Düren - Zug rauscht am Bahnhof vorbei

Zug rauscht am Bahnhof vorbei

Von: Anja Klingbeil
Letzte Aktualisierung:
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Der Ort des Geschehens: Am Bahnhof Langerwehe wurden die Pendler von einem Gleis auf das andere geschickt und wieder zurück. Foto: Hansen

Düren. An einen Streich mit der „Versteckten Kamera” dachten einige Pendler, die am frühen Dienstagmorgen gegen 6 Uhr auf den Regionalexpress der Linie 1 Richtung Köln warteten. Die Redaktion der „Nachrichten” erreichten Leserbriefe, die das Geschehen lebendig schilderten. Was war passiert?

Dass der RE 1 ein wenig Verspätung habe, sei schon fast normal. Doch am Dienstagmorgen kam der Zug sogar pünktlich. Die Wartenden freuten sich. Aber nicht allzu lange: „Mit allseits großem Erstaunen beobachteten wir, wie der RE über das Gleis 2 mit hoher Geschwindigkeit, ohne anzuhalten, vorbeirauschte und in einer aufgewirbelten Schneewolke verschwand”, schildert unser Leser Dominik Croé. „Ich glaubte sogar, einen Kollegen am Fenster winken zu sehen”, schreibt Arno Kaminski. Von ungläubig dreinschauenden Gesichtern gibt es leider keine fotografischen Dokumente.

Nach der ersten Verwunderung zückten einige der Frierenden ihr Handy und versuchten herauszufinden, was da gerade passiert war. Das Einzige, was die Menschen zu dieser Zeit sicher wussten, war, dass die Fahrgastinformationszentrale defekt sei - zumindest wurde dies beharrlich durchgesagt. Eine Stimme aus dem Irgendwo erklärte den Verdutzten, dass der Bahnhof Langerwehe wegen einer Weichenstörung nicht angefahren werden könne. Die Fahrgäste mögen die S-Bahn Richtung Köln nehmen. Prima, Langerwehe bekommt einen S-Bahn-Anschluss, wo bisher höchstens die Euregiobahn Richtung Düren eine Alternative gewesen wäre.

Die sympathische Stimme verkündete weiterhin, man solle zum Gleis 4 gehen. „Was jetzt für ein Getrampel auf dem Bahnsteig herrschte, stellt jeden Hamsterkauf-Panik-Einkaufstag in den Schatten”, schreibt Arno Kaminski. Der Zug war immer noch nicht in Sicht, dafür eine erneute Durchsage zu hören: Die Weichenstörung sei behoben, der RE fährt wie geplant auf Gleis 1 ein. Und so setzte eine erneute Völkerwanderung ein. Aber Bewegung wärmt bekanntlich den frierenden Körper. Lange hat die Bahn dann nicht mehr auf sich warten lassen. „Sie glauben ja nicht, wie wir uns vor Freude in den winterlich gekühlten Armen gelegen haben”, beschreibt Kaminski.

Für die unglückliche Informationspolitik entschuldigte sich ein Sprecher der Bahn AG am Mittwoch auf Nachfrage. Alles andere sei quasi höhere Gewalt: „Das sind leider Vorkommnisse, die der Witterung geschuldet sind. Die Züge sehen aus, als kämen sie aus der Antarktis.” Ab und an lösen sich dicke Eisklumpen vom Zug und fallen auf die Schienen. Dann seien diese nicht mehr befahrbar. Da helfe auch die Weichenheizung nur bedingt weiter. Dass die Fahrgastinformationszentrale defekt ist, aber trotzdem Durchsagen macht, sei schnell zu erklären: „Wenn die Automatik kaputt ist, können individuelle Ansagen manuell gemacht werden.”

Bleibt also nur den Pendlern für die nächsten Tage eine ereignislose Fahrt zu wünschen. Aufregung hatten sie jetzt genug.
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