Düren - Werk von Künstler Ira Marom: Eigene Verletzbarkeit und Eitelkeit erkennen

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Werk von Künstler Ira Marom: Eigene Verletzbarkeit und Eitelkeit erkennen

Von: Laura Huppertz
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Alle Teilnehmer helfen beim sogenannten „Löschen“ der Bilder. Der Sand, aus dem die Porträts bestanden, wird gesammelt. Foto: Huppertz
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Künstler Ira Marom übergibt den Sand an die Rur. Foto: Huppertz

Düren. Eitelkeit und Verletzbarkeit sind zwei grundsätzliche Eigenschaften, die dem Menschen innewohnen. Im Zuge des Tourneeprojekts „Partnerschaft im Sand“, das 2018 in mehreren Städten in NRW durchgeführt wird, hat sich der Künstler Ira Marom mit diesen Merkmalen beschäftigt. Hierbei zelebrierte er die Entstehung von Porträts und ihre Auslöschung.

Zu Beginn der Weihnachtszeit wurden auf gepresstem Kalksand Porträts angefertigt. Dieses Unterfangen stellte sich als durchaus schwierig heraus, da Kalksand ein hochempfindliches Material ist, welches keine Fehler verzeiht. Sollte einer der Freiwilligen, der sein eigenes Bild gerne auf den Sand auftragen wollte einmal unachtsam sein, so waren die Farbpigmente nicht mehr zu entfernen. Die Arbeit mit Kalksand forderte deshalb von allen Beteiligten ein Höchstmaß an Konzentration.

Energien umwandeln

Durch diesen Schaffensprozess stecken laut dem Künstler viele Energien in den Bildern. Diese Energien gelte er, erklärte Ira Marom, in der Auflösungszeremonie umzuwandeln und dem Wasser der Rur zu übergeben, damit sie in neuen Bildern wieder auftauchen könnten und anderen Menschen Energie schenkten. Sie würden sich mit unterschiedlichen Menschen mischen und so Solidarität hervorbringen. Die Auslöschung der Bilder sieht Ira Marom als eine Metapher für die Verletzlichkeit der menschlichen Seele und des Körpers. In dem Moment, in dem die Teilnehmer der Zeremonie die Bilder löschen, würden sie der eigenen Verletzbarkeit gewahr.

„Verletzbarkeit ist in uns allen. Die einzige Gewissheit bei der Geburt ist der Tod“, erklärte Ira Marom, während nach und nach immer mehr Bilder gelöscht wurden. Hierbei legte der Künstler viel Wert darauf, dass dies künstlerisch und bedächtig geschah. Mit einem Pinsel sollte aus einem Porträt abstrakte Kunst entstehen. Eine Besinnung auf die eigenen Gefühle sollte dem Akt die vom Künstler gewünschte Erhabenheit und Würde verleihen. Nach dem Verstreichen des Sandes wurde dieser in einer Karaffe gesammelt, um später der Rur übergeben zu werden.

Prof. Dr. Frank Günter Zehnder, Direktor der Kunstakademie Heimbach, erklärte, warum gerade das Porträt im Mittelpunkt dieses Projektes steht: „Fotos sind ein Bedürfnis des Menschen. Er will etwas darstellen, das dauerhaft bleibt. Deshalb hängen auch Museen voll mit Bildern“. Doch besonders das Eigenbild fasziniert den Menschen. Es transportiert die Ich-Bezogenheit und spiegelt die äußere Eitelkeit. In Verbindung mit der Auslöschung kann der Mensch den Rückschluss auf sich selbst herstellen und über seine eigene Vergänglichkeit nachdenken.

Ira Marom griff die Vergänglichkeit noch auf einer anderen Ebene auf: der Musik. Hierzu hatte er Helene Theresia Binder, Diplom-Sozialarbeiterin, eingeladen, die Zeremonie mit ihrer Klangkunst zu begleiten. „Nichts ist vergänglicher als Klang. Es reicht, wenn wir ihn erlebt haben und er in uns ist. Wir müssen ihn nicht festhalten“, erzählte er den Teilnehmern. Theresia Binder hatte unterschiedliche Instrumente mitgebracht, auf denen sie dem Publikum vorspielte. Wichtig war ihr hierbei, dass es Klänge aus aller Welt waren, um die Internationalität, das Vermischen einzelner Teile und die daraus entstehende Solidarität zu betonen.

Anlässlich der Performance von Ira Marom wurden auch die Instrumente zum Sinnbild. Besonders das Didgeridoo und das Tibetan Batjan stehen für Vergänglichkeit und werden unter anderem bei Trauerfeiern gespielt. Helene Theresia Binder, die ausschließlich bei sozialen Projekten spielt, möchte auf diese Weise alte und kulturelle Schätze und Güter weitergeben, sie den Menschen näherbringen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten.

Auch bei der Übergabe des Sandes an das Wasser ließ sie die mysteriösen und tiefen Klänge des Didgeridoos erklingen. Ira Marom wollte, dass jeder Gast zum Schluss dem Sand ein Gefühl oder einen Wunsch mitgibt. Mit den Worten: „Wir sind aus Erde und wir gehen in Erde“ beendete er die Zeremonie.

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