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7,5 Jahre Haft? Paul H. vorerst weiter auf freiem Fuß

Von: Ernst Schneiders
Letzte Aktualisierung:

Monschau. Bis zuletzt hatte Paul H. vor dem Aachener Landgericht seine Unschuld beteuert, doch die 5. Große Strafkammer verurteilte ihn zu siebeneinhalb Jahren Haft.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Paul H. seine damals minderjährige Stieftochter in mehreren Fällen vergewaltigt und schwer sexuell missbraucht hatte.

Nunmehr wehrt sich der inzwischen rechtskräftig Verurteilte gegen seinen Haftantritt. Wie Oberstaatsanwalt Robert Deller auf Anfrage unserer Zeitung erklärte, hat Paul H. einen Aufschub des Haftantritts beantragt, weil er sich selbst nicht für haftfähig hält.

Diese subjektive Einschätzung solle jetzt überprüft werden. Aus diesem Grunde habe die Staatsanwaltschaft einem kurzen Aufschub des Antrittstermins zugestimmt. Bis dahin befindet sich Paul H. weiter auf freiem Fuß.

In einem erschütternden Prozess vor dem Aachener Landgericht hatte Paul H. immer wieder versichert, unschuldig zu sein, während seine Verteidiger Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Opfers zu schüren versuchten. Diese Zweifel wurden jedoch von einer Gutachterin ausgeräumt. Als das Urteil gefallen war, klickten noch im Gerichtssaal die Handschellen.

Die musste Paul H. jedoch nicht lange anbehalten, denn das Oberlandesgericht in Köln setzte den Haftbefehl für die Dauer des Revisionsverfahrens wegen nicht erkennbarer Fluchtgefahr gegen eine Kaution von 70.000 Euro aus.

Diese richterliche Entscheidung wurde in der Eifel vielerorts empört und mit verständnislosem Kopfschütteln quittiert. Auch schossen Gerüchte ins Kraut, wer denn wohl die Kaution hinterlegt habe.

Als der Bundesgerichtshof die Revision als unbegründet zurückgewiesen hatte, war das Aachener Urteil damit rechtskräftig, und das bevorstehende Programm für die nächsten 7,5 Jahre deutete wenig Abwechslung an.

Nicht nur persönlich, auch politisch ist der 51-Jährige tief gefallen. Dem FDP-Fraktionsvorsitzenden im Monschauer Stadtrat und Bürgermeisterkandidaten der Liberalen im Jahr 2009 wurde vom Stadtparlament zwangsweise das Mandat entzogen, weil er dieses bürgerliche Recht als rechtskräftig Verurteilter nicht mehr genießt.

Auch seine politischen Weggefährten von der FDP gingen auf Distanz zu ihm und kündigten an, nach der Rechtskraft des Richterspruchs ein Parteiausschlussverfahren gegen Paul H. einzuleiten.
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