Düren - Wenn Eltern ihre Kinder wie Helikopter umkreisen

CHIO-Header

Wenn Eltern ihre Kinder wie Helikopter umkreisen

Letzte Aktualisierung:
6970966.jpg
Buchautor, Talkgast und Pädagoge Josef Kraus (links) mit Dr. Stephan Kufferath, Vorsitzender der Vereinigten Industrieverbände. Foto: I. Latotzki

Düren. Josef Kraus, der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, kennt drei Arten von Hubschraubern: Transporthubschrauber, Rettungshubschrauber, Kampfhubschrauber. Sie werden wahlweise eingesetzt, kurz hintereinander oder manchmal auch beinahe gleichzeitig. Am Steuer: Eltern.

Helikopter-Eltern. So nennt Gymnasialdirektor Kraus jene Mütter und Väter, die ständig um ihre Kinder kreisen, sie nicht aus den Augen lassen, „Eltern, die obsessiv entschlossen sind, alles und noch mehr für ihre Kinder zu tun“.

Kraus, 64, spricht auf der Jahresanfangsveranstaltung der Vereinigten Industrieverbände von Düren, Jülich, Euskirchen und Umgebung (VIV). Er trifft den Geschmack der 160 Gäste, weil er zuspitzt, pointiert und humorvoll formuliert und bisweilen mit einem Augenzwinkern die heutige Elterngeneration beschreibt.

Zum Glück nicht alle. Bei weitem nicht. 70 Prozent, so stellt Kraus gleich zu Beginn klar, seien „verantwortungsvoll und bodenständig“. Der Rest: im Helikopter unterwegs. Kinder werden zu Prinzen und Majestäten, ihnen wird alles aus dem Weg geräumt, sie sind nichts schuld, häufig unentdeckt hochbegabt, unwillig, einen Handschlag zu tun und lernen nicht zu scheitern. So sieht es Kraus, der nicht nur häufiger in Talkshows zu sehen ist, sondern auch ein Buch vorgelegt hat, das binnen drei Monaten in der vierten Auflage erschienen ist. Titel: „Helikoptereltern: Erziehung zwischen Förderwahn und Erziehung“. Sein Fazit auf Burg Obbendorf: Eltern versündigen sich an ihren Kindern und schaden ihnen für die Zukunft.

Über die Zukunft sprach am Mittwoch in Hambach auch Dr. Stephan Kufferath, der Vorsitzende der VIV. Der Unternehmer blickte auf die wirtschaftliche Entwicklung in der Region und betonte, dass die meisten VIV-Mitgliedsunternehmen positiv in die nahe Zukunft schauen würden. Sorgen bereiteten jedoch die sozialpolitischen Pläne der Großen Koalition. „Insbesondere die milliardenschweren Ausgaben im Bereich der Rentenversicherung sind aus unserer Sicht ein Fehler.“ Und auch die Beschäftigungschancen für Einfachqualifizierte würden durch die geplanten Reglementierungen der Zeitarbeit und die Einführung des gesetzlichen Mindestlohnes verschlechtert, sagte Kufferath. Eine zentrale Herausforderung für die Politik und zugleich das größte Risiko für die Industrie in Deutschland und in der Region in den nächsten Jahren sei es, die Energiekosten in den Griff zu bekommen. Das müsse gelingen, so Kufferath, „wenn nicht, wird der Industriestandort Deutschland unweigerlich Schaden nehmen“. Zudem betonte der VIV-Vorsitzende die zentrale Bedeutung von Bildung für den sozialen Aufstieg.

Eltern können da eine Rolle spielen. Es müssen keine Helikoptereltern sein. (inla) Angemerkt

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.


Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert