Düren - Wenn Menschen einsam sterben

Wenn Menschen einsam sterben

Von: Sandra Kinkel
Letzte Aktualisierung:
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Ein schlichtes Holzkreuz mit einem Namen drauf - so sehen in Düren Gräber von Menschen aus, die keine Angehörigen haben, die sich um die Beerdigung oder die Grabpflege kümmern können.

Düren. Auf dem kleinen braunen Holzkreuz steht in schwarzer Schreibschrift ein Name. Rund um das kleine Kreuz ist Kies. Kein liebevoll bepflanztes Grab, kein Grabstein. Hier, an dieser Stelle auf dem Neuen Friedhof in Düren, wurde vor wenigen Tagen ein Mensch begraben.

Nennen wir ihn Marlene Schumacher. Die Beerdigung von Marlene Schumacher haben Mitarbeiter des Dürener Ordnungsamtes organisiert. Frau Schumacher hatte keine Angehörigen und Freunde, die sich um ihre Beisetzung hätten kümmern können. Außer den Mitarbeitern der Friedhofsverwaltung war nur noch ein Pastor bei ihrer Beerdigung dabei.

Karl-Heinz Adels, Leiter des Dürener Ordnungsamtes: „Wenn Menschen in Düren sterben, die keine Angehörigen mehr haben, sind wir als Ordnungsbehörde verpflichtet, die Beerdigung zu organisieren und auch zu finanzieren. So will es das Bestattungsgesetz.” In den allermeisten Fällen, ergänzt Achim Schmitz, beim Ordnungsamt zuständig für solche Fälle, gäbe es durchaus Angehörige, die sich allerdings weigern würden, die Beerdigungskosten zu übernehmen.

Schmitz: „Ehe- und Lebenspartner, Geschwister, volljährige Kinder und Enkel sowie Eltern und Großeltern sind verpflichtet, für die Beerdigungskosten aufzukommen. Wollen die das nicht, treten wir als Ordnungsamt in Vorleistung, in vielen Fällen gelingt es uns aber, das Geld von den Familien zurück zu bekommen. Wer wirklich kein Geld hat, kann einen Antrag auf Kostenübernahme beim Sozialamt stellen.”

Immerhin 90 solcher Bestattungen hat es 2007 gegeben, 2008 waren es 76.

Schmitz: „Die Ordnungsbehörde am Sterbeort ist für die Beerdigung zuständig. Und weil wir in Düren vier Krankenhäuser haben, haben wir auch als Ordnungsamt so viele Beerdigungen durchzuführen.” Achim Schmitz erfährt in der Regel von den Kliniken oder den gesetzlich bestellten Betreuern der Verstorbenen, wenn wieder einmal eine Beerdigung ansteht.

Wenn es keine Verfügung der Verstorbenen gibt, werden sie auf dem Neuen Friedhof in einem Reihengrab mit Erdbestattung beigesetzt. Schmitz: „Im Schnitt kostet eine solche Beerdigung 2000 Euro. Bei 90 Fällen sind das 180.000 Euro, die dem Steuerzahler zu Lasten fallen. Schon deswegen ist es wichtig, dass wir das Geld von den Angehörigen zurückbekommen.”

Einige Zeit nach der Beerdigung beobachten die Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung, ob sich vielleicht doch noch Freunde oder Bekannte des Verstorbenen finden, die an das Grab kommen. Georg Fittkau, Leiter der Friedhofsverwaltung in Düren: „Trauern ist wichtig. Und dazu braucht man Orte der Trauer.”

Irgendwann wird das Grab dann verfüllt. „Das ist der Preis unserer Gesellschaft. Die Vereinsamung der Menschen nimmt immer mehr zu. Und natürlich sind solche Beerdigungen ohne Trauergemeinde mehr als traurig. Aber wir können hier auch die Welt nicht verändern”, so Fittkau.

Seit einiger Zeit arbeiten Ordnungsamt und Friedhofsverwaltung eng mit den Kirchen zusammen. „Da haben wir drum gebeten”, so Regionaldekan Hans-Otto von Danwitz. „Jeder hat eine würdevolle Beerdigung verdient, Menschen dürfen nicht einfach so verscharrt werden. Deswegen nimmt an jeder Beerdigung in Düren immer ein Pfarrer teil.”
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