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80 Millionen Kubikmeter Wasser als Schnee

Von: Bernd Kehren
Letzte Aktualisierung:
talsperrebild
Der Wasserverband Eifel-Rur ist gerüstet. 90 Millionen Kubikmeter Hochwasser-Rückhalt sind in den Talsperren vorhanden. Auch die Rurtalsperre (hier bei Rurberg) verfügt noch über ausreichend Reserven.

Nordeifel. Rund 80 Millionen Kubikmeter Wasser sind nach Berechnung des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER) im Schnee der Nordeifel gebunden. Und er beginnt zu schmelzen. Aber der Wasserverband ist gerüstet. 90 Millionen Kubikmeter Hochwasser-Rückhalt sind in den Talsperren vorhanden.

„Es besteht keine Gefahr, wir haben genügend Volumen”, so Robert Stegmanns, Dezernent für den Gewässerbereich. „Es taut, aber es taut allmählich.” Beim Verband geht man davon aus, dass es nicht zu starkem Hochwasser kommt.

Nach wie vor beschäftigt den Verband das Thema Klimawandel. „Dabei geht es vor allem um Anpassungsstrategien an die zu erwartenden Veränderungen”, so WVER-Sprecher Marcus Seiler. „Zwar sagen erste Trends nicht voraus, dass sich im Einzugsgebiet der Rur die Niederschlagsmengen merklich erhöhen oder verringern. Jedoch sind ein weiterer Temperaturanstieg und ein verändertes Niederschlagsverhalten zu vermerken.”

Die Regenmenge bleibe gleich, so Stegmanns, aber es seien mehr Extremereignisse und längere Trockenperioden zu verzeichnen. „Es ergaben sich teilweise erhebliche Abweichungen von den jeweiligen Monatsmittelwerten”, so Seiler im Verbands-Jahresbericht 2010. Im Januar, April und März war es viel trockener als gewöhnlich, im Juli und August besonders nass. Im August fiel sogar mehr als doppelt soviel Regen wie im langjährigen Mittel.

Obwohl die Regenfälle aufs Jahr gerechnet konstant blieben, sanken die Gesamtzuflüsse ins Talsperrensystem in der Nordeifel. Dafür sind zwei Faktoren maßgeblich: Die trockenen Monate in der ersten Jahreshälfte brachten nur wenig Wasser, die feuchten Sommermonate konnten dies nicht ausgleichen. Das Mehr an Wasser verdunstete zum größten Teil und gelangte erst gar nicht in die Stauseen.

Beim Wasserverband versucht man, sich auf diese veränderten Klimabedingungen einzustellen. Dazu beteiligt er sich an drei Projekten, die mit Mitteln der EU und des Landes bezuschusst werden. Im so genannten AMICE-Projekt (Adaption of the Meuse to the Impacts of Climate Evolutions - Anpassung der Maas an die Einflüsse der Klima-Entwicklungen) werden mögliche Szenarien des Klimawandels und ihrer Auswirkungen auf das Maas-Einzugsgebiet untersucht.

Die Rur mündet in Roermond in die Maas. 16 Partner aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland arbeiten bei dem Projekt zusammen. Im Rahmen der Beteiligung des WVER wird erstmals ein Niederschlags- und Abflussmodell für die Kall, die Olef und die Urft erstellt. Dadurch sollen Prognosen ermöglicht werden, die zu einer Anpassung der Talsperrensteuerung führen sollen.

Ein weiteres Projekt ist „Flood-Wise”. Hier arbeiten Partner aus elf ost-, südost- und westeuropäischen Ländern zusammen. Es beschäftigt sich mit dem grenzüberschreitenden Hochwasserschutz an Gewässern wie der Rur, die Staatsgrenzen passieren. Hierbei werden Probleme und Erfahrungen ausgetauscht, aber auch Hochwasserrisikokarten erstellt. In WAVE (Water Adaption is Valuable for Everybody - Anpassung an das Wasser ist nützlich für Jedermann) geht es ebenfalls um den Austausch von Erfahrungen, aber auch um die Planung und Umsetzung von Projekten, die den Hochwasserschutz bei Starkregenperioden verbessern sollen.

Wie Thomas Reich von der Berliner Außenstelle des Deutschen Wetterdienstes (DWD) mitteilte, sind in den Mittelgebirgen bis zu 200 Liter Niederschlag pro Quadratmeter Schnee gespeichert - mehr als die monatliche Regenmenge. Milde Luft allein reiche aber nicht aus, um die ganze Pracht zum Schmelzen zu bringen, sagte Reich. „Je mehr Schnee da ist, desto mehr Wärme braucht es, um ihn zum Schmelzen zu bringen.”

Die Januar-Sonne sei zu schwach. Und auch schmelzender Schnee allein verursache nur sehr selten Hochwasser. Gefährlich werde es aber, wenn warme Luft und intensiver Regen zusammenkommen - das sagen die Meteorologen für das Wochenende voraus. Die Hochwassergefahr steige dann stark, so DWD-Meteorologe Helmut Malewski.

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