Simonskall - Zwei Millionen Euro: Kritik am Ausbau der K36

Zwei Millionen Euro: Kritik am Ausbau der K36

Von: sj
Letzte Aktualisierung:
7186119.jpg
Das Teilstück der K 36 zwischen Vossenack und Simonskall soll auf durchgehend sechs Meter verbreitert werden. Foto: Stephan Johnen

Simonskall. Ökonomischer Unsinn, ökologische Gefährdung oder eine Verbesserung der Verkehrssicherheit? Wenn es um den geplanten Neubau der Kreisstraße 36 zwischen Vossenack und Simonskall geht, scheiden sich die Geister. Etwa zwei Millionen Euro soll der Ausbau der Straße kosten.

Geplant ist eine durchgehende Verbreiterung auf sechs Meter. An manchen Stellen ist die K 36 bislang nur vier Meter breit. Im Frühjahr soll mit den etwa acht Monate dauernden Arbeiten begonnen werden. Doch es regt sich Protest, vor allem aus Reihen der Umweltschützer. Daher prüft die Bezirksregierung Köln den Vorgang. Bis zur Klärung wurde der Kreis angewiesen, keine Arbeiten zu beginnen, sagte Oliver Moritz von der Bezirksregierung auf DZ-Anfrage.

In einer unserer Zeitung vorliegenden anonymen Beschwerde, die unter anderem an NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft verschickt wurde, sprechen „besorgte Bürger und Bewohner in der Gemeinde Hürtgenwald“ von einer „Verschwendung von Steuergeldern“. Die Straßenverbreiterung werde vom Kreis angestrebt, „weil diese vom Land gefördert wird“. Dies sei nicht notwendig, sondern „wahnwitzig“.

Der Arbeitskreis Fledermausschutz und die Naturschutzverbände BUND und Nabu sehen einen ökologisch „besonders hochwertigen Raum“ entlang der Serpentinen und im Kalltal gefährdet. Auch sie haben Beschwerde beim Umweltministerium eingelegt. Die Naturschützer kritisieren, dass sich der Kreis Düren quasi die Erlaubnis selbst erteilt habe, indem er eine Umweltverträglichkeitsprüfung, bei der die Zuständigkeit auf die Bezirksregierung Köln übergegangen wäre, als nicht notwendig erachtete. Der Vollausbau sei jedoch ein erheblicher Eingriff, dessen mögliche Folgen genau untersucht werden müssten.

Die Naturschutzverbände führen zudem ins Feld, „dass sogar die Kommission zum Wettbewerb ‚Unser Dorf hat Zukunft‘ von einem Ausbau der Straße abgeraten hat“. Anders sieht das der Bürgermeister der Gemeinde. „Wir unterstützen den Neubau. Besonders für den Tourismus im Kalltal ist eine Verbesserung der Straße nur zu begrüßen“, sagte Axel Buch. „Besorgte Bürger habe ich noch nicht getroffen.“

„Die Straße ist abgängig. Eine einfache Sanierung hätte uns einige Jahre Luft verschafft, aber das Problem nicht gelöst. Auch aus Gründen der Verkehrssicherheit ist eine Verbreiterung in Richtung Hang mehr als sinnvoll“, erklärte Walter Weinberger, Leiter des Amtes für Kreisentwicklung und -straßen. Wichtig sei auch, dass es sich um einen Straßenbau „im Bestand“ handele. Es seien daher nur „geringfügige Auswirkungen“ zu erwarten. Auch das Verkehrsaufkommen erhöhe sich nicht.

Warten auf die Bezirksregierung

Der erste, 3,3 Kilometer lange Teilabschnitt von Vossenack bis Simonskall führe durch ein Landschaftsschutzgebiet, der zweite, 500 Meter lange Abschnitt im Kalltal durch ein Naturschutz- und ein FFH-Gebiet. Daher werde im Tal bewusst auf eine Verbreiterung verzichtet.

Nach rechtlicher Einschätzung der Kreisverwaltung war eine Umweltverträglichkeitsprüfung nicht notwendig, bilanziert Dezernent Hans Martin Steins. Von einer Verschwendung von Steuergeldern könne angesichts einer „notwendigen Maßnahme“ kaum die Rede sein. Das Land habe zugesagt, 60 Prozent der Kosten zu übernehmen. Die Variante ohne Verbreiterung hätte komplett aus dem Kreishaushalt bestritten werden müssen.

Tag für Tag wird das Zeitfenster für den Kreis enger, müssen doch Baumfällarbeiten bis Monatsende abgeschlossen sein. Die Bezirksregierung, die bereits mehrfach Unterlagen von der Kreisverwaltung angefordert hat, will zeitnah eine Entscheidung treffen.

Leserkommentare

Leserkommentare (3)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert