Whatsapp Freisteller

„Zug der Erinnerung” beeindruckt und erschüttert

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
zug_bu02
Viele Menschen kamen gestern zum „Zug der Erinnerung” auf Gleis vier des Dürener Bahnhofes und nahmen Anteil am Schicksal deportierter Kinder und Jugendlicher. Foto: Sandra Kinkel

Düren. „Krass”, sagt Max Croé (16) und schluckt. „Das ist wirklich krass.” Der Schüler der Anne-Frank-Gesamtschule in Mariaweiler war am Freitag mit seiner Klasse beim „Zug der Erinnerung” der noch bis Samstagabend, 20 Uhr, auf Gleis vier des Dürener Bahnhofes Station macht. „Ich bin sehr beeindruckt”, sagt Max. „Aber auch erschüttert.”

Anhand von vielen Schautafeln, Fotos und Filmen wird im „Zug der Erinnerung” an das Schicksal von deportierten Kindern und Jugendlichen während des Zweiten Weltkrieges erinnert. Und obwohl Freitagmorgen besonders viele Jugendliche die Ausstellung besuchten, war es in dem Zug total still. „Es ist einfach schrecklich”, so Stephan Beuth, „wenn man sieht, dass ein siebenjähriges Kind von den Nazis ermordet worden ist. Das geht wirklich ziemlich unter die Haut.”

Offiziell eröffnet war der Halt des Zuges der Erinnerung mit einer kleinen Feierstunde im Rurtalgymnasium, wo eine Gedenktafel an 15 jüdische Schülerinnen erinnert. „Es war ein ungeheurer Kraftakt”, so Landrat Wolfgang Spelthahn, „diesen Zug nach Düren zu holen. Es sei wichtig, so Spelthahn, sich dafür einzusetzen, dass in Deutschland die Nazis nie mehr die Vorherrschaft bekämen. „Dafür müssen wir jeden Tag kämpfen, denn jeden Tag steht unsere Demokratie auf dem Spiel” Und Bürgermeister Paul Larue ergänzte: „Diese Vergangenheit lässt uns nicht los. Wir müssen uns ihr stellen.” Man könne, so Larue, niemandem sein Leben zurückgeben. „Aber wir müssen aus unserer Geschichte lernen.”

Auch in Düren hat die Deutsche Bahn AG den Strom für den Zug der Erinnerung verweigert. Sowieso müssen für den Zug pro gefahrenen Kilometer drei Euro und pro Stunde am Bahnhof 45 Euro gezahlt werden.

Peter Schongen vom Büro der Regionaldekane, der maßgeblich daran beteiligt war, dass der „Zug der Erinnerung” auch in Düren Station gemacht hat: „Nur der schnellen Hilfe des Technischen Hilfswerks ist es zu verdanken, dass wir doch noch Strom haben.”

Beschämend und skandalös

Bundestagsabgeordneter Oliver Krischer (Bündnis 90/Die Grünen) hat deswegen gleich eine Anfrage an die Bundesregierung gestellt. Oliver Krischer: „Ich empfinde dieses Verhalten der Bahn als beschämend und skandalös.” Er wolle wissen, so Krischer, was die Bundesregierung als hundertprozentiger Eignerin der Deutschen Bahn veranlassen würde, damit der Zug der Erinnerung in Zukunft in allen Bahnhöfen, in denen er Station macht, der notwendige Stromanschluss zur Verfügung gestellt wird.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert