Düren - Winter fordert seinen Tribut

Winter fordert seinen Tribut

Von: Margret Vallot
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Auch am Donnerstag stapften Menschen durch den hohen Schnee. Bei Stürzen haben sich in den letzten Tagen auffallend viele das Handgelenk gebrochen. Andere mussten mit Lungenentzündung in ein Krankenhaus. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Der Wintereinbruch mit extremen Temperaturen beschert mindestens drei Berufsgruppen jede Menge zusätzlicher Arbeit. Der Winterdienst der Stadt Düren ist seit Tagen fast rund um die Uhr im Einsatz.

Gut 200 Tonnen Salz haben die Mitarbeiter des Dürener Service Betriebs (DSB) seit Ende Oktober auf Straßen, Treppen, Bürgersteige und Steilstücke geworfen. Dazu noch 25.000 Liter Feuchtsalz. Das ist eine Salzlauge, die einen höheren Gefrierpunkt hat (minus 25 Grad), der Gefrierpunkt von Salz liegt bei minus 10 Grad, das reichte in den letzten Tagen oft nicht.

Rainer Leonards beim DSB erinnert sich an einen Winter, als in ganz Deutschland kein Streusalz mehr zu bekommen war. Vom Salznotstand ist Düren aber noch weit entfernt: Drei Silos á 150 Tonnen „haben wir immer in Reserve”, so Leonards. Da werde kontinuierlich nachgekauft, je nachdem welche Mengen rausgehen.

„Die extreme Streuwut” aller Zeitgenossen beklagt unterdessen Jürgen Plinz vom Tierschutzverein. Hunde, die über Bürgersteige laufen, hätten jetzt Probleme, „das tut denen höllisch weh”. Und wer mit dem Hund in Feld und Wald spazieren geht, möge zuvor die Fußballen des Vierbeiner mit Vaseline oder Hirschtalg einreiben, um spröde, rissige und schmerzende Ballen zu vermeiden. Katzen haben es leichter. Auf Friedhöfen, in Parkanlagen und großen Gärten in Düren gibt es hunderte freilebende Katzen. Die sollten jetzt gefüttert werden, das Feuchtfutter sollte nach zwei Stunden weggenommen werden.

Beim DSB würde man gern auf das Streuen verzichten - allein schon wegen der Kosten. „In unseren Gefilden ist das völlig unmöglich”, weiß Leonards. Der Verkehr würde zusammenbrechen, außerdem sei die freie Fahrt zu den Krankenhäusern unverzichtbar. Auch die Feuerwehr müsse überall hinkommen. Und beim Split sei einfach später die Entsorgung zu teuer.

In zwei Dürener Krankenhäusern herrscht Hochbetrieb: Handgelenks-Brüche und Lungenentzündungen müssen am laufenden Band behandelt werden. „Die Leute fallen, stützen sich mit einer Hand ab und brechen sich das Handgelenk”, sagt der kaufmännische Direktor vom Augustinus-Krankenhaus, Renardo Schiffer. Er weiß von fünf Operationen pro Tag, „alle Glatteis-bedingt”.

Handgelenks-Brüche, zertrümmerte Oberarme, gebrochene und verrenkte Sprunggelenke, außerdem zunehmend: Lungenentzündungen. Günter Schmalen, Direktor vom St. Marien Hospital, spricht für sein Haus von 25 Prozent mehr Brüchen und 30 bis 40 Prozent mehr Lungenerkrankungen als normal. Nur im Krankenhaus Düren werden vermehrt Menschen mit Herzerkrankungen eingeliefert, teilte Dr. Gereon Blum mit.

„Im Dauereinsatz” sind landauf, landab auch die Heizungs- und Sanitärfachleute. Ob bei Adler in Kreuzau oder Alfred Hotfilter in Niederzier, bei Winfried Hahn oder bei Heizung-Sanitär-Cremer in Düren - überall hieß es am Donnerstag, man sei im Ausnahmezustand. Um Heizungsausfälle und zugefrorener Leitungen kümmern sich die Fachleute.

Rohrbrüche? „Ja, aber die kommen später, wenn es taut”, sagt Helmuth Braun im Büro der Firma Adler.
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