Nideggen/Düren - Wohnungssuche für einen Flüchtling: Dauerproblem bezahlbare Unterkunft

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Wohnungssuche für einen Flüchtling: Dauerproblem bezahlbare Unterkunft

Von: wey/bugi
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Ursula Drab ist auf der Suche nach einer Wohnung für Joy Nwosu erst durch eine Kleinanzeige fündig geworden. Hilfe, dass Joy Nwosu nicht in die Obdachlosigkeit abstürzt, hatte sie sich eigentlich von den Behörden erhofft. Foto: Weyermann

Nideggen/Düren. Die 34-jährige Joy Nwosu sucht händeringend eine Wohnung. Nachdem ihr ein Zimmer zur Untermiete gekündigt wird, findet sie zunächst Unterkunft bei Ursula Drab in Nideggen, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagiert. Das dies keine Dauerlösung sein kann, ist von Anfang an klar. Und so macht sich die Frau aus Nigeria – unterstützt von Ursula Drab – auf die Suche nach einer günstigen Wohnung.

Eine Leidensgeschichte, die so oder so ähnlich jeden treffen kann. „In Nideggen gibt es keine entsprechenden Wohnungen“, bestätigt Maria Scheeren von der Stadtverwaltung auf Nachfrage. Die Stadt sucht via Homepage nach Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge. Eine Unterkunft gebe es in der Stadt nur für alleinstehende Männer und für Familien.

„Natürlich müssen wir Frau Nwosu eine Unterkunft zur Verfügung stellen, wenn sie wohnungslos ist. Sie wird dann als anerkannter Flüchtling genau so behandelt, wie jeder andere Obdachlose auch“, sagt Scheeren weiter. Aber da es keine Frauenunterkunft gibt, müsste dann eine Familie ein Zimmer ihres ohnehin beengten Wohnraumes abgeben.

Regelsätze und Spielräume

Bei der Job-com des Kreises ist Joy Nwosu als wohnungssuchend gemeldet. Bezahlbarer Wohnraum sei knapp, wird auch dort bestätigt. Über den Regelsatz hinaus habe der entsprechende Sachbearbeiter aber einen Ermessensspielraum. Auf der Homepage des Kreises kann man sich unter dem Suchbegriff KdU (Kosten der Unterkunft) ein Formular ausdrucken und sich von einem potenziellen Vermieter ein Angebot machen lassen.

Das haben Nwosu und Drab getan. Angeboten worden ist eine relativ günstige Wohnung am Miesheimer Weg in Düren. „Die ist aber abgelehnt worden“, erklärt Drab. Der Ermessensspielraum sei wohl sehr eng gefasst. Ist denn in der Rur-Stadt wirklich nichts Bezahlbares zu finden?

„In Düren fehlen etliche 100 Wohnungen“, sagt York Sommereisen. Als Geschäftsführer der Obdachloseneinrichtung „In Via Düren-Jülich“ ist er ständig mit diesem Manko befasst: „In den 1970er Jahren war der soziale Wohnungsbau ein großes Thema. Aber als es den Kommunen schlecht ging, fingen sie an, ihre Objekte zu veräußern.“ Übrigens nicht nur in Düren, und nicht erst seit gestern.

Sommereisen wünscht sich, dass die Stadt wieder bezahlbaren Wohnraum schafft: „Doch selbst wenn sie heute den Spaten in die Hand nimmt, sind die Wohnungen frühestens in zwei Jahren bezugsfertig.“ Und wenn ein Investor städtische Grundstücke kauft und darauf baut, will er in der Regel maximalen Gewinn machen und entsprechend teuer vermieten. Wenn die Stadt selbst bauen würde, gibt es noch ganz andere Bedenken: „Die Stadt hat ein eingeschränktes Interesse daran, für arme Menschen zu bauen.“

Dadurch würden Menschen mit geringem Einkommen, oder solche, die sich im Leistungsbezug befinden, aus benachbarten Kommunen angezogen, und das schade dann dem Image. „Da müssen sich die Kommunen zusammensetzen und gemeinsam planen“, so der Experte. „Am besten ein gemischtes Baugebiet mit kleineren und größeren Wohnungen.“

Und bis dahin können städtische Wohnungsbaugesellschaften helfen? „Bei meiner Klientel eher nicht“, weiß York Sommereisen. „Spätestens wenn es um eine Schufa-Auskunft geht, sind die raus.“

Nwosu, die einen Integrationskurs der Low-tec besucht und anschließend eine Ausbildung zur Altenpflegerin machen möchte, sucht weiter, wie gehabt mit Unterstützung von Ursula Drab. Keine Wohnungen, die Schufa, die Hautfarbe. „Wir sind schon mehrfach mit Rassismus konfrontiert worden“, zählt Drab als weiteres Problem auf. Sie spricht erneut mit der Job-com und mit der Stadt Düren, auch beim Bauverein wird sie vorstellig. Das Ergebnis bleibt gleich. Hilfe, um zu vermeiden, dass jemand unverschuldet in die Obdachlosigkeit abrutscht, bekommt sie von den Behörden entgegen ihrer Erwartungen nicht.

Joy Nwosu und Ursula Drab kommt eher das Glück zu Hilfe: Am Wochenende entdeckt Drab eine Kleinanzeige, ruft umgehend den Vermieter in Düren an, organisiert eine Wohnungsbesichtigung – und erhält zwei Tage später den Zuschlag. „Die kleine Wohnung kostet mehr als die Job-com normalerweise bezahlen würde, aber sie haben dort wohl eingesehen, dass der Wohnungsmarkt in Düren es nicht hergibt, noch billigere Wohnungen zu finden“, sagt Drab, die den Druck auf die Behörden permanent aufrecht erhalten hat.

Sie, die eigentlich nur einem anderen Menschen helfen wollte, zieht ein bitteres Resümee: „Das ist ein ständiger Kampf. Und von den Behörden kann man dabei kaum Hilfe erwarten. Man macht viele frustrierende Erfahrungen, was die Hilfsbereitschaft in unserer Gesellschaft betrifft.“

 

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