Nörvenich - Wenn eine Kneipe auf Reisen geht

Wenn eine Kneipe auf Reisen geht

Von: Sandra Kinkel
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Eine Kneipe am Haken! In Eschweiler über Feld ging gestern eine Gaststätte auf Reisen. Im nächsten Jahr soll das Lokal im Freilichtmuseum Kommern wieder seine Pforten öffnen. Foto: Sandra Kinkel

Nörvenich. „Das ist ein Stück Kindheit. Schon komisch.” Roland Watteler (30) hat eine dunkle Sonnenbrille an, aber er lächelt. Im kleinen Nörvenicher Ortsteil Eschweiler über Feld war am Montag die Hauptstraße gesperrt, etliche Schaulustige hatten sich versammelt, um zu beobachten, wie eine Kneipe auf Reisen geht.

Genauer gesagt die Gaststätte „Watteler” von Gerti Vermaasen, Rolands Mutter. Die Kneipe wird nämlich im Freilichtmuseum in Kommern originalgetreu wieder aufgebaut.

„Das ist für uns eine echte Premiere”, erzählt Andrea Nowotny vom Freilichtmuseum. „Zwar sind alle unsere Häuser Originale, aber diese Kneipe ist das erste Steingebäude, das wir umsiedeln.” Alles andere seien, so Nowotny, Fachwerkhäuser. In Kommern entsteht ein Bereich mit Gebäuden aus der Nachkriegszeit bis in die 80er Jahre. „Uns fehlte eine Gaststätte”, so Nowotny. Da hatte Karl-Heinz Hucklenbroich die rettende Idee: Der Mann aus Eschweiler über Feld arbeitet in Kommern und hat seinen Kollegen von der leer stehenden Kneipe in seinem Heimatort erzählt.

Andrea Nowotny: „Diese Gaststätte war ideal. Das Gebäude stammt aus einer Zeit um 1900, aber alles wurde in den 70er Jahren komplett renoviert. Das 70er-Jahre-Flair ist noch komplett erhalten.” Andrea Nowotny spricht von Wandvertäfelungen und braun-gelben Fliesen. „Die mussten unbedingt erhalten bleiben”, sagt Bauhistoriker Dr. Carsten Vorwig vom Kommener Museum. Komplette Mauerteile wurden deswegen ausgeschnitten und verpackt.

Eine, die das 70er Jahre Flair der Gaststätte „Watteler” wohl am besten kennt, ist Wirtin Gerti Vermaasen. Die 59-Jährige hat 1972 in die Wirtsfamilie eingeheiratet und bis November 2005 in der Kneipe gearbeitet und ein paar Jahre sogar hier gewohnt.

Um zehn Uhr war sie am Montag schon an ihrer alten Wirkungsstätte, obwohl der große Kran, der die beiden Container mit der Kneipe verladen hat, erst nach 15 Uhr kam. Gerti Vermaasen: „Das ist alles schon sehr bewegend für mich. Aber heute freue ich mich schon fast. Als die Leute aus Kommern angefangen haben, das Gebäude abzubauen, hat es mir fast das Herz zerrissen. Das war wirklich schlimm.”

Gerti Vermaasen identifiziert sich immer noch sehr mit ihrer Gaststätte, und das, obwohl sowohl ihre Schwiegereltern als auch ihr erster Mann schon lange tot sind. „Trotzdem”, sagt sie. „Das war mein Zuhause.” Die Kneipe sollte abgerissen werden, weil sie schwere Bergschäden hatte. „Eine Renovierung hätte nicht mehr gelohnt”, so Vermaasen.

„Um so schöner ist es, dass sie nun ins Museum kommt. Das ist ein echtes Denkmal für meine Familie.” Gläser, Aschenbecher, Tischdecken und natürlich sämtliche Möbel haben die Mitarbeiter des Freilichtmuseums eingepackt und mitgenommen.

„Da hat mein Herz schon geblutet, als ich die Sachen alle hergegeben habe. Aber jetzt habe ich mich schon daran gewöhnt. Und immerhin laufen die Gespräche und Verhandlungen mit Kommern bereits über anderthalb Jahre.”

Gerti Vermaasen hat am Montag in Eschweiler über Feld alles mit ihrer Kamera festgehalten. Und sie wird nächstes Jahr mit ihrem Sohn Roland auch bei der Wiedereröffnung ihrer Gaststätte dabei sein. Und ein kühles Bierchen trinken.
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