Düren - Zeit des Schweigens ist vorbei

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Zeit des Schweigens ist vorbei

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Berichtete vor über 100 Schülerinnen und Schülern von die Zeit des Nationalsozialismus: Heiner Lichtenstein.

Düren. Wenn Heiner Lichtenstein heute über den Prozess gegen den Mediziner Kremer berichtet, der in Auschwitz zu prüfen versucht hatte, was der Mensch wohl an medizinischen Versuchen ohne Anästhesie auszuhalten imstande ist, spürt man noch immer den Schock, den die Verhandlung dem Jounalisten versetzte.

„Der Zuhörerraum war gähnend leer und die Medien haben den Prozess totgeschwiegen. In den 60er Jahren herrschte eisiges Schweigen über die Zeit des Nationalsozialismus.”

Die schecklichen zwölf Jahre der NS-Herrschaft einfach als Vergangenheit abhaken? „Mir war klar, dass es das nicht gewesen sein kann”, sagt der 78-Jährige, für den die Berichterstattung über die Jahre des Nationalsozialismus und die anschließenden NS-Prozesse nach diesem Schlüsselerlebnis zur Lebensaufgabe wurden.

Der langjährige politische Redateur des WDR, der für sein Engagement mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht worden ist, war jetzt zu Besuch an der Heinrich-Böll-Gesamtschule, um mit Zehnt- und Elftklässlern sowie den Abiturjahgängen über die grausame Vergangenheit zu diskutieren.

Vor allem diskutieren wollte Lichtenstein mit den Jugendlichen, denn, so der 78-Jährige, es sei schließlich besser miteinander Gedanken auszutauschen, als bloß Fragen zu beantworten.

Fragen hatten die Schülerinnen und Schüler viele, das Interesse an dem Vortrag war groß. Weit über 100 junge Leute lauschten den Ausführungen Lichtensteins in der Aula der Schule.

Detailliert und lebhaft berichtete der Journalist von NS-Prozessen im In- und Ausland, von der Befreiung der Konzentrationslager und von seiner Jugend während der Terrorherrschaft. „Ich fand das grausam, was Menschen mit anderen Menschen machen”, sagt er und beteuert, dass er, obwohl er damals noch sehr jung gewesen sei, schon immer auf der Seite der Opfer gestanden habe.

Gleichwohl könne er verstehen, dass sich damals viele junge Leute für den Nationalsozialismus begeistert hätten. Schließlich hätten die Nazis den Jugendlichen viel geboten, etwa Ferien auf der Ostseeinsel Rügen.

Teil der Geschichte

Lichtenstein malte mit seinen Worten eindringliche Bilder („Das ist ein ganz entsetzlicher Gestank, wenn Menschen verbrannt werden.”) und appellierte an seine jungen Zuhörer, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen: „Ihr seid zwar ein Teil der jungen Generation, der Nationalsozialismus ist aber, so kurz wie er auch war, ein wichtiger Teil der Geschichte dieses Landes. Deshalb solltet ihr euch dafür interessieren.”

Seine Worte fielen nicht auf taube Ohren, die Schülerinnen und Schüler folgten seinem Vortrag gespannt. Zum Schluß bedankten sie sich bei Heiner Lichtenstein mit tosendem Applaus und einem Blumenstrauß.
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