während eines Rückzugsgefechtes gegen Verbände der Sowjetarmee in Ostpreußen. Er wurde auf dem Heldenfriedhof von Gumbinnen begraben.

Die Söhne der Eheleute Fink wurden nur 25 bis 36 Jahre alt. Der Jüngste, Hermann, Jahrgang 1920, wurde tödlich verwundet und schrieb auf dem Sterbebett einen innigen und zu Herzen gehenden Abschiedsbrief voller Gottvertrauen, den er seiner „lieben Mutter“ widmete. Es ist ein erschütterndes Dokument, das zutiefst anrührt und jeden vernünftigen Menschen auch scheinbar „gerechte“ Kriegshandlungen rigoros ächten lässt. Dieter Käfer, dem zweiten Vorsitzenden des Eicherscheider Reit– und Fahrvereins, ist eine Kopie Hermann Finks Schreibens in seine Eifelheimat, die er nie mehr wiedersehen sollte, zu verdanken. Das wertvolle Dokument galt lange als verschollen und hat eine wahre Odyssee zurück in die Nordeifel hinter sich.

Trude Heiler, die unermüdlich verdienstvolle Eicherscheider Heimathistorikerin, blätterte zudem in ihrem Schatz, der Dorfchronik und wurde zum Thema des tragischen und schier unerträglichen Loses der Familie Fink ergänzend fündig. Mutter Anna Maria stammte aus der Belgenbacher Mühle und der dort schaffenden Müllerdynastie Müllenmeister. In den letzten Stunden seines Lebens schreibt ihr Sohn Hermann, 1000 Kilometer von der Eifelheimat entfernt und mit letzter Kraft, folgende Zeilen: „Meine liebe Mutter! In Gedanken sehe ich Dich mit derselben Mimik, die Du trugest, als Heinrich gefallen war! Hoffentlich ist es so. Ich hatte einen wunderschönen Trost in dieser letzten Stunde. Wie königlich Du Deinen großen Schmerz damals getragen hast! Erfährst Du von meinem Heldentod, darf es nicht anders sein.

Viele Menschen gaben noch viel mehr in diesem Kriege her, wenn sie nicht wussten, dass der Tote in der Treue zu seinem eigenen guten Wesen nach dem Vorbild Christus gestorben ist. Und ich selber, Mutter, ich kann mein Leben nicht schöner beschließen als durch den Heldentod. Für Euch, für Dich, für Maria, für unseren Vater, die kleinen Kinder in Eicherscheid und, zu guter Letzt, für alles, was ich so unendlich lieb gehabt habe: die Schlüsselblumen in den Triften, die verborgenen Quellwasser, das Mühlchen und die Kapelle, unsere Linde, unser ganzes Dorf mit all´ seinen Fehlern und Vorzügen eines bäuerlichen Daseins. Ich habe immer das Leben geliebt, wie es im Sinne der göttlichen Ordnung erlaubt war. Singt mir kein Requiem, singt mir ein ´Tantum Ergo´! Und noch eins: Mutter, Du musst es nicht eilig haben, mir nachzukommen. Du musst Dich an den anderen trösten. Sonst weiß ja niemand mehr, das ´de Möllesch´ aus so hartem Holz geschnitzt sind. Mein Opfer wird nicht umsonst sein. Ich war immer Dein Junge, wie Du in Dir gewünscht hast. Gott tröste Dich!“

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