Zukunft der Kulturhalle: Die Zeit drängt bei Diskussion über neue Aula

Von: Sandra Kinkel
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Gehen in der Kulturhalle Langerwehe zum 31. Dezember die Lichter aus? Foto: Sandra Kinkel

Langerwehe. Für CDU-Ratsherr Timo Löfgen ist die Sache klar. „Ich kann hier und heute nicht dafür stimmen, die Kulturhalle zum 31. Dezember zu schließen. Ich brauche mehr Fakten.“

Löfgen stellt sich damit gegen die Mehrheit seiner Fraktion, die eigentlich bei der jüngsten Ratssitzung in Langerwehe folgende Beschlüsse fassen wollte: 1. Abriss der Kulturhalle, 2. Betriebsende zum 31. Dezember, 3. die Planung einer neuen Aula für die Europaschule in Auftrag geben und 4. die Verwaltung zu beauftragen, ein Nutzungskonzept für die neue Schulaula zu erarbeiten. So viel vorweg: Die Entscheidung ist so nicht getroffen worden.

Zur Vorgeschichte: Bereits im Februar 2016 hatte die Langerweher CDU-Fraktion nahezu alle gemeindlichen Einrichtungen auf den Prüfstand gestellt. Schon damals dachten die Christdemokraten laut über einen Abriss der Kulturhalle nach. Die Argumente waren damals nachvollziehbar – und sind es heute immer noch. Inklusive der Gemeinderatssitzungen finden pro Jahr etwa 70 Veranstaltungen in der Halle statt, Schützenbälle und Karnevalssitzungen, ab und zu ein Konzert.

Außerdem nutzt die Europaschule die Kulturhalle als Aula. Die Halle kostet mehr als 200.000 Euro pro Jahr, 145 000 Euro davon finanziert die Gemeinde über freiwillige Leistungen. Das ist unstrittig. Unstrittig ist auch, dass die Halle abgerissen werden soll und am Exmouthplatz eine neue Aula für die Europaschule entstehen soll.

Die Verantwortlichen von Rat und Verwaltung planen deswegen eine Aula und keine neue Kulturhalle, weil sie für den schulischen Raum Fördergelder aus dem Landesprogramm „Gute Schule 2020“ verwenden möchten. Und zwar die komplette Summe, also insgesamt 1,2 Millionen Euro, die die Gemeinde aus diesem Topf bekommt. Hinzu kommen noch 600.000 Euro aus der Investitionspauschale und 450.000 Euro aus der Schul- und Bildungspauschale. Macht insgesamt 2,3 Millionen Euro, die reichen müssen, um eine neue Aula für maximal 1,6 Millionen Euro und den Abriss der alten Kulturhalle, der mit rund 700.000 Euro veranschlagt wird, zu bezahlen.

Die Zeit drängt

Und genau hier kommen wieder Timo Löfgen und seine Bedenken ins Spiel. „Was die neue Aula angeht, kennen wir nur ihren Standort und haben eine sehr grobe finanzielle Planung. Das ist zu wenig, um jetzt schon die Schließung der Halle zu verabschieden.“ Darüber hinaus sei für ihn die Kostenschätzung „mehr als sportlich“. Löfgen: „Das neue Feuerwehrgerätehaus an der Schönthaler Straße hat damals 1,8 Millionen Euro gekostet. Lässt sich eine neue Schulaula inklusive Ausstattung wirklich für 1,6 Millionen Euro realisieren?“

Gleichwohl drängt die Zeit. Die Fördergelder aus „Gute Schule 2020“ müssen jährlich abgerufen werden, damit sie nicht verfallen. Eine Schließung der Halle zum 31. Dezember würde auch deswegen aus Sicht der Verwaltung Sinn machen, um Personalkosten und freiwillige Leistungen für die Kulturhalle schon 2018 einsparen zu können.

CDU-Fraktionschefin Astrid Natus-Can erinnert daran, dass es zum Abriss der Kulturhalle keine Alternative geben würde. „Es gibt ein Schadstoffgutachten. Eine Sanierung der Halle wäre ungleich teurer als ein Neubau.“ Einen Beschluss, die Halle zum 31. Dezember zu schließen, würde sie auch nur „mit großen Bauchschmerzen“ fassen. „Wir brauchen aber eine Lösung, und der Zentralort von Langerwehe braucht möglichst schnell einen größeren Veranstaltungsraum. Wir müssen heute entscheiden.“

Und trotzdem: Die Einwände von Natus-Cans Parteikollegen Löfgen haben die Ratsmitglieder offensichtlich unsicher gemacht. „Ich habe das Gefühl, dass uns wesentliche Fakten vorenthalten werden“, sagt Hans-Jürgen Knorr von Bündnis 90/Die Grünen. „Warum sind die Abrisskosten plötzlich viel höher, als ursprünglich angekündigt? Das sind mir zu viele Fragen.“

Es gibt eine fast 30-minütige Sitzungsunterbrechung, im Anschluss wird die Entscheidung in den nichtöffentlichen Teil vertagt. Dort fällt am Ende des Tages folgender Beschluss: Ein Planungsbüro soll konkrete Pläne für die neue Schulaula erarbeiten und ermitteln, was für 1,6 Millionen Euro wirklich realisiert werden kann (Größe, Ausstattung).

Die SPD-Fraktion wünscht sich beispielsweise eine schlüsselfertige Aula. Außerdem soll die Verwaltung ein konkretes Nutzungskonzept für die neue Halle erarbeiten, in dem auch festgelegt wird, wann die Vereine die Aula nutzen dürfen. Das alles soll möglichst schnell passieren, damit bestenfalls noch im November in einer Sondersitzung des Gemeinderates doch das Betriebsende der Kulturhalle zum 31. Dezember beschlossen werden kann.

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