Düren - Wenn plötzlich der Bürgermeister klingelt

Wenn plötzlich der Bürgermeister klingelt

Von: Ingo Latotzki
Letzte Aktualisierung:
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Politiker-Besuch: Evelyne Machon, Hardy Helbig und Paul Larue auf Hausbesuch in Birgel. Foto: Ingo Latotzki

Düren. Neulich in Mariaweiler. Da wird Bürgermeister Paul Larue gefragt, warum er sich das alles antut. Ob ihn mittlerweile nicht jeder kennen würde in Düren. Na ja, sagt der Bürgermeister, selbst wenn es so wäre, würde er Hausbesuche machen. „Das gehört für mich dazu, der unmittelbare Kontakt mit den Menschen.”

Dieser Tage in Birgel. Da ist er wieder unterwegs, zum achten Mal, seit Wahlkampf ist. Ein Einfamilienhaus, die Rolladen sind runter, Paul Larue klingelt trotzdem. Es ist das Haus des Pastors. Dr. Jakob Josten-Kochuburakal steht in der Tür und erzählt, dass er bald nach Indien reisen wird. Da kommt er her. Gewählt, sagt der Geistliche, gewählt habe er schon. Er lächelt. Er lächelt mehrdeutig. Wer seine Stimme bekommen hat, sagt er nicht.

Macht nichts. Bürgermeister Paul Larue fragt bei seinen Hausbesuchen zwar, ob alles im Ort in Ordnung sei, wenn aber nichts anliegt, wird halt geredet, über Gott und die Welt. Pastor Josten etwa kennt der Bürgermeister. Er hat seine Doktorarbeit gelesen, in Englisch. Josten berichtet, dass er zudem drei Sprachen aus Indien beherrscht, „alle Achtung”, sagt Paul Larue, wünscht noch einen schönen Abend und zieht weiter.

Das nächste Haus. „Guten Abend, Paul Larue, Bürgermeister”, sagt der Bürgermeister. „Wir wollten nur mal hören, ob es irgendwelche Sorgen gibt.” Der Mann lächelt, auch vielsagend. Sorgen, sagt er, Sorgen macht mir das Finanzamt. Jetzt lächelt auch Larue. „Da kann ich leider nicht helfen”, und irgendwie landen sie beim Fußball. Gerade spielt Deutschland in Aserbaidschan, Larue erzählt, das letztes Wochenende mal wieder ein Dürener in der Bundesliga gespielt hat. Christoph Moritz aus Arnoldsweiler, er spielt jetzt bei Schalke.

Und weiter. Eine Frau steht im Türrahmen. Erzählt, dass sie früher bei Feron gearbeitet hat. Kein Problem, auch darauf stellt sich Larue sofort ein. Bei Feron kennt er jemanden, der ihn einst als Messdiener ausgebildet hat.

„Die Welt ist klein”, sagt Hardy Helbig. Helbig ist CDU-Kandidat in Birgel und begleitet Larue an diesem Tag mit seiner Koppelkandidatin Evelyne Machon.

Über Politik wird kaum geredet. Die Menschen in Birgel scheinen zufrieden zu sein, sie sind allenfalls bisweilen ein wenig überrascht, dass da plötzlich zur Abendbrotzeit der Bürgermeister vor der Tür steht. „Dass sie hierhin kommen”, sagt eine ältere Frau.

Eine andere fragt: „Was haben Sie für ein Gefühl für die Wahl?” - „Wir bemühen uns”, sagt Larue. „Also, wenn Steinmeier Kanzler wird, wandere ich aus.” Paul Larue lächelt wieder. „Thomas Rachel kommt auch nochÉ”, sagt er und nickt der Dame zu. Rachel ist für die Bundestagswahl der CDU-Kandidat im Kreis Düren.

So wie an diesem Tag in Birgel ist es nicht immer. Bürgermeister Larue hört bei seinen Hausbesuchen schon die ein oder andere Beschwerde. Meist geht es um Verkehrssachen, etwa, wenn Gehwege fehlen oder richtige Beschilderungen. Müll, Unrat, auch das kann ein Thema sein oder Geschäfte. Dann, wenn sie fehlen, in kleinen Stadtteilen zum Beispiel.

Alltagsprobleme halt. Hardy Helbig kennt sie. Er kennt überhaupt alles in Birgel, so scheint es. Helbig, Ex-Tornado-Pilot und der Direktkandidat, weiß, wo bissige Hunde leben und an welchem Haus noch keine Klingel montiert ist. „Das kriegt man so mit”, sagt er. Evelyne Machon, seine Koppelkandidatin, nickt. Auch sie kennt sich aus.

Lautes Hallo

Und dann doch noch Klagen. An der Bergstraße werden öfters mal Blumen aus dem Kasten gerissen, in der Grundschule soll es schon mal Spinnen im Klassenzimmer geben, außerdem wäre es doch schön, sagt ein älterer Herr, wenn es in der Dorfmitte einen Briefkasten geben würde. Larue verspricht, da zu helfen, wo er kann, dann noch schnell in die Altenstube, mittwochs wird hier Skat gespielt. Kurzes Hallo, danach ist Schluss. Der Bürgermeister muss zum nächsten Termin.

Es geht um die neue Museumsleitung, bis Mitternacht, dann macht er seinen letzten Hausbesuch für diesen Tag: daheim in Niederau.
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