Wertvolle Kunst unter die Lupe genommen

Von: Margret Vallot
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Bundesweit tauchen immer mehr zweifelhafte Bilder auf. „Bei uns in Düren nicht”, sagt Museumschefin Dr. Goldmann. Foto: Margret Vallot

Düren. Dr. Renate Goldmann sitzt vor einem Berg von Zeitungsartikeln und studiert die neuesten Berichte über den aktuellen Kunstfälscher-Skandal. „Die gefälschten Bilder der Sammlung Jägers beschäftigen die Kunstszene” steht da in dicken Lettern geschrieben.

Die Enthüllungen geben der Dürener Museumschefin und ihrem Team „neue Motivation, immer kritisch auf die eigene Sammlung zu schauen”, sagt sie.

Die Sammlungen des Leopold-Hoesch-Museums kritisch zu betrachten, das ist zufällig genau das, womit sich Goldmann und etwa 20 Mitarbeiter in den letzten drei Monaten befasst haben. Zehntausende Werke waren wegen des Umbaus ausgelagert, sie wurden aus den Depots zurückgeholt, ausgepackt, genau auf ihren Zustand hin begutachtet, zum Teil neu gerahmt, fotografiert, dokumentiert und in eine Computer-Datenbank eingegeben. Zudem erhielt jedes Werk ein neues Hängesystem, was das Ausstellen und Ausleihen sehr vereinfacht. Eine Herkulesaufgabe, „die aber nur die Basis schafft für ein Ziel, nämlich den Bestandskatalog”.

Was jetzt erforderlich sei, sei die wissenschaftliche Aufarbeitung. Das bedeutet: Es muss geklärt werden, woher jedes einzelne Bild stammt, wie es ins Museum gekommen ist, wo es schon ausgestellt wurde, welcher Stellenwert ihm innerhalb des Gesamtwerkes eines Künstlers zukommt und vieles mehr.

Das zuständige NRW-Ministerium und die Bezirksregierung „sind von dem Projekt begeistert”, erzählt die Museumschefin, die zwar schon ein Jahr in Amt und Würden ist, aber immer noch so viel Enthusiasmus ausstrahlt, wie am ersten Tag. Derzeit müssen zusätzliche Mittel beantragt werden, „die Anträge müssen Ende Januar rausgehen”.

Dr. Goldmann steckt bis zur Halskrause in Arbeit. Sie betont immer wieder, dass es „Kernaufgabe der Museumsleute” sei, die Wertgegenstände einer Stadt so zu behandeln, dass sie in gutem Zustand betrachtet und an die nächste Generation weitergegeben werden können. Die Kunstwerke seien „Werte, die den Bürgern dieser Stadt gehören”.

Gefälscht wurden im großen Stil, und das hat man erst jüngst entdeckt, Werke der Klassischen Moderne (Anfang des voriges Jahrhunderts). Da lohne sich das Fälschen, „es ist ein hochpreisiges Segment”, weiß die Expertin. Der Schwerpunkt der Sammlungen des Dürener Museums liegt aber gerade bei der Klassischen Moderne.

Gleichwohl geht Dr. Goldmann „definitiv” davon aus, dass in Düren kein unechtes Werk im Archiv zu finden ist.

„Wir müssen uns keine Sorgen machen”, sagt sie und kann ihre Zuversicht begründen. Zunächst habe man von den Vertretern der Klassischen Moderne jeweils nur ein Meisterwerk, das die Sammler erwarben, als die Künstler noch lebten. Zweitens habe man sich schon wegen der Inventarisierung die Arbeiten dermaßen genau angeschaut, „das wäre aufgefallen”.

„Ausgewählte Werke der Hoesch-Collection” hat der derzeit ausstellende Künstler Claus Richter bereits in seine aktuelle Schau einbezogen. Sehenswert. Da prallen uralte Werke auf modernste Kunst (noch bis 6. März). Weitere Teile der Sammlungen werden demnächst gezeigt, Werke, von deren Zugehörigkeit zum Dürener Museum Dr. Goldmann überrascht wurde. Die 2011 zu zeigen, „da freue ich mich drauf”.
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