Wie lernen Grundschüler Lesen und Schreiben?

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
Rechtschreibung
Eltern denken oft, dass Kinder sich die falsche Schreibweise einprägen. Dem ist aber nicht so. Foto: dpa

Düren. „Das ist die einzige Methode auf dem Markt, das die Individualität jedes einzelnen Kindes fördert. Und deswegen wenden wir sie zumindest in Teilen auch an.“ Trudy Franz ist Schulleiterin der Katholischen Grundschule Düren-Lendersdorf/Niederau. Und hier lernen die Kinder „Lesen durch Schreiben“. Es seit im nächsten Schuljahr zunächst in der Tat so, erklärt Trudy Franz, dass die Kinder nach dieser Methode die Worte zunächst so schreiben sollen, wie sie sie hören.

„Trotzdem lernen die Kinder aber natürlich mit der Zeit auch Rechtschreibregeln. Bei uns an der Schule gibt es zum Beispiel einen ‚Buchstaben der Woche‘, mit dem die Jungen und Mädchen sich intensiver auseinandersetzen.“ Trudy Franz kennt die Sorgen der Eltern, was diese Lernmethode angeht.

„Die Eltern denken, dass die Kinder sich die falsche Schreibweise einprägen. Dem ist aber nicht so. Im Laufe der Zeit können die Kinder die Worte besser in verschiedene Worte gliedern, können sich die Worte besser erarbeiten. Und schreiben sie dann auch immer besser.“ Manche Schüler könnten das schneller, andere langsamer. Franz: „Jeder kann nach seinem Tempo arbeiten.“

Auch an der Paul-Gerhardt-Schule im Dürener Osten wird die Methode „Lesen durch Schreiben“ angewandt, allerdings nur in Teilen. „Eigentlich“, so Schulleiter Karl-Heinz Jansen, „dürften Kinder nach dieser Methode nicht korrigiert werden. Im Gegenteil, jedes Kind soll gelobt werden, auch wenn es ein Wort falsch geschrieben hat.“ So, erklärt Jansen weiter, steige bei Kindern die Motivation, schon sehr früh eigene Texte zu verfassen. „Es gefällt den Kindern, wenn sie sich schriftlich ausdrücken können. Und das ist ja auch schön. An unserer Schule loben wir die Kinder auch, wenn sie einen kleinen, eigenen Text geschrieben haben, aber wir korrigieren sie auch, wenn Worte falsch geschrieben sind. Ansonsten ist es später schwierig, die falsche Schreibweise wieder aus dem Gedächtnis der Kinder rauszubekommen.“

Ähnlich sieht das auch Eva-Maria Rinkens-Seebald, Leiterin der Grundschule in Merken. „Das Konzept ‚Lesen durch schreiben‘ ist nicht verkehrt, weil es wirklich bei den Kindern die Freude am Verfassen eigener Texte weckt.“ Ein Erstklässler, so Rinkens-Seebald weiter, würde „Äzba“ schreiben, wenn er Eisbär meint. „Ich kann ja verstehen, was das Kind mir sagen will“, so die Grundschullehrerin. „Aber wenn ich die Fehler direkt rot anstreiche, verliert das Kind total die Lust, Texte zu schreiben. Und das wollen wir vermeiden.“ Und trotzdem legt aber auch Eva-Maria Rinkens-Seebald wert auf die richtige Schreibweise. „Wörter, die die Kinder schon kennen und geübt haben, sollten richtig sein. Das gleiche gilt auch für alles, was abgeschrieben wird.“

Heinz Moll, Deutschlehrer und Schulleiter der Europaschule Langerwehe, hat beobachtet, dass es schon ein Problem sei, in Klasse fünf alle Schüler auf den gleichen Stand zu bringen, was die Rechtschreibung angeht. „Und das gelingt den Fachlehrern auch nicht in drei Wochen.“ Auch für die Schüler sei es schwer, dass plötzlich so viel wert auf eine korrekte Schreibweise gelegt würde. „Das kommt für die Kinder, die sich an die neue Schule, neue Lehrer und neue Fächer gewöhnen müssen, noch obendrauf.“

Auch Wolfgang Habrich, Leiter des Gymnasiums der St.-Angela-Schule, hat beobachtet, dass die Fünftklässler manchmal damit zu kämpfen hätten, wenn auf einmal Wer auf richtiges Schreiben gelegt würde. „Und auch die Begeisterung unserer Deutschlehrer über diese Methode hält sich sehr in Grenzen.“

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