Eschweiler über Feld - Wohlgenährt vom Feld in den Backofen

Wohlgenährt vom Feld in den Backofen

Von: Sandra Kinkel
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Junior-Chefin Marie-Christin P
Junior-Chefin Marie-Christin Püllen inmitten der munteren, schnatternden Gänseschar. Bis WEihnachten werden die Tiere noch liebevoll gepäppelt. Foto: Sandra Kinkel

Eschweiler über Feld. Das Telefon auf dem Hermannshof in Eschweiler über Feld steht dieser Tage nicht still. „Es rufen sehr viele Leute an, die speziell für den Martinstag eine Gans haben wollen”, sagt Junior-Chefin Marie-Christin Püllen. „Seit einigen Jahren hat sich diese Tradition wirklich wieder neu entwickelt.”

Deswegen herrscht bei den Püllens ab November auch „Gänse-Hochbetrieb”. Rund 50 Gänse sind rechtzeitig zum Martinstag schon geschlachtet worden, 180 weitere werden bis Weihnachten folgen. „Wir vermarkten die Gänse nur über unseren Hofladen”, sagt Marie-Christin Püllen. „Aber es kommen auch Kunden aus Köln, Aachen und sogar Eupen.” Im Kreis Düren sind die Püllens die einzigen Landwirte, die Gänse im Angebot haben.

Das Geschäft mit den Gänsen ist ein echtes Saison-Geschäft für rund ein halbes Jahr. Die Vögel kommen nach Eschweiler über Feld, wenn sie einen Tag alt sind und werden dann hier aufgepäppelt. „Wenn die Küken im Mai aus der Nähe von Castrop-Rauxel zu uns kommen, sind sie eine Handvoll groß,” erklärt die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin. Das Gewicht der Flattermänner ändert sich aber schnell. Dank jeder Menge Weizen, Mastfutter und Hostienresten aus einem Kölner Kloster nehmen die Gänse in ihrem sechsmonatigen Leben locker vier bis fünf Kilogramm zu - und werden dann geschlachtet. Und zwar auch auf dem Hermannshof in Eschweiler über Feld. Püllen: „Die Tiere können bis kurz vor ihrem Tod in ihrer gewohnten Umgebung bleiben. Das Schlachten geht bei uns wirklich so stressfrei wie möglich.”

Marie-Christin Püllen sagt, dass Gänse ganz brave Geschöpfe sind und vor allen Dingen auch gute Wachtiere. „Den Gänsen entgeht nichts, und die fangen sofort an zu schnattern, wenn einer kommt.” Bei den Püllens sind die Tiere tagsüber immer draußen, nur nachts muss das schneeweiße Federvieh in den Stall. „Das hat zwei Gründe”, sagt Marie-Christin Püllen. „Zum einen können Gänse wirklich ganz schön laut sein. Und zum anderen würde auch nachts der Fuchs kommen, um die ein oder andere Gans zu fressen.”

Übrigens mag Marie-Christine Püllen auch gerne Gänsebraten - am liebsten ganz klassisch mit einer Äpfelfüllung.

Am Martinstag kommt aber bei den Püllens in diesem Jahr keine Gans auf den Mittagstisch. Morgen wird in Eschweiler über Feld nämlich die jüngste Bewohnerin getauft. Franziska ist die Tochter von Wilhelm und Marie-Christin Püllen, knapp elf Monate alt und noch kein Fan von knuspriger Gans.

Kilopreis etwas teurerals im letzten Jahr

Auch ungeübte Köche, so Marie-Christin Püllen, könnten bei einem Gänsebraten wenig falsch machen. Pro Kilogramm Fleisch muss der Vogel bei 180 Grad rund eine Stunde in den Ofen. Das Kilogramm Gänsefleisch kostet in diesem Jahr knapp elf Euro. Damit ist es wegen der gestiegenen Futterpreise etwas teurer als 2011.

Woher kommt der Brauch mit den Martinsgänsen?

Pfarrer Bernhard Gombert hat die Legende des Heiligen Martin von Tours und den Gänsen erzählt.

„Entgegen seinem eigenen Willen und trotz Vorbehalts des Klerus drängte das Volk von Tours darauf, Martin zum Bischof zu weihen. Asketisch und bescheiden, wie er sein Leben führte, hielt er sich unwürdig für solch eine große Verantwortung, und deshalb soll er sich in einem Gänsestall versteckt haben”, so der Dürener Seelsorger.

Die Gänse jedoch hätten so aufgeregt geschnattert, dass Martin gefunden wurde und geweiht werden konnte.

Ein anderer Brauch zum Martinstag sind die Martinsumzüge. Auch im Dürener Land sind viele Kinder mit ihren Laternen unterwegs.

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